Wolfswelpe nähert sich Spaziergängern
21.11.2025, 13:34 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Häufung von Sichtungen im Raum Großhennersdorf
Aktuell häufen sich Meldungen zu Nahbegegnungen mit einem jungen Wolf im südlichen Landkreis Görlitz zwischen Herrnhut, Oberseifersdorf und Schlegel. Es handelt sich um einen männlichen Wolfswelpen, der sich im Territorium des Rudels Großhennersdorf (GHD) gezielt Menschen annähert, wie das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) heute mitteilte.
Der Welpe nähert sich Menschen auf kurze Distanz, ist neugierig, folgt Spaziergängern über weite Strecken und zeigt dabei Spielaufforderungen, indem er kleine Sprünge macht oder Gegenstände ins Maul nimmt. Ein aggressives Verhalten gegenüber Menschen wurde bislang nicht beobachtet. Dennoch ist das gezeigte Verhalten für einen in freier Wildbahn aufgewachsenen Wolf sehr ungewöhnlich. Wölfe reagieren auf Menschen mit Vorsicht und vermeiden Begegnungen oder ziehen sich bei solchen zurück. Das zeigen die gesammelten Erfahrungen, seit die ersten Wölfe vor 25 Jahren nach Sachsen zurückkehrten und wieder sesshaft wurden.
Die Ursache des auffälligen Verhaltens des jungen Wolfes ist noch nicht geklärt. Es wird vermutet, dass der Welpe positive Erfahrungen mit Menschen gemacht haben könnte. Die instinktive Vorsicht von Wölfen gegenüber Menschen kann verloren gehen, wenn die Tiere zum Beispiel über längere Zeit gezielt angefüttert werden oder in menschlicher Nähe Futterquellen wie Kompost, Schlachtabfälle oder Katzenfutter finden. Auch ein spielerisches Anlocken kann gerade bei Welpen ein Interesse wecken und die Fluchtdistanz verringern. Eine daraus resultierende Gewöhnung (Habituierung) kann zu einem problematischen Verhalten führen, auf das von den Naturschutzbehörden im Rahmen des Wolfsmanagements reagiert wird.
Nachdem sich erste Meldungen häuften, ist das Monitoring im Gebiet verstärkt worden. In Abstimmung mit dem zuständigen Landkreis Görlitz sind derzeit Mitarbeitende des Wolfsmanagements vor Ort aktiv, um das Tier nach Möglichkeit mit einem Senderhalsband zu versehen und Maßnahmen zur Vergrämung einzuleiten. Dadurch soll das Tier wieder die Scheu vor dem Menschen aufbauen. Außerdem wurde die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Görlitz aktiv. So wurden Hinweisschilder in der Region angebracht, um Spaziergänger über den verhaltensauffälligen Wolfswelpen zu informieren.
Es ist wichtig, dass sich dieses unerwünschte Verhalten nicht weiter festigt beziehungsweise möglichst schnell abgestellt wird. Deshalb werden Anwohnende und Spaziergänger dazu aufgerufen, alle denkbaren auf Menschen oder Fahrzeuge zurückzuführenden Futterquellen für Wölfe zu vermeiden beziehungsweise zu beseitigen und ein anderweitiges Anlocken zu unterlassen.
Bei Spaziergängen in der Region sollte man aufmerksam bleiben und bei einer Begegnung mit dem Tier laut rufen oder schreien, sich großmachen, gezielt Steine werfen und verscheuchen. Auf keinen Fall sollte man das Tier bedrängen oder diesem nachstellen.
Jede Sichtung sollte zeitnah an eine der untenstehenden Anlaufstellen gemeldet werden, um den Naturschutzbehörden zu ermöglichen, sich fortlaufend ein aktuelles Bild der Lage zu machen.
• Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
Telefon: 035727 – 577 62
E-Mail: kontakt@lupus-institut.de
• Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie | Abt. 6 | Ref. 64 - Fachstelle Wolf
Telefon: 035242 – 631 8201
E-Mail: fachstellewolf@lfulg.sachsen.de
Für dringende Meldungen, auch außerhalb der Geschäftszeiten:
0800 555 0 666 (Hotline der Fachstelle Wolf, aus dem deutschen Telefonnetz mit aktiver Rufnummernkennung)
0176-31142559 (24h-Bereitschaft des Lupus Instituts, WhatsApp-fähig)