Ein Tummelplatz für Pflanzen und Insekten

21.04.2023, 09:58 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Gesömmerter Teich. (© LfULG/ Füllner)

Gesömmerter Teich. (© LfULG/ Füllner)

Zeitweises Trockenlegen von Fischteichen untersucht

Das Ablassen von Karpfenteichen und eine gezielte Nutzung der trockengefallenen Flächen hat positive Effekte für den Natur- und Artenschutz und hilft in trockenen Sommern beim Wassersparen. Das sind die Ergebnisse von Untersuchungen, die das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) durchgeführt hat.

Bei der Suche nach wassersparenden Bewirtschaftungskonzepten in der Karpfenteichwirtschaft wurden die Möglichkeiten zur Wiedereinführung der sogenannten »Sömmerung« unter die Lupe genommen. Diese Form der Nutzung war über mehrere hundert Jahre fester Bestandteil der Karpfenteichwirtschaft. Dabei wurden nicht bewirtschaftete Teiche als Anbaufläche für Feldfrüchte oder als Viehweide genutzt. Die Tests ergaben, dass das verringerte Wasserdargebot in Zeiten zunehmend häufiger auftretender wasserarmer Sommer besser eingesetzt werden kann, wenn ein Teil der Teiche trockengelegt wird. Davon profitieren die übrigen Teiche mit ausreichend hohen Wasserständen.

Die Sömmerung von Teichen ist außerdem eine gute Möglichkeit, Teiche ohne den Einsatz von Bioziden zu desinfizieren. Die Austrocknung und ultraviolette Strahlung der Sonne führen zur Inaktivierung von Krankheitserregern, wie zum Beispiel Viren, Bakterien oder Parasiten. Zudem können auf den trockenfallenden Flächen Feldfrüchte oder auch speziell angepasste Blühmischungen für Insekten angebaut werden. Von besonders hohem naturschutzfachlichen Wert sind selbstbegrünende Brachen in Teichen, weil so die Entwicklung der kurzlebigen, konkurrenzschwachen Teichbodenvegetation ermöglicht wird.

Durch die Sömmerung von Karpfenteichen werden Biotope geschaffen, die durch ihren Pioniercharakter und die kleinräumigen Standortunterschiede einer Vielzahl an Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bieten.

So konnten innerhalb von zweieinhalb Vegetationsperioden insgesamt fast 230 Pflanzenarten nachgewiesen werden. Mehr als zehn Prozent der gefundenen Pflanzenarten stehen auf der Roten Liste in Sachsen und sind daher besonders wertgebend. Hervorzuheben sind der nur in Mittel- und Ostdeutschland vorkommende und erst kürzlich wiedergefundene Rions-Wasser-Hahnenfuß (Ranunculus rionii), der lange Zeit in Sachsen als verschollen galt, die vom Aussterben bedrohte Wurzelnde Simse (Scirpus radicans), der vom Aussterben bedrohte Rötliche Wasser-Ehrenpreis (Veronica catenata) und das stark gefährdete Kleinblütige Schaumkraut (Cardamine parviflora).

Auch für eine Vielzahl von Insekten sind gesömmerte Teichflächen ein attraktiver Lebensraum. 29 Wildbienen-, 13 Tagfalter-, 18 Libellen- und acht Heuschreckenarten nutzten die Versuchsflächen.

Die Ergebnisse der mehrjährigen Versuche werden den Teichwirten unmittelbar zugutekommen. Die Sömmerung wurde in das aktuelle Teichförderprogramm integriert, das aus Mitteln der Europäischen Union und des Freistaats Sachsen finanziert wird.

Die Untersuchungen zur Sömmerung von Karpfenteichen wurden 2019 und 2020 auf Versuchsflächen des LfULG im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft durchgeführt. Der Bericht »Sömmerung von Karpfenteichen II« kann in der Publikationsdatenbank des Freistaates Sachsen kostenlos heruntergeladen werden.


Kontakt

Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Pressesprecherin Karin Bernhardt
Telefon: +49 351 2612 9002
Telefax: +49 351 4511 9283 43
E-Mail: karin.bernhardt@smekul.sachsen.de
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