Kulturministerin Klepsch besichtigt die Ausstellung »Verwobene Echos – Farben der Religionen« in der Tuchfabrik Gebr. Pfau Crimmitschau
02.09.2026, 14:27 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Im Rahmen des Jahres der jüdischen Kultur in Sachsen thematisieren eine Installation und eine Sonderausstellung verbindende Elemente von Farbe, Religion und Textilkultur
Kulturministerin Barbara Klepsch hat heute (2. September 2026) die Tuchfabrik Gebr. Pfau Crimmitschau besucht, um die textile Installation »Verwobene Echos – Farben der Religionen« der Künstlerin Maja Gratzfeld im Vorfeld der Eröffnung zu besichtigen.
»Hier in Crimmitschau treffen Industriekultur und jüdische Kultur aufeinander. Ein historischer Ort der sächsischen Textilindustrie wird zum Ausgangspunkt für eine neue Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte, Gegenwart und Kultur. Die Installation ‚Verwobene Echos‘ zeigt uns eindrucksvoll, was für ein Funke überspringt, wenn wir neue, überraschende Brücken schlagen. Genau diese unerwarteten Begegnungen und das gemeinsame Aufspüren von Lebensgeschichten machen für mich die ganz besondere Qualität unseres jüdischen Themenjahres aus«, so Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch über die Ausstellung.
Die Veranstaltung bietet zudem eine gute Gelegenheit, ein Zwischenfazit des Jahres der jüdischen Kultur zu ziehen.
»Dass wir mit unserem Themenjahr TACHELES einen echten Nerv getroffen haben, zeigt sich heute deutlicher denn je: Die Lust und das Interesse, mitzumachen und sich einzubringen, sind riesig. Bereits jetzt haben wir 853 Programmpunkte auf die Beine gestellt und bis zum Jahresende werden es weit über 1.000 sein. Es erfüllt mich mit großer Freude, dass sich insgesamt 93 sächsische Städte und Gemeinden beteiligen. Rund 300 Akteure füllen dieses Jahr mit viel Herzblut und Leben – von den großen Kultureinrichtungen bis hin zu den kleinsten lokalen Initiativen. Das zeigt doch ganz wunderbar: Jüdische Kultur wird in unserem Land überall mitgestaltet und ist in der Fläche angekommen«, so Barbara Klepsch weiter.
Bei der Installation »Verwobene Echos – Farben der Religionen« der Künstlerin Maja Gratzfeld in der Tuchfabrik schaffen Stoffe, Farben, persönliche Objekte und Geschichten eine sinnlich erfahrbare Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Jüdische Textilgeschichte und Farbsymbolik treffen hier auf zeitgenössische Kunst. Durch das Zusammenspiel von textilem Handwerk, Fotografie, archivarischem Material und künstlerischer Inszenierung erschuf die Künstlerin mit unzähligen Stoffbahnen einen mehrdimensionalen Raum, in dem an das jüdische Leben in der Textilgeschichte Sachsens nicht nur erinnert wird, sondern dieses auch als lebendige und fortwirkende kulturelle Praxis erfahrbar ist. Ein Grundmotiv sind dabei Hände, die sowohl für das Beten als auch für Arbeiten eingesetzt werden. Gefördert wurde diese Installation durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.
Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung ist Kooperationspartnerin der erweiterten Ausstellung und verantwortlich für die Wanderausstellung »Sichtbare Vielfalt. Religionen in Sachsen.« Die Ausstellung wandert seit Juli 2024 durch ganz Sachsen und war bereits von tausenden Interessierten an 40 Orten zu sehen und macht die religiöse Vielfalt im Freistaat sichtbar. Religion erscheint in Sachsen häufig wenig präsent, doch leben hier viele Menschen unterschiedlichster religiöser Traditionen. Die Ausstellung zeigt diese Vielfalt anhand konkreter Biografien. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Nicht Religionen werden abstrakt erklärt, sondern Mitglieder der Religionsgemeinschaften erzählen selbst von ihrem Glauben und ihrem Alltag in Sachsen. Die Ausstellung vermittelt Wissen, ermöglicht Begegnung und regt zum Austausch an. Für die Tuchfabrik wurde sie um religiöse Kleidung erweitert, vom indischen Saree, ein Tallit aus Chemnitz bis zum Kreuzträgergewand aus der sorbischen Kultur. Gemeinsam mit der Installation von Maja Gratzfeld entsteht ein neuer Blick auf Religion, Farbe und Identität.
Ort für diese Auseinandersetzung ist die Tuchfabrik Gebr. Pfau Crimmitschau, ein Industriemuseum von europäischem Rang, das zum Zweckverband Sächsisches Industriemuseum gehört. Auf annähernd 9.000 qm ist die Zeit stehen geblieben und die historischen Maschinen bezeugen die Produktion von Wollstoffen im letzten Jahrhundert. Bei einem Rundgang mit Maschinenvorführung können Sie mit allen Sinnen die Entstehung eines Wollstoffs Schritt für Schritt erleben.
Seit 2024 bietet die Dauerausstellung »Textil. Welt. Stadt Crimmitschau« ergänzend Einblicke in die Bandbreite textiler Techniken und Faserstoffe, die textile Kulturlandschaft in Mitteldeutschland sowie die Geschichte der Tuchfabrik Gebr. Pfau und Crimmitschaus.
