Mittelständischer Stahlgipfel betont Bedeutung der Unternehmen für Unabhängigkeit und Stärke der deutschen Wirtschaft
21.11.2025, 13:36 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Treffen in Berlin auf Initiative Sachsens – Forderung nach bezahlbarer Energie und fairen Rahmenbedingungen bekräftigt
Berlin (21. November 2025) - Auf Einladung der Ministerpräsidenten der Freistaaten Sachsen, Bayern und Thüringen sowie des Landes Niedersachsen hat in Berlin am Freitag der 2. Mittelständische Stahlgipfel stattgefunden.
Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter der Branche, der Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände berieten mit Landes- und Bundespolitik über die aktuellen Herausforderungen und die Rahmenbedingungen der mittelständischen Stahlindustrie. Dabei ging es auch um die weitere Untersetzung der auf dem »Stahldialog« der Bundesregierung vor zwei Wochen und auf dem Sächsischen Stahlgipfel Ende Oktober in Freital getroffenen Vereinbarungen. Hervorgehoben wurde die Bedeutung gerade auch der mittelständischen Elektrostahlproduzenten für eine unabhängige und starke deutsche Wirtschaft.
Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, betonte anlässlich des Spitzengesprächs in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin: »Es ist gut, dass die heimische Stahlindustrie gegenwärtig deutschlandweit hohe Aufmerksamkeit bekommt. Die mittelständischen Stahlunternehmen sind für Sachsen und die deutsche Wirtschaft insgesamt enorm wichtig. Denn sie sorgen maßgeblich mit für eine verlässliche Versorgung unserer Industrie mit hochwertigem und vergleichsweise emissionsarmem Stahl und damit auch für unsere Unabhängigkeit und Souveränität.
Die mittelständischen Stahlunternehmen stehen stellvertretend für die industrielle Basis, die unseren Wohlstand mit geschaffen hat. Es ist in unser aller Interesse, diese industrielle Basis zu erhalten und die heimische Produktion zu stärken. Energieintensive Betriebe wie die Elektrostahlunternehmen brauchen für strategische Investitionen in klimaneutralere Fertigung eine langfristige Perspektive. Notwendig sind deshalb faire Rahmenbedingungen wie beispielsweise langfristig wettbewerbsfähige Strompreise.«
Mario Voigt, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, sagte: »Die Stahlindustrie ist ein zentraler Pfeiler unserer Wertschöpfungsketten und unverzichtbar für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. In Thüringen sichert die Stahlindustrie mit dem Stahlwerk in Unterwellenborn Arbeitsplätze und trägt mit modernen Produktionsanlagen wesentlich zur industriellen Leistungsfähigkeit und Exportstärke des Freistaates Thüringen bei. Ohne Stahl gibt es keine Energiewende, keine Brücken und keine industrielle Entwicklung. Die heimische Stahlindustrie ist in Zeiten einer sichtbaren Bedrohung des Friedens strategisch wichtig für die Sicherheit unseres Landes. Gerade jetzt – im Wettbewerb mit Asien und mitten in einem der tiefgreifendsten Modernisierungsprozesse ihrer Geschichte hin zu deutlich emissionsärmeren Produktionsweisen – dürfen wir unsere Stahlindustrie nicht alleinlassen. Wir handeln, um tausende Arbeitsplätze und ein Stück industrielle Identität dauerhaft zu sichern. Bezahlbare Energie, ein verlässlicher Industriestrompreis und wirksamer Schutz vor Dumping-Importen sind dafür unabdingbare Sofortmaßnahmen.«
Gunnar Groebler, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, erklärte: »Der Mittelständische Stahlgipfel hat die Unverzichtbarkeit der Elektrostahlindustrie für die industrielle Zukunft Deutschlands unterstrichen. Sie ist tragende Säule der Kreislaufwirtschaft, Motor regionaler Wertschöpfung und sichert unmittelbar über 30.000 Arbeitsplätze im Land. Wenn diese Säule wankt, gerät die gesamte industrielle Wertschöpfung ins Rutschen. Deshalb braucht es jetzt klare politische Entscheidungen in Berlin und Brüssel: für wettbewerbsfähige Strompreise, für einen fairen Handel und für eine verlässliche Versorgung mit hochwertigem Schrott. Und eine öffentliche Hand, die konsequent CO2-armen Stahl aus Deutschland und der EU einsetzt, kann zugleich dringend benötigte Konjunkturimpulse setzen. Wer die Elektrostahlindustrie stärkt, stärkt die industrielle Basis unseres Landes.«
Uwe Reinecke, General Manager FERALPI STAHL, sagte: »Der Mittelständische Stahlgipfel zeigt: Ohne wettbewerbsfähige Strompreise verliert die energieintensive Industrie den Boden unter den Füßen. Wenn die Elektrostahlwerke als CO2-ärmste Stahlhersteller Europas mit den höchsten Energiepreisen konfrontiert sind, stimmt etwas Grundsätzliches nicht. Diese Schieflage gefährdet Investitionen, Innovationen und tausende qualifizierte Arbeitsplätze. Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung für 2026 die Entlastung bei den Übertragungsnetzentgelten anstößt. Noch besser ist, dass der Bundesrat eine Verstetigung dieser Entlastung fordert. Der von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Industriestrompreis ist gleichzeitig mit der Vertiefung und Verlängerung der bisherigen Strompreiskompensation ein enorm wichtiger Schritt. Aber eine echte Perspektive für den Industriestandort entsteht erst dann, wenn mittelfristig ein Strompreis zwischen 3 und 6 Cent pro Kilowattstunde – inklusive aller Netzentgelte, Umlagen und Abgaben – erreicht wird.«
Die Unternehmen der mittelständischen Stahlindustrie beschäftigen bundesweit rund 32.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und stehen für rund 30 Prozent der inländischen Stahlproduktion. Sie bilden das Rückgrat regionaler Wertschöpfung in elf Bundesländern – darunter Sachsen, Bayern, Thüringen und Niedersachsen.
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl veröffentlichte im Zusammenhang mit dem Spitzentreffen am Freitag ein Positionspapier mit dem Titel »Positionen der mittelständischen Stahlindustrie in Deutschland: Dringend notwendige Rahmenbedingungen zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Elektrostahlproduzenten«.