Freistaat Sachsen und italienische Region Sardinien vereinbaren Zusammenarbeit beim Projekt Einstein-Teleskop
12.01.2026, 19:18 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Enge Kooperation in Rom auf den Weg gebracht
Rom (12. Januar 2026) - Der Freistaat Sachsen und die Region Sardinien in Italien haben sich auf eine enge Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie verständigt. In Anwesenheit von Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow hat die Präsidentin der unabhängigen Region Sardinien, Alessandra Todde, am Abend in Rom eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Per Video zugeschaltet war der Sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, der die Vereinbarung bereits zuvor unterschrieben hatte.
Ziel der Vereinbarung ist es, die Zusammenarbeit insbesondere bei großen wissenschaftlichen Infrastrukturprojekten zu intensivieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem geplanten unterirdischen Einstein-Teleskop (ET), einem der bedeutendsten europäischen Forschungsprojekte der kommenden Jahrzehnte.
Derzeit werden drei potenziell geeignete Standorte in Europa auf Basis wissenschaftlicher Kriterien untersucht: die sächsische Lausitz, die Region Sardinien sowie die EMR-Region (Euregio Maas-Rhein) im Dreiländereck von Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Ziel ist es, die geologisch und bautechnisch am besten geeignete Formation für das Einstein-Teleskop zu identifizieren. Dabei wird auch geprüft, ob eine Kombination aus zwei Standorten technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist. Eine zwischen Sachsen und Sardinien geteilte Forschungsinfrastruktur könnte einen zusätzlichen wissenschaftlichen Mehrwert für Europa schaffen.
Sachsen und Sardinien eint das Interesse an einer erfolgreichen Umsetzung dieses europäischen Großprojekts. Beide Seiten wollen sich deshalb gegenseitig bei der Bewerbung und Realisierung des Vorhabens unterstützen. Angedacht ist unter anderem der Aufbau eines gemeinsamen wissenschaftlichen Konsortiums.
Ministerpräsident Michael Kretschmer: »Sachsen denkt Forschung in europäischen Dimensionen. Projekte wie das Einstein-Teleskop verbindet regionale Stärke mit globaler Perspektive. So entsteht Wissen, das weit über den Moment hinauswirkt – und ein Wissenschaftsstandort, der Verantwortung für die Zukunft übernimmt. Das Einstein-Teleskop steht exemplarisch für die Stärke Europas, große wissenschaftliche Visionen gemeinsam zu verfolgen. Die Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Sardinien vernetzt exzellente Forschung, technologische Innovationskraft und europäische Solidarität. Wenn wir unsere Kompetenzen bündeln, schaffen wir nicht nur neue Erkenntnisse über das Universum, sondern stärken auch Europas Rolle als weltweit führender Wissenschaftsstandort.«
Staatsminister Sebastian Gemkow: »Das Einstein-Teleskop ist viel mehr als ein Großgerät zum Nutzen der Forschung in der Astrophysik. Neben dem unschätzbaren Wissen, das mit Hilfe der Anlage in Zukunft generiert wird, bringt das ET auch der Technologieentwicklung und damit ganz neuen Anwendungsbereichen in der Wirtschaft einen Schub – und zwar schon während der Aufbauphase. Für diese Art von Forschungsinfrastruktur müssen neuartige Messinstrumente und -methoden entwickelt werden. Gleichzeitig betreten wir Neuland bei der Verarbeitung und Auswertung von Daten: Die schiere Datenmenge erfordert neue Ansätze in IT und Mikroelektronik. Ein Projekt dieser Größenordnung funktioniert nur mit Arbeitsteilung und in enger Partnerschaft. Genau dafür haben wir mit Sardinien jetzt die Grundlage geschaffen.«
Hintergrund Einstein-Teleskop (ET):
Das Einstein-Teleskop ist ein geplantes Gravitationswellen-Teleskop, das künftig Gravitationswellen aus dem Universum in bislang nicht gekanntem Ausmaß messen soll. Die technischen Anforderungen sind außerordentlich hoch und machen einen unterirdischen Standort erforderlich, um seismische und akustische Störungen weitgehend auszuschließen. Von den mit dem Einstein-Teleskop gewonnenen Daten erwarten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue, grundlegende Erkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung des Universums.