Umwelt-EHRENPREIS Sachsen 2026 vergeben

01.07.2026, 14:08 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch hat am Mittwoch (01.07.) in Dresden verdiente Akteurinnen und Akteure aus dem Freistaat mit dem Umwelt-EHRENPREIS 2026 ausgezeichnet. Insgesamt wurden 11 Preisträgerinnen und Preisträger für ihr Engagement in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Umwelt sowie Naturschutz geehrt. Die Auszeichnung ist mit Preisgeldern zwischen 1.000 Euro und 5.000 Euro dotiert. Darüber hinaus erhielten die Geehrten im Rahmen der feierlichen Veranstaltung einen namensgebenden Ehrenpreis (Veronica) – eine heimische Wildpflanze, die auf Wiesen, an Waldrändern und auf Äckern wächst.

Sachsens Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch gratulierte den Ausgezeichneten und betonte: »Tag für Tag setzen sich Menschen, Unternehmen, Vereine und Initiativen dafür ein, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren. Sie pflegen wertvolle Lebensräume, entwickeln neue Lösungen für den Ressourcenschutz, fördern die biologische Vielfalt oder tragen dazu bei, Belastungen für Mensch und Umwelt zu verringern. Dieses Engagement verdient Anerkennung, und mit dem Preis möchten wir die Leistungen derer ins Licht rücken, die ihr Wissen und ihre Zeit der Umwelt und Natur widmen. Die heutigen Preisträgerinnen und Preisträger stehen beispielhaft für Verantwortungsbewusstsein, Weitblick und Tatkraft. Ihre Projekte zeigen, wie viel erreicht werden kann, wenn Menschen Initiative ergreifen und konkrete Lösungen entwickeln. Dafür gilt ihnen unser großer Dank.«

Übersicht der Preisträgerinnen und Preisträger

Kategorie Land- und Forstwirtschaft

Schäferei Drutschmann, Dippoldiswalde – Schafhaltung, Direktvermarktung und kreative Wollverarbeitung
Die Schäferei und Spinnstube Drutschmann vereint als familiengeführter Bio-Betrieb ökologische Schäferei, Naturschutz, handwerkliche Verarbeitung und Umweltbildung auf vorbildliche Weise. Mit ihrer extensiven Beweidung trägt die Schäferei zum Erhalt artenreicher Wiesen und wertvoller Naturschutzflächen im Müglitztal bei. Stets im Mittelpunkt stehen dabei artgerechte Tierhaltung und das Wohl der Tiere. Der Betrieb setzt konsequent auf regionale Wertschöpfung. Von der Direktvermarktung über die Verarbeitung der Lämmer bis zur Herstellung hochwertiger Wollprodukte entsteht eine nachhaltige Produktionskette mit hoher Transparenz. Seit mehr als 25 Jahren wird die eigene Wolle gemeinsam mit regionalen Partnern zu Garnen, Vliesen, Stoffen und Bettwaren verarbeitet und damit ein traditioneller Rohstoff sinnvoll genutzt. Zudem vermittelt der Betrieb Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Wissen über Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und Natur. Und als Demonstrationsbetrieb Ökolandbau macht sie ökologische Landwirtschaft bei Hofführungen, Wanderungen und Bildungsangeboten unmittelbar erlebbar.

Stephan Schusser, Eibenstock – Lebenswerk für naturnahe Waldwirtschaft und nachhaltige Waldentwicklung
Mit seinem jahrzehntelangen Engagement hat sich Stephan Schusser in außergewöhnlicher Weise um die Entwicklung der naturnahen Waldwirtschaft verdient gemacht. In der Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Waldwirtschaft, Landesgruppe Sachsen, prägte er über viele Jahre deren fachliche und praktische Ausrichtung.
Unter seiner Leitung entwickelte sich insbesondere der Forstbezirk Eibenstock zu einem bundesweit anerkannten Beispiel naturgemäßer Waldwirtschaft. Zudem vernetzte er Akteurinnen und Akteure aus privaten, kommunalen und staatlichen Forstbetrieben, förderte den Austausch zwischen Praxis, Wissenschaft und Ausbildung und vermittelte durch zahlreiche Exkursionen wertvolle Impulse. Ein besonderer Teil seines Lebenswerkes ist die Wiederansiedlung der Weißtanne in Sachsen. Unter seiner Verantwortung wurden im Forstbezirk Eibenstock rund 2.500 Hektar Weißtannen-Voranbauten durch Pflanzung und Saat begründet. Darüber hinaus engagierte sich Stephan Schusser für Renaturierungen, strukturreiche Waldränder und vielfältige Lebensräume. Sein Wirken prägte maßgeblich den Umbau naturferner Nadelbaumforsten zu klimaresilienten Mischwäldern.

