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Gemeinsam für Sachsens Umwelt

06.07.2013, 12:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Preisträger des Sächsischen Umweltpreises geehrt

Umweltminister Frank Kupfer hat heute (6. Juli 2013) in der Dreikönigskirche in Dresden die Preisträger des Sächsischen Umweltpreises ausgezeichnet.

Eine siebenköpfige Jury von Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden, Staat und Medien hatte zuvor aus 82 Bewerbungen insgesamt acht Preisträger ausgewählt, die in der Festveranstaltung mit einem Preisgeld von insgesamt 50 000 Euro für ihre herausragenden Leistungen im Umwelt- und Naturschutz geehrt werden.

„Ich bin immer wieder beeindruckt, wie vielfältig die Beiträge der Bewerber sind, welch Ideenreichtum und wie viel Engagement unsere Bürger, Vereine und Unternehmen für die Umwelt an den Tag legen“, sagte Kupfer. „Sachsen kann sich als Land der Erfinder wieder einmal sehen lassen.“

In der Preiskategorie I „Umweltfreundliche Technologien und Produktionsverfahren“ geht die Auszeichnung an die Stadtwerke Riesa und die ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi GmbH. Die ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi GmbH (445 Angestellte) nutzt ihre bei der Stahlproduktion entstehende Abwärme zur Dampferzeugung. Diesen liefert sie an die Stadtwerke Riesa GmbH, wo der Dampf zur Weitergabe an einen Industriekunden aufbereitet wird. Auf diese Weise entsteht aus einem industriellen Nebenerzeugnis ein marktfähiges Energieprodukt und bewirkt auf Seiten der Stadtwerke eine CO2-Einsparung von 15 000 Tonnen pro Jahr, was der Pro-Kopf-Emission von rund 1 400 Personen entspricht. Die Kooperation und die funktionale Umsetzung sind beispielhaft dafür, wie zwei große Unternehmen in kreativer Art und Weise eine technologische Herausforderung meistern und dadurch einen substanziellen Umweltbeitrag zur lokalen Energienutzung und -optimierung für die Stadt Riesa und die Region leisten.

Gleich mit auf dem Siegerpodest in derselben Kategorie steht die GICON Großmann Ingenieur Consult GmbH aus Dresden. Dem Unternehmen ist es gelungen, ein zweistufiges Biogasverfahren zu entwickeln, das eine erweiterte Nutzung von biologischen Abfällen ermöglicht. Siedlungsabfälle werden nicht mehr verbrannt, sondern dem Wertstoff- und Energiekreislauf wieder zugeführt. Dabei wird abbaubares organisches Material fast vollständig umgesetzt und entstehendes Methan einer energetischen Verwertung zugeführt. Eine solche Großanlage steht heute in Vancouver, Kanada. Das Projekt gehört nach einer Bewertung durch das internationale Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG zu den 100 innovativsten Infrastrukturprojekten weltweit. Die GICON, die heute in zehn Ländern vertreten ist, arbeitet derzeit an 35 Forschungsvorhaben im Bereich der Umwelttechnik und hat ihren Stammsitz in Dresden.

In der Preiskategorie II „Umweltfreundliche Produkte“ gewann die Interessengemeinschaft Sachsens Ährenwort, in der seit 1993 regionale Landwirte, die Dresdener Mühle und regionale Bäcker erfolgreich zusammenarbeiten. Im Rahmen des Programmes „Sachsens Ährenwort“ werden jährlich 80 000 Tonnen herkunfts- und qualitätsgesicherter Weizen und Roggen aus kontrolliert-integriertem Anbau produziert und verarbeitet. Dabei bildet nicht der Rohproteingehalt des Getreides den preisbestimmenden Faktor, sondern die Backqualität. Das setzt einen enormen Anreiz, den Einsatz von Düngemitteln zu verringern und damit die Umwelt zu schonen. Durch den Zusammenschluss regionaler Produzenten ist es zudem möglich, dass durch lückenlose Herkunftsnachweise die gesamte Wertschöpfungskette im Land und für den Verbraucher transparent bleibt. Eine Vierfach-win-Situation also: für primäre Erzeuger, das verarbeitende Gewerbe, die Verbraucher und die Umwelt.

