21.000 Tonnen Kalk aus der Luft
17.07.2026, 09:42 Uhr — 1. Korrektur (aktuell)
Bodenschutzkalkung 2026 in Sachsens Wäldern gestartet
Sachsenforst hat mit der diesjährigen Bodenschutzkalkung der Wälder begonnen. Knapp 21.000 Tonnen Magnesiumkalk werden von Hubschraubern im Zeitraum von Juli bis Oktober ausgebracht. Überflogen werden dazu 6.900 Hektar Wald in den Forstbezirken Adorf, Plauen, Eibenstock, Neudorf, Marienberg, Bärenfels sowie im Bereich der Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz.
Landesforstpräsident Utz Hempfling: »Die Bodenschutzkalkung ist nach wie vor nötig, um die Schäden der Vergangenheit in den sächsischen Wäldern zu beheben. Gesunde Waldböden sind die Voraussetzung für stabile Wälder und das Gelingen des Waldumbaus. Daher bin ich froh, dass weiterhin die Mittel aus der Europäischen Union und dem Sächsischen Haushalt zur Verfügung stehen, um eigentumsübergreifend die betroffenen Wälder zu kalken. Die Waldbesuchenden bitte ich um Verständnis, wenn es örtlich zu kurzzeitigen Einschränkungen kommt.«
Der überwiegende Teil der Waldflächen sind Landeswald (4.940 Hektar), aber auch Privatwald (1.680 Hektar), Kommunalwald (180 Hektar) und Kirchenwald (100 Hektar) werden gekalkt.
Die Kalkung hilft, die aufgrund von Industrieabgasen versauerten Böden, allmählich wieder an natürliche pH-Verhältnisse anzunähern und wird maßgeblich mit Mitteln aus dem GAP-Strategieplan der Europäischen Union finanziert. Der verwendete Kalk kommt aus einem Kalkwerk in der Oberpfalz.
Historische Verantwortung
Die Notwendigkeit der Kalkung ist historisch begründet. Die Belastung der Umwelt durch schwefel- und stickstoffhaltige Industrieabgase gipfelte Ende des letzten Jahrhunderts mit dem »Sauren Regen« und den durch diese Niederschläge in den Wäldern verursachten Schäden. Mit der Installation leistungsfähiger Filteranlagen in Industrieanlagen konnten die Schadstoffemissionen begrenzt werden, sodass sich die Bäume oberirdisch erholen konnten. Im Wurzelraum ist die Umweltbelastung jedoch noch heute messbar. Hier behindert das saure Milieu die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen und begünstigt die Freisetzung giftiger Schwermetalle. Die schlechtere Nährstoffverfügbarkeit setzt die Pflanzen unter Stress und bedeutet für den Waldumbau ein Risiko, denn die Mischwälder der Zukunft sollen auf möglichst stabilen und wohlgenährten Füßen stehen.
Die Ausbringung von basischem Kalk ist keine Düngung, sondern eine Pufferung und Neutralisierung des pH-Wertes. Ziel ist es, das Nährstoffgleichgewicht, die Lebensgemeinschaften der Waldböden und die Bodenfunktionen wiederherzustellen. Seit 1986 erfolgt die systematische und fachlich fundierte und begleitete Bodenschutzkalkung. Gekalkt werden hierbei nur durch menschliche Ursachen versauerte Böden. In Sachsen befinden sich diese hauptsächlich in den Berglagen des Vogtlandes, Erzgebirges, Oberlausitzer Berglandes und Zittauer Gebirges.
Kurzfristige Einschränkungen der Waldbetretung
Das Zeitfenster für die Bodenschutzkalkung liegt, unter Beachtung von Witterung und Naturschutz und der begrenzten Kapazitäten der Flugtechnik, zwischen Juli und Oktober. Sie erfolgt unter Kontrolle durch die Forstbezirke von Sachsenforst und in umfangreicher Abstimmung mit den Naturschutz- und Wasserbehörden.
Frühestens nach 10 Jahren werden gekalkte Flächen wiederholt beflogen. Aus dem Helikopter landen dann durchschnittlich 300 Gramm Gesteinsmehl je Quadratmeter auf dem Waldboden. Aus Sicherheitsgründen ist das Betreten betroffener Waldflächen während der Befliegung untersagt. Über die wenige Tage umfassenden Sperrzeiten informieren die Forstbezirke von Sachsenforst unter anderem im Internet unter https://www.wald.sachsen.de/hinweise-fuer-waldbesucher-5844.html. Naturkalke sind für Lebewesen gesundheitlich unbedenklich. Eventuell vorhandene Rückstände auf Pflanzen, Pilzen oder Beeren sollten vor dem Verzehr mit Wasser abgespült werden.
Hintergrund
Von 1986 bis 2025 wurde in Summe eine Fläche von ca. 442.000 Hektar Wald gekalkt, die meisten Flächen bereits wiederholt. Im Jahr 2025 wurde diese Maßnahme für die von Bodenversauerung betroffenen Wälder aller Waldbesitzarten auf rund 5.860 Hektar mit etwa 2,9 Millionen Euro durch die Europäische Union über das ELER-Programm kofinanziert. Die Wirkung der Kalkung wird unter anderem auch im Rahmen der Bodenzustandserhebung analysiert.
Umfangreiche Informationen zur Bodenschutzkalkung 2026 finden Sie im Waldportal unter https://www.wald.sachsen.de/bodenschutzkalkung-5838.html.
www.sachsenforst.de