Agrarprodukte Kitzen e.G., Pegau – Energieautarker Gläserner Kuhstall Leipzig
Mit dem »Gläsernen Kuhstall« am Standort Leipzig hat der Milchviehbetrieb ein herausragendes Beispiel für nachhaltige, innovative und transparente Landwirtschaft geschaffen. Im Rahmen eines umfassenden Umbaus wurde die Anlage auf eine klimafreundliche und ressourcenschonende Energieversorgung ausgerichtet. Heute arbeitet der Standort vollständig energieautark, die Energie wird ausschließlich aus Rindergülle gewonnen. Dank der Kombination aus moderner Biogasanlage, Stromspeicher und intelligentem Energiemanagement entstand ein geschlossener, nachhaltiger Wirtschaftskreislauf, der Umwelt- und Ressourcenschutz beispielhaft verbindet. Darüber hinaus engagiert sich die Genossenschaft in besonderem Maße für Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit. Rund 60 Schulklassen sowie zahlreiche Fach- und Interessengruppen besuchen jedes Jahr den »Gläsernen Kuhstall«. Hoffeste mit mehreren Tausend Gästen sowie Informationsangebote im Hofladen ergänzen dieses Engagement.

Der Heckenhof, Reichenbach, OT Sohland – Solidarische Landwirtschaft, Umweltbildung und naturpädagogische Prozessbegleitung im Einklang
Der Heckenhof in der Oberlausitz zeigt eindrucksvoll, wie zukunftsfähige Landwirtschaft, soziale Verantwortung und ökologische Bildung miteinander verbunden werden können. Auf 3,5 Hektar bewirtschaftet die solidarische Landwirtschaft Gemüse- und Obstflächen und versorgt rund 80 Haushalte mit bio-regionalen Lebensmitteln. Dabei fließen sowohl Prinzipien der biodynamischen Landwirtschaft als auch der Permakultur in die tägliche Arbeit ein. Auf dem Hof wurden zudem mit naturbelassenen Hecken, Buschland und einer Streuobstwiese mit heimischen Sorten wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen. So verbindet der Heckenhof ökologische Verantwortung mit praktischer Umsetzung und macht nachhaltiges Handeln unmittelbar erlebbar. Die Betreiber engagieren sich darüber hinaus für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und bringen bei offenen Arbeitseinsätzen und saisonalen Festen Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe zusammen. Schulklassen, Geflüchtete sowie Erwachsene in schwierigen Lebenssituationen erfahren auf dem Hof Teilhabe, Wertschätzung und neue Perspektiven durch die gemeinsame Arbeit mit der Natur.

Kategorie Wasser, Luft, Lärm

Bärbel Lehmann, Müglitztal – Engagement für Lärmschutz im Müglitztal und auf Bundesebene
Um auf die Belastung von Motorradlärm auf die Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner des im Landschafts- und Naturschutzgebiet liegenden Müglitztal aufmerksam zu machen, engagiert sich Bärbel Lehmann seit 2007 ehrenamtlich in der Interessengemeinschaft Müglitztal. Als Sprecherin der Initiative trug sie das Thema in die Öffentlichkeit, Verwaltung und Politik. Dank der Initiative entstand ein durch den Freistaat Sachsen finanziertes Pilotprojekt mit Verkehrsversuch im Müglitztal. Parallel gelang es Bärbel Lehmann, Betroffene und Bürgerinitiativen in Sachsen zu vernetzen und daraus ein aktives landesweites sowie später bundesweites Netzwerk gegen Motorradlärm aufzubauen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Thema im Rahmen der Bundesratsinitiative gegen Motorradlärm. Bärbel Lehmann gehörte 2022 zu den Mitgründern des Bundesverbandes gegen Motorradlärm, sie hat dort bis heute eine leitende Funktion. Darüber hinaus engagiert sie sich durch Fachvorträge und den Austausch mit Behörden, Wissenschaft und Politik.

