Sachsen erhöht Prämien für ökologischen Landbau

20.05.2008, 13:26 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Agrarminister Wöller: alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Ökolandbau voranzubringen

Der Freistaat Sachsen gibt künftig mehr Geld für den ökologischen Landbau aus. Agrarminister Roland Wöller kündigte heute (Dienstag, 20. Mai) an, ab 2009 die Prämien um 20 Prozent zu erhöhen. „Sachsens Landwirte sollen mehr als bisher am Bioboom teilhaben“, begründete der Minister die Erhöhung. Die Umstellung auf Ökoproduktion würde der steigenden Nachfrage deutlich hinterherhinken. „Die Schere muss kleiner werden“, so Wöller. Er verwies aber auch darauf, dass die Entscheidung für oder gegen eine ökologische Bewirtschaftung einzig und allein beim Landwirt liege. Es sei sein unternehmerisches Risiko. Wie Wöller sagte, biete der Staat lediglich die Rahmenbedingungen. Ziel sei es, mit den höheren Prämien den einen oder anderen noch unschlüssigen Landwirt für eine Umstellung zu gewinnen. „Ich möchte alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den ökologischen Landbau in Sachsen noch ein Stück voranzubringen“, so Wöller.

Bisher werden in Sachsen pro Hektar Ackerland in den ersten zwei Jahren 262 Euro pro Hektar und Jahr gezahlt. Ab Januar sollen es 314 Euro sein. Beim Gemüsebau steigt der Satz von 440 auf 528 Euro pro Hektar und beim Obstbau von 1.107 auf 1.322 Euro. Auch die sogenannten Einführungs- bzw. Beibehaltungsprämien, die vom 3. bis zum 5. Jahr und ab dem 6. Jahr gezahlt werden, werden um 20 Prozent angehoben. So steigen diese beim Ackerland von 137 Euro auf 164 Euro pro Hektar.

Wie Wöller betonte, gebe es in Sachsen schon jetzt deutschlandweit mit die höchsten Prämien. Aktuelle Kalkulationen der zum Ministerium gehörenden Landesanstalt für Landwirtschaft ergaben jedoch, dass die derzeitigen staatlichen Zuzahlungen nicht ausreichen, um Einkommensdefizite auszugleichen. Jeder Landwirt, der auf biologische Produktion umstellt, muss wirtschaftliche Einbußen hinnehmen. Insbesondere die zweijährige Umstellungsphase, in der schon ökologisch produziert, die Produkte aber
noch nicht als Öko-Produkte verkauft werden dürfen, sei für den Landwirt, „eine
betriebswirtschaftlich äußerst schwere Zeit“. Mit höheren Prämien könne das Risiko laut Wöller deutlich minimiert werden.

Die Prämienerhöhung muss bei der EU aus beihilferechtlichen Gründen genehmigt werden. Mit einer Entscheidung aus Brüssel wird rechtzeitig für die Antragstellung 2009 gerechnet. Das Agrarministerium rechnet mit einem finanziellen Mehraufwand von etwa acht Millionen Euro bis 2013. Der zusätzliche Bedarf wird aus GAK-Mitteln (Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz) finanziert. Antragsteller aus den Jahren 2007 und 2008 erhalten automatisch ab 2009 die höheren Prämiensätze. In der vergangenen Förderperiode (2000 – 2007) wurde der ökologische Landbau im Freistaat mit 27,8 Millionen Euro gefördert.

Derzeit gibt es in Sachsen 339 Öko-Betriebe, das sind 46 mehr als im Jahr 2006. Insgesamt werden 28.274 Hektar ökologisch bewirtschaftet. Das ist im Vergleich zu 2006 ein Flächenzuwachs um 3.221 Hektar. Der Anteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche beträgt damit 3,14 Prozent. Im deutschen Durchschnitt sind es 5,3 Prozent.


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Pressesprecherin Corinna Saring
Telefon: +49 351 564 20040
Telefax: +49 351 564 20007
E-Mail: presse@smul.sachsen.de
zurück zum Seitenanfang