Afrikanische Schweinepest in Sachsen erfolgreich getilgt

05.02.2026, 11:57 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Ministerin Köpping: »Wir können heute das Ende dieser Tierseuche im Freistaat erklären«

Sachsen ist wieder frei von Afrikanischer Schweinepest (ASP). Am heutigen 5. Februar 2026 liegt die Feststellung des letzten ASP-Falls bei einem Frischling im Landkreis Bautzen genau ein Jahr zurück. Damit ist in Sachsen kein Fall mehr aktiv. Die Afrikanische Schweinepest gilt damit als erfolgreich getilgt.

Die für Tierseuchenbekämpfung zuständige Sozialministerin Petra Köpping erklärt: »Von uns fällt eine große Last ab. Fünfeinhalb Jahre ASP-Bekämpfung waren für die Beteiligten ein unglaublicher Kraftakt, den wir erfolgreich gemeistert haben. In den ersten drei Jahren haben wir diese Krise noch parallel zur Corona-Pandemie gemanagt. Ich danke allen Beteiligten bei mir im Haus, in der Landesuntersuchungsanstalt, in der Landesdirektion, den Veterinärämtern vor Ort, der Jägerschaft, den Land- und Forstwirten. Es war eine sehr kollegiale und fachlich fundierte Zusammenarbeit. Dank dieser können wir heute das Ende dieser Tierseuche im Freistaat erklären.«

Nach dem Indexfall am 31. Oktober 2020 bei einem mutmaßlich aus Polen über die Neiße eingewanderten Wildschwein wurden in Sachsen insgesamt 2398 ASP-Fälle festgestellt. Die zur ASP-Bekämpfung nötigen Sperrzonen betrafen in ihrer größten Ausbreitung im Jahr 2023 rund ein Drittel der Fläche Sachsens. Insgesamt waren rund 830 Kilometer Schutzzäune errichtet worden, um die Beweglichkeit des Schwarzwilds und damit die Ausbreitung des Virus einzuschränken. Von diesen konnten rund 480 Kilometer Zäunung bereits zurückgebaut werden. Die Bekämpfung der Tierseuche erforderte eine starke Reduzierung des Schwarzwildbestands. Dies wurde durch hunderte Einzelansitze, Ernte- und Drückjagden erreicht, welche Sachsens Jägerschaft durchführte. Im Einsatz waren auch zahlreiche Fallen, mit denen die Entnahme der Tiere gezielt durchgeführt werden konnte. Eine wichtige Maßnahme waren die nahezu täglichen Fallwildsuchen nach verendeten Tieren. Diese wurden vor allem mit den vom Freistaat Sachsen finanzierten Kadaversuchhunden und Drohnen durchgeführt und von den lokalen Jagdausübungsberechtigten, sowie Forst- und Behördenmitarbeitenden unterstützt. Allein 35 Suchhunde und ihre Halter wurden in drei sächsischen Kursen eigens für den Einsatz bei der Fallwildsuche ausgebildet. Über 1800 der insgesamt 2398 infizierten Wildschweine konnten durch Fallwildsuchen festgestellt werden. Analysiert werden die Proben in der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen (LUA). Insgesamt wurden seit Oktober 2020 gut 237.500 Proben untersucht – rund 139.000 bei Wild- und knapp 99.000 bei Hausschweinen. Insgesamt hat der Freistaat rund 60 Millionen Euro für die ASP-Bekämpfung aufgebracht.

Staatsministerin Köpping betont: »Besonders froh bin ich über die Tatsache, dass ein Eindringen des Virus in Hausschweinbestände erfolgreich verhindert wurde. Die Landwirte haben in ihren Betrieben sehr akkurat auf Biosicherheit und Hygiene geachtet. Das wird auch in Zukunft nötig sein, damit das Virus nicht doch einen Weg in diese Bestände findet. Denn nicht nur in Ost- und Südeuropa, sondern auch in den westlichen Bundesländern Hessen und Nordrhein-Westfalen gibt es aktuell ASP-Ausbrüche. Deshalb gilt weiter: Essensreste dürfen nicht wahllos weggeworfen werden, sondern gehören in geschlossene Behälter. Tote Wildschweine sollten sofort dem örtlichen Veterinäramt gemeldet werden.«

Das Sozialministerium wird noch in diesem Monat bei der EU-Kommission die Aufhebung der Sperrzone im Landkreis Bautzen beantragen. Der aus zwei parallel verlaufenden Zäunen bestehende Schutzkorridor entlang der Grenze zu Polen im Landkreis Görlitz bleibt so lange bestehen, bis die ASP auch in den angrenzenden Gebieten im Nachbarland getilgt ist. Die günstige Entwicklung der ASP-Tierseuchenlage in beiden Ländern machte jedoch bereits jetzt eine Anpassung der Risikobewertung möglich. Daher konnte der Rückbau eines Teils der mobilen Schwarzwildbarriere veranlasst werden, die ergänzend zu den festen Zäunen entlang der Neiße errichtet worden war.

Hintergrund:

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Virusinfektion, die ausschließlich Schweine, also Wild- und Hausschweine, betrifft. Sie verläuft fast immer tödlich und ist unheilbar. Überlebende Tiere entwickeln keine Immunität gegen das Virus, sie können sich erneut anstecken. Es gibt bisher keine Möglichkeit, die Schweine durch eine vorbeugende Impfung zu schützen. Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände (Kleidung, Schuhe, Fahrzeuge) und Futter in andere Gebiete durch den Menschen übertragen werden. Möglich ist die Übertragung auch durch Nahrungsmittel, für die mit dem ASP-Virus infiziertes Fleisch verarbeitet wurde. Für den Menschen und andere Tierarten ist die ASP nicht ansteckend oder gefährlich. Am 10. September 2020 wurde in Brandenburg ein erster Fall von ASP bei einem Wildschwein in Deutschland bestätigt. Am 31. Oktober 2020 gab es den Indexfall in Sachsen. Seitdem wurden ASP-Ausbrüche bei Wildschweinen in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern festgestellt. In Sachsen wurden bis insgesamt 2398 ASP-Fälle nachgewiesen. In Baden-Württemberg, Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Rheinland-Pfalz wurden seit 2022 auch Fälle in Hausschweinbeständen nachgewiesen. Das derzeit in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg in der Wild- und Hausschweinepopulation aktive ASP-Geschehen hat keinen Zusammenhang mit dem Geschehen in Sachsen und Brandenburg. Genomanalysen zeigten, dass es sich um einen anderen Virustyp mit Herkunft aus Südosteuropa handelt. Die Einschleppung erfolgte vermutlich durch den Menschen.

https://www.tiergesundheit.sachsen.de/aktuelles-6610.html


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