Nationaler Gießereidialog: Branche, Länder und IG Metall fordern international wettbewerbsfähige Energiekosten

10.07.2026, 12:16 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Wirtschaftsstaatssekretär Sebastian Scheel in Berlin: »Wer technologische Souveränität in Europa anstrebt, braucht die Gießereien.«

Auf Einladung der Ministerien für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg hat Sachsens Wirtschaftsstaatssekretär Sebastian Scheel heute in Berlin am Nationalen Gießereidialog teilgenommen. Bei dem Treffen in der Landesvertretung NRW bekräftigten die gießereistarken Bundesländer, darunter Sachsen, zentrale Forderungen der Branche und richteten diese in einem gemeinsamen Positionspapier an den Bund.

Aktuell steht die Branche unter erheblichem Druck: Hohe Energiekosten, wachsende Importkonkurrenz, protektionistische Maßnahmen in den USA, zunehmende Regulierung und ambitionierte Transformationsziele belasten die Unternehmen und gefährden teils ihre Existenz. Die Wirtschaftsministerinnen und Wirtschaftsminister der Länder mit Gießereien sind sich zusammen mit der IG Metall und dem Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie einig, dass die Branche eine stärkere industriepolitische Flankierung in den folgenden Handlungsfeldern benötigt:

  • Sicherstellung international wettbewerbsfähiger Energiekosten,
  • Kombination aus Klimaschutz mit internationaler Wettbewerbsfähigkeit,
  • Vereinfachung und pragmatische Umsetzung von EU-Vorgaben,
  • Stärkung industrieller Resilienz und Ermöglichen der wirtschaftlichen Transformation und
  • Sicherstellung fairen Handels und der Verfügbarkeit von Schrott.

Für Sachsen betonte Wirtschaftsstaatssekretär Sebastian Scheel in Berlin: »Die Gießerei-Industrie ist das Fundament, auf dem zahlreiche andere Schlüsselindustrien stehen. Wer technologische Souveränität in Europa – ob in der Medizintechnik, Automobilindustrie oder in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie – anstrebt, braucht die Gießereien. Wir dürfen nicht zulassen, dass energieintensive Industrien in Länder mit geringeren Umweltstandards abwandern. Dreh- und Angelpunkt sind international wettbewerbsfähige Standortbedingungen: verlässlicher Zugang zu günstiger Energie, eine marktbasierte Transformation, die Investitionen ermöglicht, und deutlich mehr Praxisnähe bei Umweltauflagen und Bürokratie.«

Hintergrund: Gießerei-Industrie in Sachsen und Deutschland

Der Freistaat Sachsen ist mit 22 Gießereien der stärkste Gießereistandort Ostdeutschlands. Mit insgesamt ca. 6.300 Beschäftigten erwirtschafteten Sachsens Gießereien im Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von rund einer Milliarde Euro. Hauptkunden der Branche sind die Automobil- und Fahrzeugindustrie, der Maschinenbau, der Energie- und allgemeine Anlagenbau sowie zunehmend der Verteidigungssektor.

Bundesweit sind in der Branche rund 68.000 Menschen in 545 Gießereien beschäftigt, häufig in ländlichen Räumen. Jeder direkte Arbeitsplatz in der Gießerei sichert zudem einen weiteren, indirekten Arbeitsplatz in Zulieferindustrien. Damit hängen insgesamt knapp 140.000 industrielle Arbeitsplätze direkt oder indirekt an der Branche.

Seit 2018 hat die deutsche Gießerei-Industrie ein Drittel ihrer Produktion und fast ein Viertel der Beschäftigung verloren. Setzt sich der Trend der rückläufigen Produktion fort, droht nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln ein gesamtwirtschaftlicher Wertschöpfungsverlust von jährlich rund 65 Milliarden Euro und der Verlust von über 600.000 Arbeitsplätzen in Deutschland.

Die Zulieferbedeutung der Gießereien ist immens. Kaum eine Branche im produzierenden Gewerbe kommt ohne Gusserzeugnisse aus. Gießereien produzieren zudem hauptsächlich auf der Basis von Schrott und tragen zur Schließung von Kreisläufen bei. Sie sind damit wesentliche Träger einer Kreislaufwirtschaft (Circular Economy).

Anhang: Positionspapier Nationaler Gießereidialog


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz

Pressesprecher Jens Jungmann
Telefon: +49 351 564 80600
Telefax: +49 351 564 80680
E-Mail: presse@smwa.sachsen.de
zurück zum Seitenanfang