Das Feldhamster-Rad kommt in Schwung

02.10.2026, 10:28 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Feldhamster (Cricetus cricetus) im Projektgebiet (© LfULG/Alexander Erdbeer)

Feldhamster (Cricetus cricetus) im Projektgebiet (© LfULG/Alexander Erdbeer)

Projektpartner ziehen positive Zwischenbilanz

Ein Jahr nach dem Start des EU-Life-Projektes »LIFE4HamsterSaxony« im Oktober 2025 ziehen der Zoo Leipzig, der Landkreis Nordsachsen und das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) eine positive Zwischenbilanz. Messbare Erfolge gibt es sowohl bei der Auswilderung gezüchteter Feldhamster als auch beim Aufbau der Erhaltungszucht. Zudem sind feldhamsterfreundliche Bewirtschaftungsmaßnahmen im Projektgebiet südwestlich von Delitzsch und nördlich des Flughafens Leipzig/Halle erfolgreich angelaufen.

Ein zentrales Ziel des Projektes ist es, den Bestand der sächsischen Feldhamsterpopulation aktiv durch die Freisetzung gezüchteter Tiere zu unterstützen. So wurden in der Pilotphase von 2024 bis 2025 insgesamt 250 Feldhamster auf zwei Flächen im Projektgebiet ausgewildert. In diesem Jahr konnte eine weitere Auswilderungsfläche erschlossen werden, auf der 93 Tiere freigesetzt wurden. Beobachtungen über Wildkameras und direkte Sichtungen belegen, dass sich die ausgewilderten Tiere auf den Flächen vermehrt und ausgebreitet haben. Um diese Entwicklung wissenschaftlich zu untermauern, wird derzeit ein umfassendes Monitoring im Projektgebiet durchgeführt, das belastbare Aussagen über den langfristigen Erfolg der Maßnahmen liefern soll.

Den Zuchtstamm der mitteldeutschen Feldhamsterpopulation baut der Zoo Leipzig auf. Nach der Überführung erster Wildtiere in die Zucht im Jahr 2022 wurden noch im selben Jahr 13 Jungtiere aus drei Würfen erfolgreich nachgezüchtet. Seither hat sich die Zuchtleistung kontinuierlich gesteigert: 2026 konnten 271 Jungtiere aus 39 Würfen registriert werden. Ein Großteil der Tiere wird noch in diesem Jahr zur Überwinterung in eine neue Zuchtstation im Projektgebiet überführt. Damit können die Zuchtkapazitäten in den kommenden Jahren ausgebaut werden.

Neben der Zucht und Auswilderung von Feldhamstern setzt das Projekt darauf, die Lebensraumbedingungen auf Ackerflächen umfassend zu verbessern. Gemeinsam mit Landwirtschaftsbetrieben werden geeignete und neuartige Anbauverfahren und Ackerkulturen erprobt. Im ersten Projektjahr konnten auf 123 Hektar feldhamsterfreundliche Maßnahmen wie der Anbau von Blühmischungen, Leguminosen und Getreide mit Ernteverzicht erprobt werden.

Die neuartigen Anbauverfahren und Ackerkulturen sollen eine nachhaltige Sicherung der Feldhamsterpopulation ermöglichen, indem sie ohne oder mit nur geringen Subventionen auskommen. So sollen die Schutzmaßnahmen für landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich tragfähig bleiben und gleichzeitig einen wirksamen Feldhamsterschutz gewährleisten. Dazu zählt beispielsweise der Einsatz eines speziellen Erntevorsatzes für Mähdrescher. Dabei werden bei der Getreideernte die Körner aus den Ähren gestreift, während die Getreidehalme stehenbleiben. Dieses Verfahren bietet den Feldhamstern Deckung und Schutz. Darüber hinaus sollen die Maßnahmen dazu beitragen, die Auswirkungen von Trockenheit und Klimawandel auf die Art abzumildern. Bis 2031 soll die Fläche der Maßnahmen auf insgesamt 394 Hektar anwachsen.

Hintergrund:

Das EU-LIFE-Projekt »LIFE4HamsterSaxony« startete im Oktober 2025 und ist bis Ende 2031 bewilligt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 12,2 Millionen Euro. Die Europäische Union fördert das Projekt mit 75 Prozent der Gesamtkosten; die verbleibenden 25 Prozent tragen der Freistaat Sachsen, vertreten durch das LfULG, der Zoo Leipzig sowie in einem geringen Maß das Landratsamt Nordsachsen.

Das LfULG ist Leadpartner und damit verantwortlich für die Projektleitung und Projektabwicklung sowie für die Umsetzung der naturschutzfachlichen und landwirtschaftlichen Aufgabenpakete. Der Zoo Leipzig übernimmt die Zucht und Auswilderung von Feldhamstern und das Landratsamt Nordsachsen, als zuständige untere Naturschutzbehörde, die administrativen Aufgaben.

Eine entscheidende Grundlage für den erfolgreichen Förderantrag, der im September 2024 bei der EU eingereicht wurde, bildeten die langjährigen Vorarbeiten des im Jahr 2008 gegründeten Arbeitskreises »Kooperativer Feldhamsterschutz«. Die kontinuierliche Zusammenarbeit der Projektpartner und die gemeinsam entwickelte Strategie haben wesentlich dazu beigetragen, die Voraussetzungen für das EU-LIFE-Projekt zu schaffen.


Weiterführende Links

Kontakt

Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Pressesprecherin Karin Bernhardt
Telefon: +49 351 2612 9002
Telefax: +49 351 4511 9283 43
E-Mail: karin.bernhardt@lfulg.sachsen.de
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