Riverbalance Clemens Kuhnitzsch, Burkhardtsdorf – Bürgernahe und generationenübergreifende Bewusstseinsbildung für Gewässer und Auen
Nach dem Studium der Hydrowissenschaften und Hydrobiologie an der Technischen Universität Dresden arbeitet Clemens Kuhnitzsch als freiberuflicher Hydrobiologe, Wildnispädagoge und Gewässerexperte an der Schnittstelle von Wissenschaft, Umweltbildung und praktischem Naturschutz. Seit 2023 vermittelt er sein Wissen als Gastdozent für Hydrochemie an der Hochschule Mittweida, seit 2024 zudem als Umweltausbilder bei der Landesstiftung für Natur und Umwelt Sachsen sowie als zertifizierter Nationalparkführer »Fließgewässer« in der Sächsischen Schweiz. Mit seinem Unternehmen »Riverbalance« hat Clemens Kuhnitzsch eine Plattform geschaffen, die hydrologisches Fachwissen, Naturerfahrung und ökologische Verantwortung auf besondere Weise verbindet. Sein Ziel ist es, Menschen aller Generationen für die Bedeutung gesunder Gewässer zu sensibilisieren. In Vorträgen, Seminaren, Gewässerwanderungen, Lesungen und seinem »grünen Klassenzimmer« macht er die Lebensgemeinschaften in Flüssen und Bächen sichtbar und vermittelt wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich und anschaulich. Darüber hinaus berät er Städte und Kommunen bei der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, engagiert sich in Fachverbänden und bringt den Gewässerschutz aktiv in gesellschaftliche Debatten ein.

Kategorie Naturschutz und Boden/Geologie

Constantin Schütz, Görlitz – Vermittlung biologischer Artenkenntnis und Förderung naturwissenschaftlichen Engagements
Constantin Schütz setzt sich bereits in jungem Alter mit großer Fachkompetenz und persönlichem Einsatz für die Vermittlung biologischer Artenkenntnis, naturwissenschaftliche Bildung und gesellschaftliches Ehrenamt ein. Der Biologiestudent unterstützt die Entomologie-Spezialistenkurse für Schülerinnen und Schüler der 9. Klassenstufe und vermittelt dort gemeinsam mit erfahrenen Fachleuten fundierte Kenntnisse zur Insektenkunde, biologischen Vielfalt und wissenschaftlichen Arbeitsweise. Zudem engagiert er sich in dem mit Unterstützung der Landestiftung Natur und Umwelt organisierten Spezialistenlager für naturwissenschaftlich interessierte Jugendliche. Neben seinem wissenschaftlichen Engagement ist Constantin Schütz ehrenamtlich in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aktiv. Er betreibt Rettungsschwimmen und unterstützt den Wachdienst am Berzdorfer See sowie den Katastrophenschutz im Landkreis Görlitz als Einsatztaucher.

Sonja Fischer, Plauen – Einsatz für den Fledermausschutz im Vogtland
Seit über 30 Jahren engagiert sich Sonja Fischer mit Leidenschaft und großem persönlichem Einsatz für den Natur- und Artenschutz im Vogtland. Ihr ehrenamtliches Wirken verbindet praktische Naturschutzarbeit, wissenschaftliche Datenerfassung, fachkundige Beratung und engagierte Öffentlichkeitsarbeit in vorbildlicher Weise. Besondere Anerkennung verdient ihr Einsatz im Fledermausschutz. Als geschätzte Ansprechpartnerin kümmert sie sich um abgestürzte Jungtiere aus Wochenstubenquartieren, versorgt diese und bringt sie in ihre natürlichen Lebensräume zurück. Darüber hinaus vermittelt sie ihr Wissen bei Vorträgen, Führungen und der jährlich stattfindenden Fledermausnacht im Pfaffengut Plauen.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist der Schutz gebäudebrütender Vogelarten und von Fledermausquartieren bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen. In enger Zusammenarbeit mit Behörden, Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften, Fachbüros und Infrastrukturträgern berät sie zu Artenschutzmaßnahmen, vermittelt Ersatzquartiere und begleitet deren Umsetzung.

