»Kinderspiel? Von wegen!«– Ausstellungseröffnung am 9. November im Haus Rabe in Zwenkau
06.11.2026, 14:36 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Kulturministerin Barbara Klepsch: »Beeindruckender Beitrag zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen am symbolträchtigen 9. November.«
Die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch nimmt am kommenden Montag (9. November 2026) an der Eröffnung der Ausstellung »Kinderspiel? Von wegen!« im Haus Rabe in Zwenkau teil und spricht ein Grußwort. Die Ausstellung ist der Beitrag von Haus Rabe zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen. Sie entstand als Gemeinschaftsprojekt von Haus Rabe und dem DPFA-Regenbogen-Gymnasium Zwenkau.
Kern des Projektes sind Reproduktionen von Kinderzeichnungen, die zwischen 1942 und 1944 im Ghetto Theresienstadt unter Anleitung der Bauhaus-Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis entstanden sind sowie Zeichnungen von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Zwenkau, die sich mit den Themen der Zeichnungen aus Theresienstadt aus heutiger Perspektive beschäftigen und zu den Bildern aus Theresienstadt in Beziehung gesetzt werden.
»Die neue Ausstellung ist ein beeindruckender Beitrag zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen an diesem symbolträchtigen 9. November. Als wir das Themenjahr auf den Weg gebracht haben, war unser Ziel klar: Wir wollen jüdische Geschichte und Kultur in ganz Sachsen sichtbar machen – gerade auch abseits der Großstädte. Jüdische Geschichte prägt Familiengeschichten und Gebäude – wie das Haus Rabe. Es ist wunderbar, dass dieses Gesamtkunstwerk der Klassischen Moderne seit einigen Jahren wieder öffentlich zugänglich ist. Die neue Ausstellung »Kinderspiel? Von wegen!« verbindet die Geschichte dieses Hauses auf ergreifende Weise mit dem Erbe des Bauhauses und dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie zeigt uns, wie wichtig es ist, auch unter schwierigsten Bedingungen Menschlichkeit zu bewahren und füreinander einzustehen. Dass sich nun junge Menschen diesen komplexen Themen genähert und eigene künstlerische Antworten gefunden haben, berührt mich sehr. Das ist kulturelle Bildung im besten Sinne: Sie vermittelt nicht nur Wissen, sondern eröffnet neue Perspektiven auf unsere Gegenwart. Ich danke allen von Herzen, die dieses Gemeinschaftsprojekt möglich gemacht haben: dem Team des Hauses Rabe, der Kulturstiftung Landkreis Leipzig, den beteiligten Lehrkräften und natürlich ganz besonders den jungen Künstlerinnen und Künstlern«, sagt Sachsens Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch anlässlich der Ausstellungseröffnung.
Hintergrundinformationen zur Ausstellung und zum Haus Rabe
Friedl Dicker-Brandeis war eine österreichische Bauhaus-Schülerin, Malerin und Kunstpädagogin jüdischer Abstammung. Als überzeugte Antifaschistin und Kommunistin wurde sie 1933 kurzzeitig inhaftiert und floh anschließend nach Prag. 1936 heiratete sie ihren Cousin Pavel Brandeis. Im Dezember 1942 wurde das Ehepaar in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Obwohl Schulunterricht im Ghetto streng verboten war, gab Dicker-Brandeis heimlich Zeichen- und Kunsttherapiestunden für Kinder. Sie wollte den Kindern ermöglichen, durch das Zeichnen Traumata zu verarbeiten und ihrer Realität einen Raum der Freiheit entgegensetzen. Als ihr Mann nach Auschwitz deportiert wurde, meldete sich Friedl Dicker-Brandeis freiwillig für den Transport, um bei ihm zu sein. Sie wurde am 6. Oktober 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort am 9. Oktober 1944 ermordet. Ihr Mann überlebte das Lager. Rund 4.500 der von ihr betreuten Kinderzeichnungen wurden vor ihrer Deportation versteckt und überdauerten den Krieg. Die Werke befinden sich heute überwiegend im Jüdischen Museum in Prag und sind Teil der Sammlung von Yad Vashem.
Die Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse am Gymnasium Zwenkau haben Bilder zu ähnlichen Themen wie die Kinder von Theresienstadt gemalt. An den Wänden des Hauses Rabe sollen diese Bilder in Dialog treten. Über die Kooperation mit Schulen möchte Haus Rabe junge Besucherinnen und Besucher für die Themen des Hauses gewinnen und dazu anregen, sich künstlerisch mit Fragen der Gegenwart und der Erinnerungskultur auseinanderzusetzen.
Ein direkter Bezug von Haus Raube zum Lager Theresienstadt ergibt sich daraus, dass Erna Rabe, Frau von Erich Rabe, als Jüdin noch im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert wurde. Erna Rabe war dort als Krankenschwester tätig und überlebte das Ghetto; nach dem Krieg kehrte sie nach Zwenkau zurück. Insgesamt 14 ihrer Familienmitglieder wurden deportiert und ermordet.
Haus Rabe wurde zwischen 1929 und 1931 im Stil der Klassischen Moderne nach Plänen des Architekten Adolf Rading in Zwenkau als Wohnhaus für Erna und Erich Rabe erbaut. Die künstlerische Ausgestaltung der modernen Wohn- und Praxisräume übernahm der Bauhaus-Künstler Oskar Schlemmer. Das Haus und große Teile der Inneneinrichtung sind im ursprünglichen Zustand erhalten, das Haus ist heute als »Gesamtkunstwerk« der Klassischen Moderne zu erleben.
Bis 1994 blieb das Haus in Besitz der Familie Rabe, dann wurde es an den Kunstmäzen Horst Schmitter verkauft, der es mit großem Aufwand sanieren ließ. Seit 2015 gab es Bemühungen, das Haus in die Trägerschaft einer Stiftung zu geben und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Oktober 2020 wurde das Haus durch die Kulturstiftung Landkreis Leipzig übernommen und zu einem Ausstellungs- und Veranstaltungsort entwickelt. Seit dem 1. Juli 2021 ist es für die Öffentlichkeit zugänglich.