In der Kategorie III „Umweltorientierte Unternehmensführung sowie innovative und kreative Leistungen im Umwelt- und Naturschutz“ hat die Bäckerei und Konditorei Roscher OHG aus Annaberg-Buchholz das Rennen gewonnen. 1939 als Familienbetrieb gegründet, ist die Bäckerei und Konditorei heute eines der wichtigsten Traditionsunternehmen der Region. 25 Filialen beliefert Roscher täglich. Mit seiner Vergrößerung und dem Neubau der Produktionsgebäude hat das Unternehmen seine Grundfläche vervierfacht und dennoch seinen Energiebedarf verringert. Möglich macht dies ein ausgeklügeltes Konzept: Eine konsequente Wärmerückgewinnung der Backabwärme mit Speicherung in einem Puffer sowie die Nutzung der Abwärme der wassergekühlten Kälteanlagen für die Lüftungstechnik verhindern den Verlust von Wärmeenergie. Dies zeigt, wie auch der Mittelstand durch Energiesparkonzepte zur eigenen Kostenentlastung und zur Entlastung der Umwelt beitragen kann.

Preisträger der Kategorie IV „Herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Umweltbildung“ ist die Oberlausitz-Stiftung mit ihrem Projekt „Apfelwirtschaft! Junge Menschen fördern – Alte Obstsorten erhalten“. Die heimischen Obstsorten haben es Dr. Michael Schlitt und seiner Frau Bettina Schlitt angetan. 200 alte Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumensorten wachsen unter ihrer Führung in Ostritz. Um traditionelle Landschaftskultur, lokales Wirtschaften und Bildungsinhalte zu vereinen, hat das Ehepaar die erste Naturschutzstiftung in der Oberlausitz gegründet - mit der Aufgabe alte Obstbaumsorten zu erhalten und Jugendliche aktiv in den Prozess des Pflanzens, der Pflege, Ernte und Vermarktung einzubeziehen. Dafür wurde sogar eine eigene Schülerfirma gegründet. Unternehmensführung, Ernte, Verkauf – all das machen die Schüler selbst. Im vergangenen Jahr haben sie so mehr als 1 000 Liter Saft verkauft. Mittlerweile weckt die 2,5 Hektar große Wiese der Stiftung ein solches Interesse in der Bevölkerung, dass sogar regelmäßig Führungen stattfinden.

Sonderpreise wurden gleich drei vergeben.

Den ersten Sonderpreis erhielt der Verein zum Ökologischen Gewässerschutz Treptitz e.V. Der Bürgerverein der Gemeinde hat mit seinem „Projekt zur ökologisch nachhaltigen wasserwirtschaftlichen Ver- und Entsorgung in Treptitz“ viele einzelne Abwasseranlagen zu zwei Gruppenkläranlagen zusammengelegt und den Leitungsbau genutzt, um auch die Abwärme einer Biogasanlage in ein lokales Wärmenetz einspeisen zu können. Die Dorfgemeinschaft spart mit beim Betrieb der Gruppenkläranlagen 50 000 kWh Strom pro Jahr gegenüber sonst nötigen Einzelkläranlagen. Die genutzte Abwärme der Biogasanlage spart darüber hinaus pro Jahr etwa 130 000 Liter Heizöl. Insgesamt werden so knapp 400 Tonnen CO2-Emissionen vermieden.

Der zweite Sonderpreis ging an die AoTerra GmbH. Dem Dresdner Start-Up-Unternehmen mit seinen 32 Mitarbeitern ist es gelungen, die Abwärme von Servern zum Heizen von Gebäuden zu nutzen. Wenn man weiß, dass derzeit fünf Prozent des deutschen Stromverbrauchs zum Betrieb von Servern benötigt wird, die Hälfte davon zum Kühlen der Rechner, so ist Nutzung der Abwärme fast Pflicht. Damit gelingt dem Unternehmen die Verbindung der bislang getrennten Märkte von Heizung und Cloud-Computing. Mittlerweile sind die Produkte AoHeat und AoCloud marktreif. In diesem Jahr werden bereits die ersten 100 Systeme installiert.

Den dritten Sonderpreis erhielt Frau Kerstin Doppelstein aus Leipzig mit ihrem Projekt „Hutewald am Cospudener See“. Die Schäferin hat sich vorgenommen, einen einzigartigen Kulturraum in rekultivierten Tagebauen zu schaffen. Etwa 150 Jahre wird es dauern, bis die Landschaft des ehemaligen Tagebaus am Cospudener See sich in einen Hutewald verwandelt haben wird. Die Hutung ist eine alte Form der Landnutzung und leitet sich von „Vieh hüten“ ab – Schafe fressen bestimmte niedrige Pflanzen im Wald ab und halten ihn licht. Damit gelingt das auf den ersten Blick Unmögliche: Durch die einzigartige Verbindung zwischen Weide- und Waldwirtschaft, welche Forst- und Landwirtschaft zu einer biodiversen Kulturlandschaft vereint, wird die Weiterentwicklung geschützter Arten gefördert und der Wald für Tourismus attraktiv und nutzbar gemacht.


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Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Pressesprecher Robert Schimke

Telefon: +49 351 564 20040

Telefax: +49 351 564 20065

E-Mail: robert.schimke@smul.sachsen.de

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