Wie die Energiewende in der Praxis funktioniert - Von moderner Kraftwerkstechnik bis zu innovativen Speicher- und Wärmelösungen
15.04.2026, 11:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Thementag »Neue Energien« mit dem sächsischen Wirtschaftsminister in Dresden zum Auftakt der Sächsischen Energietage
Vom 25. April bis 23. Mai 2026 laden die Sächsischen Energietage bereits zum fünften Mal dazu ein, die Energiewende in Sachsen hautnah zu erleben. Vereine, Unternehmen, Kommunen sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen öffnen ihre Türen und zeigen, wie erneuerbare Energien, Energieeffizienz und innovative Technik unseren Alltag prägen. Den Startschuss gibt heute Sachsens Wirtschafts- und Energieminister Dirk Panter mit seinem Thementag »Neue Energien« in Dresden. Er besucht drei Standorte für innovative Wärmeerzeugung der SachsenEnergie AG, dem größten ostdeutschen Energieversorger.
»Die aktuelle geopolitischen Lage führt uns überdeutlich vor Augen, wie verletzlich unser Energiesystem durch Abhängigkeiten von fossilen Importen und unsicheren Lieferketten ist. Aber sie ist auch ein Impuls für dringend benötigte Veränderung«, betont der sächsische Wirtschafts- und Energieminister Dirk Panter. »Unsere Antwort muss der Umstieg auf erneuerbare Energien sein – im Stromsektor ebenso wie in der Wärmeversorgung. Die Zukunft der Energieversorgung muss unabhängiger, sicher und klimaneutral sein. Eine zentrale Rolle kommt dabei den kommunalen Energieversorgern zu. Sie sind die Brückenbauer der Energiewende, die vor Ort mit den gegebenen Bedingungen Energiesysteme gestalten, die sowohl verlässlich als auch klimaverträglich und bezahlbar sind.«
SachsenEnergie zeigt, wie Wärmewende funktionieren kann
In Sachsen spielt die Fernwärme historisch bedingt eine größere Rolle als im bundesweiten Durchschnitt – vor allem aufgrund der Braunkohlekraftwerke, die bislang wesentliche Wärmelieferanten waren. In den Heizkraftwerken in Dresden wird seit Ende der 90er Jahre auf Kohle verzichtet. Stattdessen wird Erdgas genutzt, um höchsteffizient gleichzeitigen Strom und Fernwärme zu erzeugen. Fernwärme bleibt ein zentraler Baustein der Energie- und Wärmewende. Ziel ist es nun, die meist noch fossil betriebenen Netze schrittweise auf erneuerbare Energien umzustellen und sie durch Digitalisierung effizienter und smarter zu gestalten. Wo es sinnvoll ist, sollen bestehende Netze ausgebaut und neue, vollständig mit erneuerbarer Energie betriebene Fernwärmenetze aufgebaut werden.
»Das Dresdner Fernwärmenetz versorgt bereits fast die Hälfte der Dresdner Haushalt mit Wärme. Der wirtschaftliche Ausbau und die Verdichtung des Netzes sind das Rückgrat für eine erfolgreiche Wärmewende«, erläutert SachsenEnergie-Vorstand Dr. Axel Cunow und ergänzt: »In unserem Innovationskraftwerk in Dresden-Reick wird die Energie- und Wärmewende bereits umgesetzt, in dem wir Großwärmespeicher, eine Großwärmepumpe und eine Photovoltaikanlage mit der konventionellen Erzeugung kombinieren. SachsenEnergie ist auf einem guten Weg, Schritt für Schritt verschiedene weitere erneuerbare Energiequellen und Technologien zur Dekarbonisierung der Fernwärme einzusetzen.«
Dazu zählt auch
– die Solarthermieanlage in Dresden-Räcknitz: Sie nutzt Sonnenenergie zur dezentralen Wärmeproduktion und speist sie in das Dresdner Fernwärmenetz ein. Damit werden jedes Jahr mehrere hundert Haushalte klimaschonend versorgt.
– das Innovationskraftwerk Reick und Heizkraftwerk Nossener Brücke: Modernste Technik ermöglicht hier die kombinierte Erzeugung von Wärme und Strom sowie die Einbindung großer Wärmespeicher. Überschüssige Energie kann in Form von Wärme gespeichert und später flexibel abgerufen werden.
