IAB-Betriebspanel Sachsen 2025 – Der sächsische Arbeitsmarkt zwischen KI und Fachkräftebedarf
04.10.2026, 10:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Wirtschaftsminister Panter: »KI in sächsischen Betrieben ist keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit«
Der sächsische Arbeitsmarkt steht weiterhin tiefgreifenden Veränderungen gegenüber, die sowohl die Unternehmen als auch die Beschäftigten vor große Herausforderungen stellen. Die Ergebnisse des IAB-Betriebspanel Sachsen für das Jahr 2025 machen das erneut deutlich. Während ein Viertel der sächsischen Betriebe ihren Bedarf an Personal höchstens teilweise decken konnte, stieg der Anteil betriebsbedingter Kündigungen auf den höchsten Wert der vergangenen 15 Jahre.
Gleichzeitig kommt es durch den vermehrten Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zu Veränderungen in der Arbeitswelt, allem voran der Notwendigkeit zum Ausbau digitaler Kompetenzen. Darüber hinaus werden sich Aufgabenverteilungen, Stellenprofile und Arbeitsprozesse kurz- und auch langfristig anpassen müssen. Mehr als jeder vierte Betrieb in Sachsen nutzt KI, weitere 8 Prozent planen den Einsatz. Betriebe, die bisher nicht auf den Einsatz von KI umgestiegen waren, begründeten dies überwiegend mit mangelnden Anwendungsmöglichkeiten.
Wirtschafts- und Arbeitsminister Panter: »Die Einführung künstlicher Intelligenz in den sächsischen Betrieben ist längst keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Wer die Chancen von KI nutzt, sichert sich Effizienzsprünge. Wer sie ignoriert, riskiert seine Wettbewerbsfähigkeit. Wir befinden uns mitten in einem tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt, der uns alle betrifft – unabhängig davon, ob ein Unternehmen bereits regelmäßig KI nutzt oder noch am Anfang des Weges steht.«
Hierbei kommt auch der beruflichen Weiterbildung im Unternehmen eine besonders wichtige Rolle zu. Durch Weiterbildungen kann das vorhandene Personal gezielt geschult und seine Kompetenzen an aktuelle Anforderungen – wie KI – angepasst werden. Auf diese Weise profitieren Beschäftigte von besseren Entwicklungschancen, während die Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.
»Die aktuellen Ergebnisse des IAB-Betriebspanels zur beruflichen Weiterbildung sind für Sachsen mehr als ein gutes Signal – sie bestätigen eine gelebte Praxis«, so Wirtschafts- und Arbeitsminister Dirk Panter. »Sowohl die Beteiligung der sächsischen Betriebe an Weiterbildungsmaßnahmen als auch die Weiterbildungsquote der Beschäftigten liegen über dem Niveau von Ost- und Westdeutschland. Das zeigt: Unternehmen und Beschäftigte im Freistaat handeln längst. Sie investieren in Qualifikation, weil sie wissen: Investitionen in die Beschäftigten sind die Grundvoraussetzung, um den Fachkräftebedarf effektiv zu decken und die Zukunftsfähigkeit unseres Freistaates zu sichern.«
Weitere wichtige Befunde des IAB-Betriebspanel Sachsen:
Schutzsuchende aus der Ukraine
7 Prozent der Betriebe beschäftigten Geflüchtete aus der Ukraine. 15 Prozent gaben an, bezüglich eines Arbeits-, Ausbildungs- oder Praktikumsplatzes angefragt worden zu sein. Fast die Hälfte der Betriebe mit Anfragen (44 Prozent) hatte bis Mitte 2025 zumindest zeitweise geflüchtete Personen beschäftigt.
Betriebliche Ausbildung
26 Prozent aller Betriebe beteiligten sich an der betrieblichen Ausbildung, damit blieb der Anteil im Vergleich zum Vorjahr konstant. 15 Prozent der sächsischen Betriebe suchten für das Ausbildungsjahr 2024/25 neue Auszubildende; auch dieser Anteil war ebenso hoch wie im Vorjahr. Dabei ist der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen Ausbildungsstellen in Sachsen leicht gesunken.
Wochenarbeitszeit
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit je Vollzeitbeschäftigter bzw. -beschäftigtem lag in Sachsen insgesamt bei 39,1 Stunden. In Westdeutschland arbeiteten vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer/-innen im Mittel 38,9 Stunden. Zur vertraglich vereinbarten Arbeitszeit kamen in über der Hälfte (54 Prozent) der sächsischen Betriebe Überstunden hinzu. Vier von fünf sächsischen Betrieben gaben an, bei unerwarteten Ausfällen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der wichtigsten Beschäftigtengruppe die Arbeiten der betreffenden Personen auf andere Beschäftigte umzuverteilen.
Tarifbindung
Die Tarifbindung in Sachsen ist nach wie vor geringer als in Ostdeutschland insgesamt und Westdeutschland. 71 Prozent der nicht tarifgebundenen Betriebe gaben an, dass es für sie bislang keinen Grund für eine formale Bindung an einen Tarifvertrag gab. Die Löhne waren in zwei Dritteln der Betriebe mit Tariforientierung mindestens so hoch wie im branchenrelevanten Tarifvertrag.
Mindestlohn
Fast jeder dritte Betrieb ist potenziell von der Erhöhung des Mindestlohns auf 13,90 Euro betroffen: Damit gab es in Sachsen anteilig mehr Betriebe, in denen Beschäftigte von der ab Januar 2026 in Kraft getretenen Mindestlohnerhöhung betroffen sind als in Westdeutschland. (19 Prozent) und in Ostdeutschland (25 Prozent). Bezogen auf die Beschäftigten ist die Differenz geringer: 11 Prozent der sächsischen sowie 8 Prozent der ostdeutschen und 6 Prozent der westdeutschen Beschäftigten verdienten weniger als den künftigen Mindestlohn.
Beschäftigung von Rentnerinnen und Rentnern
Rund ein Viertel der sächsischen Betriebe beschäftigt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den kommenden zwei Jahren die gesetzliche Regelaltersgrenze erreichen werden. 56 Prozent davon beabsichtigten alle oder einige davon nach Renteneintritt weiter zu beschäftigen. Mit 87 Prozent gab die große Mehrheit dieser Betriebe an, dass der Grund für diese Intention die Deckung des Fachkräftebedarfs sei, 77 Prozent empfanden die Weitergabe des Wissens der älteren Beschäftigten als relevant. Insgesamt planten die Betriebe 39 Prozent der rentennahen Personen im Betrieb zu halten.
Hintergrund:
Das IAB-Betriebspanel stellt jährlich repräsentative Ergebnisse zur Lage auf dem sächsischen Arbeitsmarkt und zur Beschäftigungssituation aus der Perspektive der Betriebe zur Verfügung. Ausgewertet wurden Befragungsdaten von insgesamt rund 15.800 Betrieben bundesweit, darunter von rund 1.200 Betrieben aus Sachsen. Die Grundgesamtheit des IAB-Betriebspanels umfasst alle Betriebe mit mindestens einer sozialversicherungspflichtig beschäftigten Person. Die Erhebung fand im zweiten Halbjahr 2025 statt. Der Bericht bildet die Kernthemen »Betriebsstruktur«, »Beschäftigungsentwicklung«, »strukturelle Beschäftigungsmerkmale«, »Fachkräfte«, »Betriebliche Ausbildung«, »Betriebliche Weiterbildung«, »Tarifbindung und Mindestlohn«, sowie »Investitionen und Innovationen« ab.
Die Kurz- und Langfassung des IAB-Betriebspanels Sachsen 2025 finden sich unter den angegebenen Links.