Oberbürgermeister André Raphael betont bei der Besichtigung die Bedeutung der Textilindustrie für die westsächsische Stadt:' »Crimmitschau ist auf das Engste mit der mitteldeutschen Textilgeschichte verwoben. Über 200 Jahre hinweg hat die Textilindustrie unserer Stadt Arbeit und Identität gebracht. Mit der Tuchfabrik Gebr. Pfau, die zum Zweckverband Sächsisches Industriemuseum gehört, hat die Stadt einen Ort, der die lokale und sächsische Textilgeschichte bewahrt und der in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt wurde. Dass textiles Erbe nicht starr und abgeschlossen, sondern permanent in Bewegung ist und Menschen inspiriert, zeigt diese berührende Installation von Maja Gratzfeld in der Tuchfabrik.«
Über die Genese der Zusammenarbeit erzählt Dr. Birthe Hemeier, Leiterin der Tuchfabrik Gebr. Pfau Crimmitschau: »Die Gebäude und die erhaltenen Maschinen in der Tuchfabrik Gebr. Pfau erzählen von einer regionalen Industriegeschichte, aber auch von den Menschen, die hier gearbeitet haben. Die Verbindung zu Maja Gratzfeld entstand dann über die Vermittlung des Tacheles-Teams. Dadurch kam eine Perspektive von außen an diesen Ort, die für uns sehr interessant ist. Es ging von Anfang an nicht darum, die Geschichte der Tuchfabrik einfach zu illustrieren, sondern darum, zu sehen, was passiert, wenn eine zeitgenössische künstlerische Arbeit auf diesen historischen Ort trifft.«
Die Künstlerin Maja Gratzfeld umreißt den Entstehungsprozess und die Intention der Installation: »Mich interessiert, was mit einem Bild geschieht, wenn es seinen ursprünglichen Zusammenhang und seine Funktion verliert. In ‚Verwobene Echos‘ übertrage ich Fotografien der Hände ehemaliger Textilarbeiterinnen auf Stoff und verbinde sie mit handgefärbten Textilien, die mit Pflanzenpigmenten hergestellt sind. Farbe wird dabei nicht nur als visuelle Qualität verstanden, sondern als Teil von Handlungen und Ritualen verschiedener Religionen. In der ehemaligen Tuchfabrik Gebr. Pfau treffen fotografisches Bild, textile Herstellung und religiös geprägte Farbpraxis aufeinander. Das Bild wird dabei aus seiner ursprünglichen Funktion herausgelöst und als Material weitergeführt.«
Prof. Dr. Manuel Frey, der Stiftungsdirektor der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, über die Unterstützung des Projektes durch die KdFS: In der historischen Tuchfabrik wird jüdische Textilgeschichte nicht nur erinnert, sondern durch zeitgenössische Kunst sinnlich erfahrbar und mit Fragen von Herkunft, Religion und Zugehörigkeit verknüpft. Solche neuen Perspektiven und Begegnungsräume unterstützen wir mit unserem Förderprogramm ‚Jüdisches Leben in Kunst und Kultur‘. Das Projekt ist eines von rund 150 Vorhaben, das die Kulturstiftung im Rahmen von TACHELES mit mehr als 1,4 Millionen Euro fördert.«
Dr. Verena Böll, die Kuratorin der Ausstellung »Sichtbare Vielfalt. Religionen in Sachsen« zu der Präsentation im Foyer der Tuchfabrik: »Im Mittelpunkt der Ausstellung steht einfach der Mensch. Für religiöse Menschen ist Glaube grundlegend für ihre Identität und das soziale Miteinander. Die Methode der biografischen Begegnung informiert umfassend und ermöglicht einen leichten Zugang zu den Religionsgemeinschaften hier in Sachsen.«
TACHELES 2026 ist das vom Freistaat Sachsen initiierte landesweite »Jahr der jüdischen Kultur.« Vom 14. Dezember 2025 bis zum 12. Dezember 2026 werden Projekte, Veranstaltungen und Ausstellungen in ganz Sachsen die vielfältige jüdische Kultur und Geschichte in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Landes einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.
Das Themenjahr wird vom Freistaat Sachsen unter Federführung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus (SMWKT) getragen. Das Projektteam ist am Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (kurz: smac) im ehemaligen Schocken-Kaufhaus angesiedelt, einem zentralen Ort jüdisch-sächsischer Geschichte. Es entwickelt in enger Absprache mit den Partnerinnen und Partnern, den Kulturschaffenden, wissenschaftlichen Institutionen, Netzwerken und dem Kuratorium das Programm für 2026, stimmt gemeinsam mit der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen Fördermöglichkeiten ab und vermarktet das Themenjahr.
PRESSEKONTAKT smac/Tacheles
Dr. Christian Landrock
Mitarbeiter Presse/Öffentlichkeitsarbeit von TACHELES Sachsen 2026
Tel. +49 371 911999-85
Christian.Landrock@lfa.sachsen.de
Weitere Information unter: https://tacheles.sachsen.de
Ein ausführliches Interview mit Maja Gratzfeld und Dr. Birthe Hemeier finden Sie hier: https://tacheles.sachsen.de/tacheles-2026/newsblog/ein-gespraech-mit-maja-gratzfeld-und-dr-birthe-hemeier