Ergebnisse der Meinungsumfrage Sachsen-Monitor 2026 vorgestellt

03.11.2026, 13:48 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Dresden (3. November 2026) – In Dresden sind heute (3. November 2026) die Ergebnisse der sechsten Auflage des »Sachsen-Monitors« vorgestellt worden. Der Sachsen-Monitor ist eine repräsentative, von der Sächsischen Staatskanzlei in Auftrag gegebene Befragung über die Einstellungen und Meinungen der sächsischen Bevölkerung.

Im Rahmen der Meinungsumfrage werden unter anderem der Blick auf die Zufriedenheit mit den wirtschaftlichen und persönlichen Lebensumständen, die Zukunftserwartungen, die Haltung zur Demokratie sowie extremistische Einstellungen und Ressentiments erfasst. Erneut hat ein Beirat mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft die Studie begleitet.

Staatskanzleichef Dr. Andreas Handschuh: »Die Sachsen blicken mehrheitlich optimistisch in ihre persönliche Zukunft und fühlen sich ihrer Heimat eng verbunden. Seit der Wiedervereinigung hat Sachsen einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Die Menschen haben mit großem Einsatz Unternehmen aufgebaut, neue Perspektiven geschaffen und unser Land entscheidend geprägt. Zugleich bleiben die wirtschaftliche Entwicklung und der Strukturwandel große Herausforderungen. Die Wirtschaft ist für viele Hoffnungsträger und Sorgenkind zugleich, darin liegt ein zentraler Befund des Sachsen-Monitors. Viele Menschen spüren die hohen Lebenshaltungskosten sowie die teuren Energie- und Spritpreise unmittelbar im Alltag. Wir nehmen diese Sorgen ernst. Gleichzeitig müssen wir unsere Sozialsysteme durch die geplanten Reformen auf Bundesebene zukunftsfest und gerecht aufstellen, damit sie auch künftig verlässlich funktionieren. Es kommt jetzt darauf an, die Chancen des Strukturwandels zu nutzen, Innovationen, Forschung und Wissenschaft weiter zu stärken, gute Arbeitsplätze zu sichern und verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen zu schaffen. Die Erfahrungen seit 1990 zeigen, dass Sachsen den Wandel selbstbestimmt und positiv gestalten kann. Dieses weiterhin ungebrochene Vertrauen in die eigene Kraft macht mich zuversichtlich, dass wir auch die zukünftigen großen Herausforderungen gemeinsam bewältigen werden.«

Prof. Dr. Markus Heinker, Vorsitzender des Beirats zum Sachsen-Monitor: »Der Sachsen-Monitor 2026 zeigt ein Land, dessen Bevölkerung über ein stabiles persönliches Fundament verfügt, zugleich aber mit wachsender Skepsis auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen blickt. Einer grundsätzlichen Unterstützung der Demokratie, der persönlichen Zuversicht, und der starken Verbundenheit mit der Heimat steht ein kritischer Blick auf Wirtschaft, soziale Sicherheit und die praktische Umsetzung der Demokratie gegenüber. Die kritische Haltung der Sachsen ist jedoch konstruktiv. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen mitzutragen. Das ist jedoch an Erwartungen geknüpft, insbesondere an wirtschaftliche Perspektiven und soziale Sicherheit, an staatliche Handlungsfähigkeit sowie an nachvollziehbare Entscheidungen und tatsächliche Möglichkeiten der Mitwirkung. Diese Balance zu gewährleisten, ist der Auftrag der sich den Ergebnissen des Sachsen-Monitors 2026 entnehmen lässt.«

Dr. Robert Grimm, Leiter Politik- und Meinungsforschung Ipsos Deutschland: »Der Sachsen-Monitor 2026 zeigt eine Gesellschaft, die über starke Grundlagen verfügt. Die Menschen sind ihrer Heimat eng verbunden, 86 Prozent sind stolz auf das seit der Wiedervereinigung Erreichte und eine deutliche Mehrheit blickt zuversichtlich auf die eigene Zukunft. Besonders bemerkenswert ist, dass die Zustimmung zur Demokratie seit 2023 nochmals gestiegen ist – auf 87 Prozent. Auch das Vertrauen in wichtige Institutionen wie Wissenschaft, Polizei und Justiz hat zugenommen. Zugleich sehen wir eine wachsende Skepsis gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung Sachsens und eine deutliche Unzufriedenheit mit der praktischen Umsetzung demokratischer Politik. Viele Menschen haben das Gefühl, bei wichtigen Veränderungen nicht ausreichend gehört zu werden. Dabei zeigt der Sachsen-Monitor auch: Die Mehrheit ist offen für Wandel. Das ist ein ermutigender Befund und zugleich ein klarer Auftrag, Veränderungen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern zu gestalten.«

Für den Sachsen-Monitor 2026 wurden 2.031 zufällig ausgewählte Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Sachsen persönlich befragt. Die Erhebung fand vom 14. März bis 14. Juni 2026 statt. Sie war geprägt von den außen-, wirtschafts- und energiepolitischen Auswirkungen des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine, des Irankriegs und der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump.

