Sachsens Anträge in der Energieministerkonferenz: Vorschläge zu Netzausbau, Gasreserve und Energiewende-Fahrplan

18.05.2026, 13:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Vom 20. bis 22. Mai tagt die Energieministerkonferenz der Länder unter Vorsitz Niedersachsens auf Norderney. Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA) hat dazu gleich mehrere Beschlussvorschläge eingebracht. Im Mittelpunkt stehen ein schnellerer Netzausbau, die Einrichtung einer strategischen Gasreserve sowie ein verbindlicher Fahrplan für die Energiewende. Ziel ist es, den Ausbau erneuerbarer Energien insgesamt planbar, wirtschaftlich und sicher voranzubringen.

Netzausbau beschleunigen und transparenter gestalten

Der Ausbau der Stromnetze in Deutschland kommt derzeit nicht schnell genug voran. Dadurch fehlen vielerorts die nötigen Netzanschlüsse – etwa für neue Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien, für Batteriespeicher, Rechenzentren oder neue Industrieprojekte. Viele Unternehmen und Investoren warten lange auf Anschlüsse, Anträge werden oft nur langsam bearbeitet und die Verfahren unterscheiden sich je nach Region deutlich. Dies hemmt die wirtschaftliche Entwicklung.

Sachsen fordert deshalb klare und bundesweit einheitliche Regeln für Netzanschlüsse, verbindliche Fristen sowie eindeutig zugewiesene Zuständigkeiten. Gleichzeitig soll die Digitalisierung der Verfahren vorangetrieben werden. Außerdem sollen Informationen über verfügbare Netzkapazitäten, Engpässe und Wartelisten besser zugänglich gemacht werden. Auch flexible Lösungen wie Batteriespeicher, Elektrolyseure für die Erzeugung von grünem Wasserstoff und dynamische Anschlussvereinbarungen, sollen stärker genutzt werden.

Wirtschaftsminister Dirk Panter: »Der Ausbau der erneuerbaren Energien darf nicht länger an fehlenden Netzkapazitäten und unklaren Rahmenbedingungen scheitern. Wir brauchen einen vorausschauenden Netzausbau, der sich am künftigen Bedarf orientiert. Leistungsfähige Stromnetze sind die Grundlage für Investitionen, Wertschöpfung und eine sichere Energieversorgung.«

Strategische Gasreserve für Krisenzeiten

Zur Stärkung der Versorgungssicherheit setzt sich Sachsen zudem für eine nationale strategische Gasreserve ein. Diese soll ausschließlich in klar definierten Krisensituationen zum Einsatz kommen und als Absicherung dienen, wenn Marktmechanismen kurzfristig nicht ausreichen.

Dirk Panter: »Wir müssen besser auf Krisensituationen vorbereitet sein. Eine strategische Gasreserve ersetzt nicht den Markt, sondern schafft zusätzliche Sicherheit für außergewöhnliche Lagen. Gleichzeitig bleibt klar: Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und nur wenigen Lieferanten muss weiter verringert werden.«

Hintergrund sind die derzeit schwierigen geopolitischen Rahmenbedingungen auf den Gasmärkten – unter anderem infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sowie der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten. Die Gasspeicher sind aktuell nur zu rund 26 Prozent gefüllt und damit deutlich unter den üblichen Durchschnittswerten für den Monat Mai. Die seit März 2026 anhaltende Schließung der Straße von Hormus treibt die globalen Gaspreise in die Höhe und erschwert die Befüllung der Speicher für den kommenden Winter. Zwar sind die Gaslieferungen aus Norwegen und den USA weiterhin stabil, dennoch fehlt Betreibern von Gasspeichern derzeit oft der wirtschaftliche Anreiz, weiter einzuspeichern: Die hohen Spotmarktpreise machen es unattraktiv, Gas jetzt teuer einzukaufen und einzulagern.

Verbindlicher Fahrplan für die Energiewende

Darüber hinaus fordert Sachsen in einem dritten Antrag einen klaren und verbindlichen Fahrplan für die Energiewende bis zum geplanten Kohleausstieg, der spätestens 2038 erfolgen soll. Der Bund soll konkrete Maßnahmen, Meilensteine und Zeitpläne vorlegen, die alle Bereiche des Energiesystems umfassen – von der Energieerzeugung über den Netzausbau bis hin zu Speicherlösungen.

Ein solcher verbindlicher Rahmen schafft Planungssicherheit für Unternehmen und stärkt die Akzeptanz in der Bevölkerung. Ziel ist ein Energiesystem, das innerhalb klarer staatlicher Leitplanken schrittweise stärker marktwirtschaftlich organisiert ist.

Panter abschließend: »Die Energiewende ist und bleibt richtig, muss aber wirtschaftlich umgesetzt werden. Entscheidend ist ein verlässlicher Energiemix: erneuerbare Energien als Rückgrat, ergänzt durch flexible Gaskraftwerke zur Absicherung von Spitzenlasten und Dunkelflauten. Gleichzeitig braucht es eine leistungsfähige Infrastruktur. Der zügige Ausbau der Stromnetze – auch entlang bestehender Trassen – ist Voraussetzung für eine effiziente Verteilung erneuerbarer Energie. Der Netzausbau ist eine Investition in die Zukunft. Dabei müssen auch Einsparpotenziale genutzt werden, etwa indem statt teurer Erdkabel wieder stärker auf Freileitungen gesetzt wird. Dies spart nicht nur viel Geld, sondern auch jede Menge Planung und verkürzt die Bau- und eventuelle Reparaturzeiten.«

Sachsen und Sachsen-Anhalt fordern getrennte Ausschreibungen statt »Südbonus« – Fokus auf räumliche Verteilung und Systemsicherheit
https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1097085


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz

Pressesprecher Jens Jungmann
Telefon: +49 351 564 80600
Telefax: +49 351 564 80680
E-Mail: presse@smwa.sachsen.de
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