Sachsens Exportumsätze toppen wieder 50-Milliarden-Marke – Freistaat forciert breit aufgestellten Außenhandel
16.04.2026, 15:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Außenwirtschaftstag Sachsen mit Motto »Vom Umbruch zum Aufbruch« in Chemnitz | Wirtschaftsminister Dirk Panter: »Die aktuelle Krise führt uns internationale Abhängigkeiten vor Augen!«
Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Doch in dieser Situation eröffnen sich auch Perspektiven – auf attraktive Märkte, innovative Geschäftsmodelle und eine Neuausrichtung im Auslandsgeschäft. Mit mehr als 100 Unterstützungsangeboten für über 30 Länder unterstützt die Außenwirtschaftsinitiative Sachsen (AWIS) die sächsischen Unternehmen in diesem Jahr bei ihren internationalen Aktivitäten.
Den Chancen des Auslandsgeschäfts widmete sich heute der diesjährige »Außenwirtschaftstag Sachsen« unter dem Motto »Vom Umbruch zum Aufbruch« in Chemnitz. Die Spitzenvertreter der AWIS haben sich dort zum »Spitzengespräch Außenwirtschaft« getroffen und sich zu den aktuellen Herausforderungen und der außenwirtschaftlichen Jahresplanung 2026 verständigt.
»Die geopolitischen Entwicklungen, die Digitalisierung und der Klimawandel beschleunigen die Transformation internationaler Märkte und verschieben die Kräfteverhältnisse im globalen Wettbewerb. Zugleich verdeutlicht der Strukturwandel in unserer Region, dass vertraute Strategien neu bewertet werden müssen«, betont der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter.
Exporte im Wert von 50,6 Milliarden Euro, EU ist wichtigster Absatzmarkt
Die sächsischen Exporte bewegen sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Sie haben 2025 zum dritten Mal mehr als 50 Milliarden Euro Warenwert erzielt. Die sächsischen Unternehmen lieferten Waren im Wert von rund 50,6 Mrd. Euro ins Ausland. Das waren 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr, aber fast 26 Prozent mehr als vor der Pandemie (2019).
Die Europäische Union blieb mit einem Anteil von 47,8 Prozent Sachsens wichtigster Handelspartner. Die Ausfuhren in die EU-Länder umfassten ein Volumen von 24,2 Mrd. Euro – fünf Prozent mehr als 2024.
Im Länder-Ranking belegen die USA (4,8 Mrd. Euro, -6 %), China (4,5 Mrd. Euro, -26 %) und Großbritannien (4,2 Mrd. Euro, -1 %) die vorderen drei Plätze. Dahinter folgen die Nachbarländer Tschechien (3,1 Mrd. Euro, +4 %) und Polen (2,99 Mrd. Euro, +7 %). Auch die auf den Plätzen sechs bis zehn liegenden europäischen Exportmärkte verzeichnen Zuwächse: Frankreich (2,97 Mrd. Euro, +10 %), Italien (2,3 Mrd. Euro, +13 %), Spanien (1,96 Mrd. Euro, +17 %), die Schweiz (1,9 Mrd. Euro, +15 %) und die Niederlande (1,8 Mrd. Euro, +3 %).
Bei den Einfuhren verzeichnete Sachsen mit einem Warenwert von fast 39 Mrd. Euro einen neuen Höchstwert. Die Haupterzeugnisse im Export und Import waren Produkte des Kraftfahrzeugbaus, Maschinenbaus und der Elektrotechnik.
Außenwirtschaftliche Jahresplanung 2026
Die AWIS-Partner unterstützen sächsische Unternehmen bei der Erschließung internationaler Märkte und organisieren 2026 zum Beispiel Informationsveranstaltungen und Beratungsangebote, Unternehmens- und Delegationsreisen sowie 18 Messegemeinschaftsstände.