Peter Strasser, Meißen – Engagement für den Erhalt der Würfelnatter in Sachsen
Peter Strasser setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz der heimischen Reptilienfauna im Meißner Elbland ein. Sein Engagement gilt besonders der Betreuung des einzigen sächsischen Vorkommens der Würfelnatter (Natrix tessellata) – einer extrem seltenen Wasserschlange, die in Sachsen über 50 Jahre als ausgestorben galt. Er wirkte aktiv an der Wiederansiedlung der Art im Kreis Meißen mit und nahm an den Aussetzungsaktionen der Jahre 1999 und 2000 teil. Bereits 2001 gelang schließlich die erfolgreiche Wiederansiedlung der Würfelnatter in Sachsen. Seit 2008 ist Peter Strasser offiziell als Betreuer des Vorkommens im Auftrag der Naturschutzbehörde Meißen berufen. Mit großer Fachkenntnis und großem Einsatz übernimmt er seither die Bestandserfassung, Habitatpflege, Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit rund um die Art. Durch seine kontinuierliche Betreuung und seine hervorragende Vernetzung mit Fachleuten und Naturschutzakteuren konnte der Bestand der Würfelnatter langfristig stabilisiert werden.

Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz Heimatfreunde Kurort Gohrisch e.V. – Natur- und Heimatpflege im Kurort Gohrisch
Der Gebirgsverein Heimatfreunde Kurort Gohrisch e.V. hat sich dem Schutz der Natur, der Bewahrung der Heimatgeschichte und der Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Gohrisch und Papstdorf verschrieben. Mit rund 100 Mitgliedern vereint er Menschen unterschiedlicher Generationen, die sich mit großem ehrenamtlichem Einsatz für Umwelt-, Natur- und Denkmalschutz einsetzen. Ein besonderes Beispiel dieses Engagements ist das Gohrischer Arboretum mit seinem Lapidarium. In enger Zusammenarbeit mit Sachsenforst entstand eine parkähnliche Anlage, in der seit 1990 die jeweiligen »Bäume des Jahres« gepflanzt werden. Heute ist das Arboretum ein lebendiges Symbol für Nachhaltigkeit, Umweltbildung und Naturschutz sowie ein beliebter Ort der Erholung und Begegnung.
Mit großem persönlichem Einsatz pflegen die Vereinsmitglieder das Gelände, erhalten die Pflanzungen und fördern die Artenvielfalt. Darüber hinaus engagiert sich der Verein in der Umweltbildung und führt gemeinsam mit Grundschule und Kindergarten in Papstdorf Kinder frühzeitig an Natur- und Heimatschutz heran.

Estelle Brandt für Ökostation Naundorf – Junge Naturwächter
Die 13-jährige Estelle Brandt setzt sich seit 2022 mit großem Engagement und beeindruckender Eigeninitiative als Junge Naturwächterin in der Kinderumweltgruppe der Ökostation Naundorf für Natur- und Umweltschutz ein. Sie steht stellvertretend für rund 800 Junge Naturwächter in Sachsen. In der Gruppenarbeit engagiert sich Estelle Brandt vor allem in der Betreuung der jüngeren Kinder. Mit Verantwortungsbewusstsein, Kreativität und großer Begeisterung motiviert sie andere Kinder und Jugendliche, sich ebenfalls für den Schutz der Natur einzusetzen. Darüber hinaus berichtet Estelle engagiert über die Aktivitäten der Jungen Naturwächter in den sozialen Medien sowie auf den Seiten der Jungen Naturwächter bei der Landesstiftung Natur und Umwelt. So trägt sie dazu bei, Umwelt- und Naturschutz sichtbar zu machen.

Weitere Informationen zu den Preisträgerinnen und Preisträgern und ihrem Engagement sowie Fotos von der Preisverleihung sind unter https://umweltehrenpreis.sachsen.de zu finden.


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Pressesprecherin Corinna Saring
Telefon: +49 351 564 20040
Telefax: +49 351 564 20007
E-Mail: presse@smul.sachsen.de
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