»Diese Anlagen zeigen eindrucksvoll, dass die Wärmewende keine ferne Vision, sondern gelebte Realität ist«, erklärte Minister Panter. »Erneuerbare Energien sind keine abstrakten Zukunftsthemen, sondern die konkreten Antworten auf die Preisrealität im Alltag. Sie machen unsere Energieversorgung resilienter, die Preise verlässlicher und schaffen lokale Wertschöpfung.«
Dass die Wärmewende ein Prozess ist, der Zeit und vielfältige Technologien benötigt, um Versorgungssicherheit zu garantieren, macht der SachsenEnergie-Vorstand deutlich: »Neben der Nutzung von Umwelt- und Abwärme sowie Sonnenenergie wollen wir auch die thermische Energie der Elbe mittels Flusswärmepumpen nutzbar machen. Ein weiterer Meilenstein für die Dekarbonisierung des Fernwärmenetzes wird die geplante thermische Abfallbehandlungsanlage im Dresdner Norden sein. Um schließlich die Produktion der Energie vom Bedarf nach Wärme zu entkoppeln, braucht es weitere Wärmespeicher. Das stärkt die Resilienz und schont den Geldbeutel bei hohen Strompreisen an der Börse.« Neben diesen Einzelprojekten rüstet SachsenEnergie Schritt für Schritt auch die Heizkraftwerke zukunftsorientiert um. »Die Kraftwerke werden zwar für den Erdgasbetrieb ausgelegt, können aber gleichzeitig ohne Probleme zügig auf den Wasserstoffbetrieb umgestellt werden. So bleiben sie die Garanten für eine stabile Versorgung«, so Axel Cunow.
Geopolitische Unabhängigkeit und lokale Stärke
Jeder Euro, der heute noch in fossile Abhängigkeit fließt, fehlt morgen für regionale Wertschöpfung, sichere Arbeitsplätze und Preisstabilität. Windräder, Solarthermie und Wärmepumpen sind daher weniger Ideologie als vielmehr eine Versicherung gegen die nächste Energiekrise.
»Wer Erneuerbare blockiert, wird künftig höhere Kosten und soziale Belastungen rechtfertigen müssen«, so der Minister weiter. »Die kommunalen Stadtwerke, Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sind die Treiber dieser Transformation. Wenn wir gemeinsam anpacken, wird die Wärmewende nicht nur unsere Energieversorgung sichern, sondern auch die regionale Wirtschaft stärken und unsere Abhängigkeit vom Weltmarkt verringern.«
Sachsen setzt deshalb gezielt auf die Förderung klimafreundlicher Wärmeversorgung.
Mit der Förderrichtlinie Energie und Klima unterstützt das Wirtschaftsministerium die sächsischen Kommunen sowohl bei der Wärmeplanung als auch beim Umbau der fossilen Energieversorgung in den Braunkohleregionen hin zu erneuerbaren Lösungen.
Hintergrundinformationen
Kommunale Wärmeplanung
Gemäß Wärmeplanungsgesetz (WPG) sind Kommunen ab 45.000 Einwohnern wie Dresden verpflichtet, bis 30. Juni 2026 eine Kommunale Wärmeplanung mit dem Ziel einer kosteneffizienten, nachhaltigen, sparsamen, bezahlbaren, resilienten sowie treibhausgasneutralen Wärmeversorgung bis spätestens zum Jahr 2045 (Zieljahr) vorzulegen (alle weiteren Kommunen bis 30. Juni 2028). Die Stadt Dresden hat im September 2025 Entwurf zur Kommunalen Wärmeplanung vorgelegt. Nach Auswertung der Ergebnisse der öffentlichen Beteiligung wird die überarbeitete Version des kommunalen Wärmeplans nun im Stadtrat beraten.
Die Kommunale Wärmeplanung ermöglicht es, Versorgungslösungen der zukünftigen klimaneutralen Wärmebereitstellung bereits heute aktiv zu planen und dabei die für den Endverbraucher kosteneffizienteste Lösung aufzuzeigen. Spezifische Besonderheiten in den Gemeinden werden dabei berücksichtigt und vorhandene, nutzbare Potentiale – wie beispielsweise Abwärme – können und sollten bereits jetzt eingebunden werden.
–--------------------------------------------------------
Energie zum Mitmachen im ganzen Freistaat – Sächsische Energietage 2026
Die Energiewende wird in Sachsen bereits heute von vielen Akteuren aktiv gestaltet. Vom 25. April bis 23. Mai öffnen sie ihre Türen und Tore und geben Einblicke in ihre Arbeit, Vorhaben und Energieprojekte.
Das Programm der Energietage umfasst Führungen, Projektbesichtigungen sowie Informations- und Diskussionsveranstaltungen – praxisnah und kostenfrei. Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.energietage.sachsen.de
Links:
Servicestelle Kommunale Wärmeplanung - SAENA
https://www.saena.de/kommunale-waermeplanung-10615.html
SachsenEnergie AG
https://www.sachsenenergie.de/wps/portal/energie/cms/menu_main/sachsenenergie
Stadt Dresden – Kommunale Wärmeplanung
https://www.dresden.de/de/stadtraum/umwelt/umwelt/klima-und-energie/klimaschutz/kommunale-waermeplanung.php