Im ersten Quartal 2026 beteiligte sich der Freistaat mit Gemeinschaftsständen an der International CES in Las Vegas (Technologie), Christmasworld in Frankfurt (Dekoration/Festschmuck), World Health Expo in Dubai (Medizintechnik) und JEC Composites World in Paris (Verbundwerkstoffe). Im Jahresverlauf folgen Teilnahmen an den internationalen Leitmessen ILA (Luftfahrt) und InnoTrans (Verkehrstechnik) in Berlin, IFAT (Umwelttechnologie) und The smarter E Europe (Energiewirtschaft) in München, PLMA (Handelsmarken) in Amsterdam, gamescom in Köln (Computer- und Videospiele), Smart City Expo World Congress in Barcelona (Lebensqualität in Städten), GITEX GLOBAL in Dubai (Computer-, Informations- und Kommunikationstechnik), SEMICON Japan in Tokio (Mikroelektronik) sowie erstmals an der MSPO in Kielce/Polen (Sicherheits- und Verteidigungsindustrie).
Nach seinem Frankreich-Aufenthalt im März 2026 plant Wirtschaftsminister Dirk Panter im zweiten Halbjahr weitere Delegationsreisen. Im Anschluss an einen Besuch der Halbleitermesse SEMICON Taiwan in Taipeh beabsichtigt er im September eine Reise mit Unternehmensbesuchen und politischen Gesprächen in Vietnam. Im Zentrum der ministergeführten Vietnam-Reise stehen insbesondere Fragen der Wasserwirtschaft, der ressourceneffizienten Infrastruktur sowie der technischen Kooperation im Bereich Bahntechnik. Mitte Oktober ist eine Reise nach Zentralasien (Usbekistan, Kasachstan) geplant; dort wird auch der Fachkräftegewinnung eine wichtige Rolle zukommen. Die Stärkung und Ausweitung außenwirtschaftlicher Beziehungen zu weiteren Partnern in Asien ist notwendig, um die Abhängigkeit vom chinesischen Markt zu verringern.
Spitzengespräch Außenwirtschaft – Stimmen
Die AWIS bündelt die außenwirtschaftlichen Aktivitäten der Staatsregierung, der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH, der Industrie- und Handelskammern, der Handwerkskammern sowie der Wirtschaftsverbände VDMA Ost und VSW. Mit ihren jeweiligen Kompetenzen und Angeboten unterstützen die in der AWIS zusammengeschlossenen Partner die überwiegend kleinen und mittleren Unternehmen in Sachsen auf ihrem Weg ins Ausland.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter:
»Ein neuer Nationalismus und ein vermeintliches Recht des Stärkeren bedrohen die verlässlichen, freien Märkte. Wo andere Schranken und Mauern errichten, wollen wir Brücken bauen. Gelebte Außenwirtschaft und internationale Vernetzung statt Abschottung sind unverzichtbar für den Erfolg sächsischer Unternehmen. Wer seine Handelsbeziehungen jetzt weiter diversifiziert, ist künftig krisenfester und damit stärker im Wettbewerb aufgestellt. Die Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten, Indien, Australien, Mexiko und Indonesien sind der richtige Weg. Allein schon mit dem EU-Indien-Abkommen erhalten europäische Unternehmen einen enorm privilegierten Zugang zur gegenwärtig fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt. Das sollten wir auch in Sachsen nutzen!«
Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS):
»Bewährtes weiterentwickeln, kurzfristig auf Veränderungen reagieren sowie internationale Partnerschaften und Netzwerke ausbauen – mit diesem Ansatz setzen wir unsere Aktivitäten zur Diversifizierung der Märkte fort. In den kommenden Monaten sind wir gemeinsam mit sächsischen Unternehmen wieder verstärkt in Europa unterwegs. Ein Schwerpunkt wird dabei unser Nachbarland Polen sein, wo es um Marktchancen in der Automatisierungstechnik, Kreislaufwirtschaft und Landtechnik geht. In einem anderen Projekt geht es um Potenzial für die Bahntechnik in Italien. Auf der Agenda stehen außerhalb Europas zudem Unternehmerreisen u.a. mit den Schwerpunkten Maschinenbau und Energietechnik nach Zentralasien sowie nach Chile, wo Rohstoffe und Energie im Fokus stehen. Außerdem sind Markterkundungsreisen zur Robotik nach China und zur Medizintechnik auf die Philippinen geplant.«
