Sachsen auf dem Weg zur klimaneutralen Wirtschaft: Studie zeigt Unternehmen konkrete Dekarbonisierungsoptionen auf
09.03.2026, 10:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Die Dekarbonisierung der sächsischen Wirtschaft ist ein zentraler Baustein für die Erreichung der Klimaziele. Doch wie lassen sich die technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen meistern? Die Studie »Dekarbonisierungsoptionen für die sächsische Wirtschaft« liefert erstmals einen umfassenden Überblick über den Status quo der Dekarbonisierung zentraler mittelständischer Branchen in Sachsen.
Die Umstellung auf CO₂-freie Prozesse bis 2045 ist für viele Unternehmen eine technische und wirtschaftliche Herausforderung. Während große energieintensive Industrien bereits seit einigen Jahren konkrete Dekarbonisierungsfahrpläne verfolgen, stehen viele kleine und mittlere Unternehmen noch am Anfang dieses Prozesses. Für sie ist die Dekarbonisierung – also die Lösung von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdgas oder Öl hin zu kohlenstofffreien und erneuerbaren Energiequellen - mit Unsicherheiten verbunden, beispielsweise hinsichtlich geeigneter Technologien, sinnvoller Investitionen oder der Rolle von Strom, Wasserstoff und Effizienzmaßnahmen. Hinzu kommen Fragen nach den rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen.
Wirtschafts- und Energieminister Dirk Panter: »Der klimabewusste Umbau unserer Wirtschaft ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern findet bereits statt. Gerade für den sächsischen Mittelstand liegt darin eine große Chance: Wer heute entschlossen handelt, sichert morgen Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Arbeitsplätze. Mit der vorliegenden Studie schaffen wir dafür eine praxisnahe und fundierte Grundlage.«
Status quo und Handlungsbedarf
In der Studie wird der aktuelle Stand der am Markt verfügbaren Dekarbonisierungstechnologien für 19 ausgewählte sächsische Wirtschaftszweige und das Handwerk analysiert. Im Rahmen der Studie wurden auch die damit verbundenen technischen und finanziellen Wechselbeziehungen betrachtet. Gleichzeitig werden technische, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen betrachtet, die für Unternehmen der vorgelagerten Energieinfrastruktur auf der Verteilnetz- und Erzeugungsebene zu erfüllen sind, um den verschiedenen Branchen CO₂-freie Energieträger zu Preisen zur Verfügung zu stellen, die den Weiterbetrieb der bestehenden Geschäftsmodelle ermöglichen.
Die Elektrifizierung ist in den Fokusbranchen bereits relativ weit fortgeschritten. Die ausgewählten Branchen in Sachsen verbrauchen jährlich rund 15,5 TWh Endenergie, wobei 42 Prozent bereits elektrifiziert sind. Der Anteil der erneuerbaren Energien am allgemeinen Bruttostromverbrauch beträgt dabei in Sachsen ca. 28 Prozent. Besonders energieintensiv sind die Papierindustrie (2,2 TWh), gefolgt von Ernährung & Getränke (2,1 TWh) und DV-Geräte (2,0 TWh).
Um die direkt durch Energieverbrauch entstehenden Treibhausgasemissionen der Unternehmen deutlich zu senken, muss vor allem der noch verbleibende Einsatz von fossilen Energieträgern (z.B. Erdgas, Öl, Kohle) Schritt für Schritt durch klimafreundliche Alternativen ersetzt werden - z.B. durch elektrische Prozesse (Wärmepumpen, Elektroöfen), erneuerbare Brennstoffe (Biogas, grüner Wasserstoff) oder insgesamt effizientere Technologien, die weniger Energie brauchen.
Die Studie identifiziert Effizienzmaßnahmen, Elektrifizierung und Brennstoffwechsel als zentrale Hebel zur Dekarbonisierung – mit unterschiedlichen Prioritäten je nach Temperaturniveau und Prozessanforderungen.
Technologie-, Branchen-& Handwerkssteckbriefe als Praxisleitfaden
Ein zentrales Ergebnis der Studie sind branchenspezifische Steckbriefe, die Unternehmen als Orientierung und Handlungshilfe dienen, um einen ersten Überblick über ihre Dekarbonisierungsoptionen zu erhalten. Vertiefende Steckbriefe für die Industriebranchen Glas, Keramik, Verarbeitung von Steinen & Erden, Papier, DV-Geräte, Textilien, Chemie & Pharma, Gummi & Kunststoffe, Metallverarbeitung, Maschinenbau und Ernährung zeigen prozessspezifische Lösungen auf. Darüber hinaus gibt es separate Steckbriefe, die Dekarbonisierungsoptionen für die Handwerksberufe Bäcker, Fleischer und Textilreiniger betrachten. Die Steckbriefe fassen den Status quo, mögliche Dekarbonisierungstechnologien und die Hürden auf dem jeweiligen Transformationspfad zusammen und beschreiben die zu erwartenden wirtschaftlichen Auswirkungen.
Minister Panter: »Entscheidend für die Umsetzbarkeit von Dekarbonisierungstechnologien ist die vorgelagerte Energieinfrastruktur. Bedingungen wie zuverlässige Netzanschlüsse, die Verfügbarkeit sowie der kostengünstige Zugang zu »grünen« Energieträgern ist hier maßgeblich. Auf Bundesebene werden derzeit wichtige Entscheidungen für den weiteren Verlauf der Energiewende vorbereitet und getroffen, die wir als Sachsen eng begleiten. Diese Diskussion ist notwendig und überfällig, um auch künftig ausreichend Energie erzeugen und transportieren zu können sowie diese für alle Verbraucher und Unternehmen bezahlbar zu halten. Wir setzen uns gegenüber dem Bund dafür ein, dass neue Regelungen den Ausbau von erneuerbaren Energien unterstützen – nicht behindern.«
Hintergrund
Die Studie wurde im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA) durch die Sächsische Energieagentur – SAENA GmbH bei der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. München beauftragt, um den Stand der Dekarbonisierung in der sächsischen Wirtschaft systematisch zu untersuchen.
Download: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/49593