Mia stärkt die Luchspopulation im Erzgebirge
01.10.2026, 10:49 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Seit 2024 zehn Luchse in Sachsen ausgewildert
Heute, in den frühen Morgenstunden des ersten Oktobertages, hat wieder eine Luchskatze den Sprung in ihren neuen Lebensraum in den Wäldern des Westerzgebirges gewagt. Sie folgt damit auf die beiden Luchse Lotta und Luca, die im August ausgewildert worden waren. Das teilte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Dresden mit.
Die Luchskatze heißt Mia. Sie ist letztes Jahr zusammen mit zwei Geschwistertieren im Tierfreigelände des Nationalparkzentrums Falkenstein in Bayern geboren worden. In dem großen naturnahen Freigehege behalten die Tiere ihre natürliche Scheu vor Menschen. Damit waren für die Luchsin von Anfang an die Weichen gestellt, um sie im Alter von etwa einem Jahr auszuwildern.
»Dass es in Sachsen ein geeignetes Auswilderungsprojekt gibt und wir ein Tier haben, das allen Anforderungen des Expertennetzwerks Linking Lynx entspricht, freut uns sehr. Wenn wir Luchse in die Natur entlassen können, sind es immer ganz besondere Augenblicke«, sagt die Leiterin des Nationalparks Bayerischer Wald, Ursula Schuster. Nicht zuletzt würde damit ein wichtiger Beitrag zum Erhalt einer bedrohten Tierart geleistet, so Ursula Schuster weiter.
»Besonders erfreulich ist, dass in diesem Jahr in Sachsen zwei Weibchen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für den Karpatenluchs ausgewildert werden konnten. Sie sind für die weitere Entwicklung der Population von zentraler Bedeutung« betont der Präsident des Landesumweltamtes Sachsen, Heinz Bernd Bettig. Nur wenn sich die Tiere erfolgreich fortpflanzen, könne der Luchsbestand im Erzgebirge auf natürliche Weise wachsen. Zudem bringt Mia neue Gene mit, die in der sächsischen Luchspopulation bisher nicht vorhanden sind. Das fördert langfristig die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der noch kleinen sächsischen Luchspopulation.
Das Projektteam von »RELynx Sachsen« hofft, dass sich die neu ausgewilderten Luchse dauerhaft im Erzgebirge etablieren und möglichst im Umfeld der bereits sesshaften Tiere ansiedeln. So kann das kleine Luchsvorkommen nach und nach wachsen.
Fachlicher Hintergrund:
Vor der Auswilderung werden alle Luchse mit GPS-Halsbandsendern ausgestattet. Die Halsbänder übertragen regelmäßig Ortungsdaten, die Aufschluss darüber geben, wo sich die Tiere aufhalten und ob sie sich begegnen. Nach etwa einem Jahr lösen sich die Halsbänder automatisch, sodass dann die Beobachtung weitgehend über Wildkameras erfolgt.
Mit der Auswilderung von Mia sind es aktuell zehn Luchse, die seit 2024 im Rahmen des Projektes »RELynx Sachsen« im Westerzgebirge ausgewildert worden sind. Im ersten Auswilderungsjahr waren es fünf Tiere, darunter die beiden Wildfänge Alva und Nova aus dem Schweizer Juragebirge sowie die drei männlichen Tiere aus Tiergehegen: Anton, Chapo und Juno. Anton lebt nicht mehr. Er wurde überfahren und dabei tödlich verletzt. Im Jahr 2025 sind Charlie und Freya ausgewildert worden und in diesem Jahr die drei Luchse Lotta, Luca und Mia.
Die für Auswilderungsprojekte vorgesehenen Tiere stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für den Karpatenluchs. Die Verteilung der geeigneten Nachzuchten erfolgt über das Expertennetzwerk Linking Lynx. Das Ziel von Linking Lynx ist es, Populationen miteinander zu verbinden und eine überlebensfähige Luchs-Metapopulation zu etablieren. Erstrecken soll sie sich von den Karpaten über die deutschen Mittelgebirge bis in den Jura und die Westalpen.