Die Befragungen zum Sachsen-Monitor wurden erstmals vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos GmbH durchgeführt. Durch die wiederkehrende Befragung können die Ergebnisse der Sachsen-Monitore miteinander verglichen und sich verändernde Einstellungen und Meinungen der sächsischen Bevölkerung beobachtet werden.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Persönliche Zukunftsperspektiven werden weiterhin positiv beurteilt

61 Prozent der Befragten blicken zuversichtlich auf ihre persönliche Zukunft. Auch die eigene wirtschaftliche Lage beurteilt eine klare Mehrheit (67 Prozent) positiv. Bei der wirtschaftlichen Lage Sachsens überwiegt hingegen angesichts der schwierigen Herausforderungen erstmals die Skepsis.

Selbstbestimmt und leistungsbereit: Die eigene Lebensgestaltung hat man selbst in der Hand

81 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass sie ihr Leben selbst in der Hand haben und 70 Prozent sind der Überzeugung, dass persönliche Anstrengung auch zum Erfolg im Leben führt. 58 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Sachsen, die Herausforderungen der Zukunft meistern wird. Das ist ein wichtiges Zeichen für das Vertrauen in die Fähigkeiten des Freistaates.

Selbstbewusste Sachsen: Weiterhin stolz auf das, was sie seit 1990 erreicht haben

85 Prozent der Befragten sind stolz darauf, was in Sachsen seit 1990 erreicht wurde. 78 Prozent sind der Auffassung, dass sich Sachsen vor dem Vergleich mit vielen westdeutschen Ländern nicht scheuen muss. 59 Prozent schätzen die wirtschaftliche Lage im Freistaat besser ein als in anderen ostdeutschen Bundesländern.

Die Friedliche Revolution bleibt ein wichtiger Bezugspunkt

83 Prozent halten die Erinnerung an die Friedliche Revolution für wichtig. Alle Altersgruppen und insgesamt 68 Prozent betrachten die damalige DDR als Unrechtsstaat – ein stetig wachsender Wert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte für viele Menschen weiterhin Bedeutung hat.

Die Lebensqualität vor Ort wird positiv eingeschätzt

90 Prozent fühlen sich an ihrem Wohnort wohl. 88 Prozent finden ihren Wohnort lebenswert, 86 Prozent fühlen sich dort sicher. Gleichzeitig sehen viele Menschen stärkeren Handlungsbedarf durch die Landespolitik bei der Zukunft ihrer Region.

Mit den persönlichen Lebensumständen insgesamt zufrieden

Insgesamt sind die Sächsinnen und Sachsen trotz der gestiegenen Herausforderungen mit ihren persönlichen Lebensumständen zufrieden. Bei den abgefragten Kriterien (Ausmaß der Freizeit, Gesundheit, Beschäftigungssituation, haus- und fachärztliche Versorgung, soziale Absicherung, Sauberkeit und Sicherheit von Plätzen und Straßen in der Umgebung, finanzielle Situation) herrschen Zufriedenheitswerte in einer Spanne zwischen 78 Prozent (Ausmaß der Freizeit) und 57 Prozent (soziale Absicherung). Mit der eigenen Wohnsituation sind unverändert sogar 89 Prozent »zufrieden« oder »sehr zufrieden.

Die Menschen sorgen sich um soziale Sicherheit und internationale Konflikte

72 Prozent der Befragten machen sich Sorgen, dass die Rente nicht ausreichen könnte. 80 Prozent befürchten das die Gegensätze zwischen Arm und Reich zunehmen, der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren geht (73 Prozent) und es künftigen Generationen schlechter gehen wird (73 Prozent). 83 Prozent der Befragten machen sich Sorgen über weitere Kriege und militärische Konflikte.

