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Sächsische Akademie der Wissenschaften entwickelt Konzept zum Umgang mit dem Wismut-Erbe

06.11.2019, 10:16 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Vor dem Stollen im Bergwerk Pöhla (© Astrid Mignon Kirchhof)

Im Sommer 1991 wurde der Abbau von Uranerz eingestellt. Einzelne Bergarbeiter der Wismut erhielten den Auftrag, die Anlage zum Besucherbergwerk umzufunktionieren. 1992 wurde die Grube in der Regie der Wismut GmbH als touristische Einrichtung wieder eröffnet. Als sich die Kapitalgesellschaft 2006 aus ihrer Trägerfunktion zurückzog, gründeten die Bergleute einen Verein, um das Besucherbergwerk mit den größten Zinnkammern Europas zu erhalten.

Im Sommer 1991 wurde der Abbau von Uranerz eingestellt. Einzelne Bergarbeiter der Wismut erhielten den Auftrag, die Anlage zum Besucherbergwerk umzufunktionieren. 1992 wurde die Grube in der Regie der Wismut GmbH als touristische Einrichtung wieder eröffnet. Als sich die Kapitalgesellschaft 2006 aus ihrer Trägerfunktion zurückzog, gründeten die Bergleute einen Verein, um das Besucherbergwerk mit den größten Zinnkammern Europas zu erhalten.

Sachsen und Thüringen finanzieren Forschungsprojekt gemeinsam

Die Länder Sachsen und Thüringen haben gemeinsam der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig die Aufgabe übertragen, multidisziplinäre Forschungen für das Wismut-Erbe zu sondieren und zu entwickeln sowie Zeitzeugenschaften zu dokumentieren. Das Vorhaben startete zum 1. November in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig und der Humboldt Universität zu Berlin. Die beiden Bundesländer finanzieren die Projekte bis 2021 mit je 200.000 Euro. Basis des gemeinsamen Vorgehens ist die »Absichtserklärung zum Umgang mit dem Erbe der Wismut«, auf die sich im September 2017 Sachsen, Thüringen, der Bund und die Wismut GmbH verständigt haben, um »ein der Geschichte und Bedeutung des Unternehmens Wismut angemessenes Erbe-Konzept zu entwickeln und umzusetzen.«

Um eine verlässliche Wissensbasis über forschungsrelevante Themen, Art, Umfang und Zugänglichkeit von Materialien und über den bisherigen Forschungsstand zum Wismut-Erbe zu gewinnen, beginnt ein Vorprojekt mit dem Aufbau eines Digitalen Forschungsportals »Wismut-Erbe«. Münden wird das Vorprojekt im Sommer 2021 in einer interdisziplinär besetzten Konferenz zur Themenfindung für die weitere Wismut-Erbe-Forschung. In Kooperation mit dem Lehrstuhl Neueste und Zeitgeschichte der Humboldt Universität zu Berlin wird ein Zeitzeugenprojekt begonnen, das die Lebenswirklichkeit der Menschen, die für die Wismut arbeiteten und in ihr lebten, in Interviews erfassen wird. Mit einem dreistufigen Oral History-Verfahren sollen etwa 50 Zeitzeugen zu ihrer Biographie, zum Betrieb der Wismut und schließlich zu ihren Erfahrungen in der Umbruch- und Sanierungszeit befragt werden. Die gefilmten Interviews werden in der Mediathek des Digitalen Forschungsportals »Wismut-Erbe« zusammengeführt, archiviert und öffentlich zugänglich gemacht.

Sachsens Wissenschafts- und Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange begrüßt die länderübergreifende und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Wismut-Erbe: »Die Wismut hat die Identität der Menschen, ihren Alltag, ihre Lebensweise geprägt. Auch das ist neben den Altlasten, Landschaftsveränderungen und Renaturierungen ein wichtiger Teil des Wismut-Erbes. Wir wollen diese persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse bewahren und wissenschaftlich aufarbeiten. Sie bestimmen die Identität eines Teils der Menschen in den beiden Bundesländern und sind ein wichtiger Rohstoff für die historische Bewertung der damaligen Zeit, die ein Teil der Weltgeschichte ist.«

Für Thüringens Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, ist die Aufarbeitung der politischen und kulturellen Geschichte Wismut ein unumgänglicher Schritt: »Die Bewahrung von wichtigen Dokumenten und Alltagszeugnissen sowie die einzigartige Kunstsammlung mit über 4000 Werken und ein umfangreicher Foto- und Filmbestand sind ein zu bewahrender Schatz und Teil der Wismut-Geschichte. Das Zeitzeugenprojekt dokumentiert die Erinnerungen der Betroffenen für die wissenschaftliche Forschung. Auch die durch den Uranerzbergbau und die nachfolgende Sanierung geprägten Landschaften zählen zum Erbe der Wismut. Dies gilt es länderübergreifend aufzuarbeiten, um die Erforschung und Bewahrung der Wismut, die ganze Landstriche in Ostthüringen prägte, für nachfolgende Generationen zu sichern.«

Prof. Dr. Hans Wiesmeth, Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, unterstreicht: »Um das gesellschaftlich relevante Wismut-Erbe wissenschaftlich aufzuarbeiten, ist ein enges Zusammenspiel verschiedenster Fach-Disziplinen vonnöten. Akademie-Mitglieder und externe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zahlreichen Bereichen – den Naturwissenschaften und der Medizin, aus den Ingenieurwissenschaften, aber auch aus den Geisteswissenschaften – haben bereits während der Projektierungsphase engagiert zusammengearbeitet. Die Sächsische Akademie der Wissenschaften ist daher bestens geeignet, dieses Projekt gemeinsam mit weiteren Partnern, insbesondere dem Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig und der Humboldt Universität zu Berlin, durchzuführen. Dieses Projekt wird die Grundlage für weitere intensive Forschungsarbeiten zu diesem Thema bieten.«

  • Hintergrund Wismut:

Das Bergbauunternehmen Wismut AG und ab 1953 SDAG Wismut (Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft) war ein Bergbauunternehmen, das sich zwischen 1946 und 1990 zum weltweit viertgrößten Produzenten von Uran entwickelt hatte. Das auf dem Territorium der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR an Standorten in Sachsen und Thüringen geförderte und aufbereitete Uran war die Rohstoffbasis der sowjetischen Atomindustrie. Das Nachfolgeunternehmen Wismut GmbH ist als Bundesunternehmen mit der Sanierung und Rekultivierung der Hinterlassenschaften des Wismut-Bergbaus betraut.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Pressesprecher Andreas Friedrich

Telefon: +49 351 564 60200

Telefax: +49 351 564 60299

E-Mail: andreas.friedrich@smwk.sachsen.de

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