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Sachsen beschließt Wasserstoffstrategie

18.01.2022, 13:18 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Sachsens Kabinett hat am Dienstag (18.1.) die Sächsische Wasserstoffstrategie beschlossen. Mit ihr wird das Ziel des sächsischen Koalitionsvertrags umgesetzt, eine Wasserstoffwirtschaft mit möglichst geschlossenen, sächsischen Wertschöpfungsketten aufzubauen. Die Strategie zeigt auf, welche zusätzlichen Maßnahmen in Sachsen über die Angebote von EU und Bund hinaus dafür benötigt werden. Ein Maßnahmenkatalog mit 24 Vorhaben unterstützt die Akteure vor Ort, damit das bereits bis 2030 erreicht werden kann und damit die Voraussetzungen geschaffen werden können, grünen Wasserstoff als Energieträger zu verwenden.

Sachsens Energieminister und stellvertretender Ministerpräsident Wolfram Günther: »Die Wasserstoffstrategie ist ein weiterer Meilenstein der sächsischen Energie-, Klima- und Industriepolitik. Der Freistaat will und kann zum Impulsgeber für den vielfältigen Einsatz von Wasserstoff werden. Ob Sachsen Energieland bleibt, hängt auch vom Aufbau einer sächsischen Wasserstoffwirtschaft ab. Zudem leistet der Aufbau einer sächsischen Wasserstoffwirtschaft große Beiträge für einen gelingenden Strukturwandel. Wir sind in der Pflicht, die Pariser Klimaziele einzuhalten. Wir müssen Kohle, Öl und perspektivisch auch Erdgas als Energieträger ersetzen. Dafür müssen wir Wasserstoff in allen Sektoren anwenden, jedoch aus Effizienz- und Kostengründen nur dort, wo direkte Elektrifizierung nicht möglich ist. Wasserstoff ist ein Baustein für eine nachhaltige und klimafreundliche Industrie, Mobilität, Wärme- und Energieversorgung. Um kostengünstigen grünen Wasserstoff in Sachsen verfügbar zu machen, muss jedoch die sächsische Energiewende endlich in Schwung kommen. Deshalb freut es mich, dass wir heute im Kabinett auch den Entwurf der sächsischen Bauordnung beschlossen haben und damit eine Abstandsregelung für Windenergie, die den Ausbau der Erneuerbaren ermöglicht. Der Ausbau der Erneuerbaren hängt unmittelbar mit der Wasserstoffstrategie zusammen, denn die kann nur mit kostengünstigem grünen Strom made in Sachsen funktionieren.«

Sachsens Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig: »Wasserstoff ist kein Nischenthema, sondern eine Schlüsseltechnologie. Sie besitzt eine weitreichende Dimension für den gesamten Umbau unserer Industrie – denn nur mit dem Einsatz von grünem Wasserstoff ist die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. Insofern ist die Wasserstoffstrategie zugleich eine Überlebensstrategie für sächsische Unternehmen und Arbeitsplätze aller Branchen. Viele der benötigten Komponenten und Teilsysteme ähneln den heutigen Produkten von Zuliefer-, Maschinen- und Anlagenbauunternehmen. Daher besitzt die Wasserstoffwirtschaft ein hohes Kompensationspotenzial für die im Strukturwandel rückläufigen Industrien. Sachsen hat frühzeitig auf die Wasserstofftechnologie gesetzt und deckt bereits die gesamte Wertschöpfungskette von Forschung über Entwicklung, Vertrieb bis hin zum Handel ab. Die Wasserstoffstrategie begleitet den Markthochlauf und den Aufbau nachhaltiger Geschäftsmodelle.«

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow: »Ganze Wirtschaftszweige auf eine wasserstoffbasierte Energieversorgung umzustellen und gleichzeitig die effizientesten Systeme dafür zu entwickeln, ist nur mit starken Forschungspartnern machbar. Der Freistaat verfügt über alle Facetten der Expertise, die es dafür braucht. Sowohl die Universitäten und Fachhochschulen als auch die außeruniversitären Einrichtungen sind bereits seit Jahren gut aufgestellt. Sie entwickeln oft in Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft Brennstoffzellensysteme weiter, verbessern großtechnische Anlagen zur Wasserstoffgewinnung und optimieren Materialien und Prozesse für eine möglichst hohe Energieausbeute. Sachsen kann sich hier in den nächsten Jahren einen echten Technologie-Vorsprung erarbeiten. Deshalb setzt die Wasserstoffstrategie bewusst einen Schwerpunkt in der Unterstützung der Forschung.«

Weitere Schwerpunkte liegen bei der industriellen Produktion der Elektrolyse- und Brennstoffzellensysteme, beim Bau von Power-to-X-Anlagen sowie bei Aufbau und Ertüchtigung der notwendigen Infrastruktur über die Landesgrenzen hinaus.

Erforderlich sind eine stärkere sektorenübergreifende Elektrifizierung sowie der Einsatz klimaneutraler Alternativen für Anwendungen, die auch langfristig nicht wirtschaftlich effizient elektrifizierbar sind. Hierzu gehören in Sachsen vor allem Anwendungen in der chemischen Industrie und Projekte zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe wie e-Kerosin. Im Mobilitätssektor findet Wasserstoff vor allem in der innerbetrieblichen Logistik Anwendung. Zudem kann Wasserstoffnutzung aber auch im Bahnverkehr auf bestimmten Strecken sinnvoll sein.

Wasserstoff bietet eine Möglichkeit, die Sektorenkopplung zu intensivieren und den Ersatz fossiler Energieträger im gesamten Energiesystem ökonomisch, ökologisch und sozial gerecht voranzutreiben. Zudem ermöglicht er die saisonale Speicherung großer erneuerbarer Energiemengen und ist somit perspektivisch ein wichtiger Baustein für die Versorgungssicherheit. Das bekannteste Beispiel im Bereich der Wasserstoffnutzung sind Brennstoffzellen, die neben Strom auch Wärme erzeugen.

Die Strategie enthält folgende Teilziele für die Bereiche Energie, Wissenschaft, Industrie, Mobilität und Strukturentwicklung:

  • Wasserstoff in Wissenschaft und Forschung stärken
  • Wasserstoff in Industrieanwendungen vorantreiben
  • Wasserstoff in Mobilitätsanwendungen forcieren
  • Wertschöpfungs- und Arbeitsplatzpotenziale der Wasserstoffwirtschaft nutzen und Wasserstofftechnologien ausbauen
  • sächsische Kompetenzstelle Wasserstoff (KH2) einrichten
  • regionale, landesübergreifende und europaweite Wasserstoffinfrastruktur ausbauen, Importmöglichkeiten sichern
  • Referenzprojekte beschleunigen und Förderung ausbauen
  • Wasserstoff als Chance für Strukturwandel und Standortentwicklung nutzen
  • politische und technische Rahmenbedingungen für Wasserstoff verbessern

Als zentrale Einrichtung soll eine sächsische Kompetenzstelle Wasserstoff (KH2) aufgebaut werden, die zeitnah ausgeschrieben wird. Sie koordiniert zukünftig alle Wasserstoffakteure und -projekte und die Vernetzung zu Sachsens Nachbarländern und -staaten.

Link zur Wasserstoffstrategie: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/38820


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Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft

Pressesprecher Robert Schimke

Telefon: +49 351 564 20040

Telefax: +49 351 564 20065

E-Mail: robert.schimke@smul.sachsen.de

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