Wirtschaft und Innovation bieten die größten Chancen

Als mit großem Abstand größte Chance für Sachsen betrachten die Befragten den Bereich Wirtschaft, insbesondere Unternehmensansiedlungen, Investitionen und Industrie. Zugleich wird die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung als größte Herausforderung wahrgenommen, gefolgt vom Themenfeld Arbeitsmarkt mit den Aspekten Arbeitsplätze, Löhne und Fachkräftemangel. Dies verdeutlicht, dass das Thema Wirtschaft ganz oben auf der Agenda der Sachsen steht. Die Potenziale für Innovation, Forschung und den wirtschaftlichen Wandel in Sachsen werden genauso wahrgenommen wie die Risiken einer wirtschaftlichen Eintrübung auf den Wohlstand.

Mehr direkte Demokratie findet breite Unterstützung

87 Prozent sind überzeugt, dass mehr Einflussnahme der Bürger durch Volksentscheide das politische Interesse erhöhen würde. 57 Prozent vertreten die Auffassung, dass nur direkte Demokratie wahre Demokratie sei. Die Ergebnisse zeigen den Wunsch vieler Menschen, stärker an politischen Entscheidungen beteiligt zu werden.

Die Sächsinnen und Sachsen stehen zur Demokratie, sind aber mehrheitlich unzufrieden wie sie aktuell funktioniert

Die große Mehrheit der Sachsen (87 Prozent) hält die Demokratie für eine gute Regierungsform. Damit, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert, zeigen sich allerdings nur 44 Prozent der Befragten eher oder sehr zufrieden. Etwas besser ist der Wert mit 48 Prozent mit Blick auf das Funktionieren der Demokratie in Sachsen.

Stabiles Vertrauen in Institutionen auf kommunaler und Landesebene. Geringeres Vertrauen gegenüber der Bundes- und EU-Ebene.

Die Ergebnisse des Sachsen-Monitors 2026 beim Institutionenvertrauen sind ambivalent. Mehrere der abgefragten staatlichen, kommunalen oder sonstigen Institutionen konnten bei den Befragten im Vergleich zum Sachsen-Monitor 2023 Vertrauen zurückgewinnen, während andere geringe Verluste zu verzeichnen haben. Polizei (72 Prozent), die Wissenschaft (72 Prozent) und Gerichte (62 Prozent) genießen ein gestiegenes und weiterhin das höchste Vertrauen. Dem örtlichen Bürgermeister vertrauen 53 Prozent. 44 Prozent vertrauen der Sächsischen Staatsregierung. Beim Bundestag sind es 28 Prozent, bei der Bundesregierung lediglich 19 Prozent. Der Europäischen Kommission vertrauen 22 Prozent und dem Europäischen Parlament 24 Prozent.

Demokratie lebt vom Engagement und von politischer Bildung

82 Prozent der Befragten halten das Engagement in demokratischen Parteien sowie 80 Prozent in Vereinen, Kirchen und Gewerkschaften für wichtig. Ebenso viele messen politischer Bildung in Schulen (81 Prozent) große Bedeutung bei. 69 Prozent halten politische Erwachsenenbildung für wichtig. 77 Prozent befürworten die Beobachtung verdächtiger Gruppen durch den Verfassungsschutz.

Mehrheitlich Akzeptanz der notwendigen Transformation, doch Wunsch nach stärkerer Einbindung

60 Prozent der Sachsen sind bereit, sich auf neue Entwicklungen und erforderliche Veränderungen einzustellen, wobei in den jungen Altersgruppen diese Bereitschaft deutlich ausgeprägter ist (18-29-Jährige: 86 Prozent, 30-39-Jährige: 85 Prozent). Zentraler Kritikpunkt ist die Einbindung der Bevölkerung in die Veränderungsprozesse. 81 Prozent meinen, große Veränderungen würden zu häufig ohne ausreichende Einbindung der Bevölkerung entschieden.

Einführung der Wehrpflicht wird unterstützt

Im Rahmen des Sachsen-Monitors 2026 wurde erstmals Fragen zur Wehrpflicht und internationalen Sicherheit sowie der internationalen Zusammenarbeit der EU gestellt. Eine knappe Mehrheit der Befragten (52 Prozent) befürwortet die Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht.

53 Prozent befürworten eine außenpolitische Strategie der EU, die auf der Zusammenarbeit mit den NATO-Staaten in globalen Fragen beruht. Die stärkste Unterstützung erhält eine erweiterte Zusammenarbeit mit demokratischen Partnerstaaten wie Australien und Japan (35 Prozent). Eine stärkere Zusammenarbeit der EU mit Russland befürworten nur 11 Prozent der Befragten.

Alle Ergebnisse des Sachsen-Monitors sind abrufbar unter https://www.staatsregierung.sachsen.de/sachsen-monitor-5656.html.


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