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Sachsen ist Brutgebiet für rund 200 Vogelarten

27.01.2014, 11:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Neu: Atlas der „Brutvögel in Sachsen“ veröffentlicht

Vögel sind wie kaum eine andere Organismengruppe gute Indikatoren zur Bewertung des Zustands von Landschafts- und Ökosystemen. Bezogen auf die Brutvogelwelt verfügt Sachsen über eine einzigartige Datengrundlage aus drei vergleichbaren landesweiten Kartierungen in einem Zeitraum von über dreißig Jahren: die erste 1978-1982, die zweite von 1993-1996 und die jüngste von 2004-2007.

Mit dem neuen Atlas der „Brutvögel in Sachsen“ bündelt das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) die Ergebnisse und zieht anhand der Veränderungen von Häufigkeit und Verbreitung der einzelnen Arten – zum Guten wie zum Schlechten - Bilanz und bewertet die Situation.

Beschrieben werden Verbreitung, Lebensraum, Brutbiologie, Bestand und Bestandsentwicklung sowie Gefährdung und Schutz von 213 aktuellen und ehemals in Sachsen vorkommenden Brutvogelarten: für 177 Arten ausführlich mit Text, Grafiken, Karten und Bildern. 19 sehr seltene Brutvögel oder auch Brutgäste, wie der über vier Jahre in der Sächsischen Schweiz brütende Würgfalke, werden mit einer Kurzdarstellung bedacht. Ebenso ehemals vorkommende, teilweise auch ausgestorbene Arten, wie Auerhuhn und Großtrappe.

Die Ergebnisse wurden außerdem landesweit und naturräumlich zusammengefasst. Sie sind von Art zu Art sehr unterschiedlich und hängen von einer Reihe von Faktoren ab. Unter anderem von der Art und Weise der Landnutzung und damit verbundener Lebensraumveränderung.

So seien beispielsweise bei einer Reihe von Brutvogelarten, die an Gewässer gebunden sind, positive Trends feststellbar: Wasseramsel und Eisvogel profitieren vom Rückgang der Gewässerverunreinigung, Schwarzkopf- oder Heringsmöwe von der Zunahme der Standgewässer wie Speicherbecken und Bergbaurestseen. Als Beispiele für den Erfolg konsequenter Schutzmaßnahmen stünden Seeadler und Kranich.

Arten in der Agrarlandschaft, wie Kiebitz und Rebhuhn, bleiben Sorgenkinder. In diesem Lebensraum ist der Anteil gefährdeter Brutvogelarten besonders hoch. Prekär ist die Situation auch bei Auerhuhn (ausgestorben) und Birkhuhn (unmittelbar vom Aussterben bedroht), beides waldbewohnende Arten. Vergleichsweise gering ist der Anteil gefährdeter Arten in und um Siedlungen (Städte u. Dörfer).

Bezogen auf alle aktuell vorkommenden Brutvogelarten in Sachsen gelten 42,3 Prozent als gefährdet und stehen auf der Roten Liste der „Wirbeltiere in Sachsen“.

Das in mehrjähriger Gemeinschaftsarbeit entstandene Buch ist eine umfassende Informationsquelle für alle im Natur- und Vogelschutz tätigen Personen, Verbände, Behörden und viele weitere Einrichtungen. Nicht zuletzt ist es ein spannendes Nachschlagewerk für Naturfreunde und Vogelliebhaber.

Den Auswertungen liegen über 1,5 Millionen Beobachtungen zugrunde, die von mehr als 800 ehrenamtlichen Freizeitornithologen in den zurückliegenden 30 Jahren zusammengetragen worden sind. Das sei nicht nur eine Mammutarbeit gewesen, sondern auch beispielgebend in Sachsen, hob Landesamtspräsident Norbert Eichkorn heute bei der Präsentation der Ergebnisse und des Buches hervor. Kein anderes Projekt in vergleichbaren Fachdisziplinen habe jemals mehr ehrenamtliche Mitarbeiter gebunden wie dieses.

"Ich danke an dieser Stelle ausdrücklich allen Mitwirkenden für ihre geleistete Arbeit“, sagte der Präsident. „Möge der Atlas der „Brutvögel in Sachsen“ nicht nur das Interesse für die Vogelwelt sowie das Engagement für ihren Schutz weiter stärken, sondern auch als Lohn für die Freizeitforschung der Ornithologen gesehen werden.“, so Eichkorn weiter.

Das über 600 Seiten umfassende Werk mit dem Titel "„Brutvögel in Sachsen“" kann ab sofort über den Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung bezogen werden: Hammerweg 30, 01127 Dresden / mailto:publikationen@sachsen.de

Es kostet 35 Euro (reine Schutzgebühr).

Für Internetnutzer steht der Brutvogelatlas kostenlos zur Einsicht und zum Download bereit: http://www.publikationen.sachsen.de


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Kontakt

Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Pressesprecherin Karin Bernhardt

Telefon: +49 351 2612 9002

Telefax: +49 351 4511 9283 43

E-Mail: karin.bernhardt@smul.sachsen.de

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