Max Jankowsky, Präsident der Industrie- und Handelskammer Chemnitz:
»Geopolitische Krisen, hohe Kosten am Standort Deutschland und zunehmende Handelshemmnisse wirken derzeit gleichzeitig auf unsere Unternehmen. Wer unter diesen Bedingungen internationale Wettbewerbsfähigkeit erwartet, muss Außenwirtschafts und Standortpolitik endlich aus einem Guss gestalten – alles andere gefährdet die industrielle Substanz.«
Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz:
»Viele Betriebe des Handwerks sind mit ihren Produkten und Leistungen eher auf dem deutschen Markt aktiv, was aber wiederum nicht heißt, dass auch über Ländergrenzen hinweg die Qualität handwerklicher Arbeit aus Sachsen nachgefragt wird. Umso entscheidender ist es für die im Ausland tätigen beziehungsweise exportierenden Betriebe, dass die Rahmenbedingungen stimmen, dass man sich untereinander vernetzt und bei Problemen an gemeinsamen Lösungen – in enger Abstimmung mit Behörden – arbeitet. In der aktuellen weltpolitischen Lage, die weiterhin geprägt ist von Zöllen und vor allem hohen Energiepreisen, ist diese Zusammenarbeit noch wichtiger. Für das Handwerk ist daher auch und gerade der europäische Markt von noch größerer Bedeutung. Dieser kann aber nur funktionieren, wenn Gesetze und Verordnungen, die in der Regel aus Brüssel kommen, so bürokratiearm und anwenderfreundlich wie möglich ausgestaltet sind und den Betrieben beim grenzüberschreitenden Arbeiten keine unnötigen Hürden in den Weg gelegt werden.«
Im Rahmen des Außenwirtschaftstages hat der Unternehmer Dr. Robert Krumbach, Geschäftsführer der Auerhammer Metallwerk GmbH aus Aue-Bad Schlema (Erzgebirgskreis), Einblicke in das internationale Geschäft gegeben. Mit 500 Jahren Erfahrung in der Metallverarbeitung ist das Unternehmen als Anbieter innovativer Lösungen in Europa, Asien und den USA aktiv und erzielt rund 60 Prozent seines Umsatzes im Export.
»Der Außenhandel ist für unser Unternehmen von zentraler strategischer Bedeutung und ein entscheidender Faktor für nachhaltiges Wachstum«, so Krumbach. »Internationale Märkte bieten uns wichtige Chancen in Vertrieb und Beschaffung, gleichzeitig sehen wir uns derzeit mit spürbaren Herausforderungen konfrontiert – insbesondere durch fragile Lieferketten, geopolitische Unsicherheiten und zunehmende Zollbarrieren. Umso wertvoller sind die Angebote der Außenwirtschaftsinitiative Sachsen: Sie unterstützt Unternehmen gezielt mit fundierter Beratung, belastbaren Netzwerken und praxisnahen Informationen für das Auslandsgeschäft. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten leistet sie damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sächsischer Unternehmen auf den internationalen Märkten.«
Auftakt für die #OMC2026
Die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH gab beim Außenwirtschaftstag den Startschuss für ihre diesjährige »Online Marketing Challenge«. Dabei arbeiten sächsische Unternehmen mit ausländischen BWL-Studenten sächsischer Hochschulen eine digitale Vertriebskampagne aus, um neue internationale Kunden zu gewinnen. Durch die Zusammenarbeit in interkulturellen Teams kommen die Unternehmen in Kontakt mit motivierten und qualifizierten Studenten und damit potentiellen künftigen Mitarbeitern.
Mit 500 Euro Werbebudget (vom Unternehmen gestellt) finden die fünf Teams heraus, welche Online-Kanäle sich am besten eignen, um Marke und Produkte zu bewerben und zu handeln. Darüber hinaus ziehen sie wertvolle Erkenntnisse über die Ansprache, das Verhalten sowie Vorlieben der ausländischen Zielgruppen aus der Kampagne. Die Challenge dauert drei Monate. Das Team mit der effektivsten und kreativsten Kampagne gewinnt.