Agri-Photovoltaik belebt die Biodiversität auf dem Acker

10.07.2026, 10:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Senkrecht stehende Solarmodule für mehr Biodiversität auf dem Acker (© LfULG)

Senkrecht stehende Solarmodule für mehr Biodiversität auf dem Acker (© LfULG)

Erste Ergebnisse des Forschungsprojekts »BiodivAgriPV« zeigen positiven Effekt auf Artenvielfalt der Wildbienen

Auf einer ökologisch bewirtschafteten Ackerfläche mit Agri-Photovoltaik-Anlage (Agri-PV) in Sachsen sind im ersten Betriebsjahr deutlich mehr Wildbienenarten festgestellt worden als auf einer vergleichbaren Ackerfläche ohne Solarmodule. Das zeigen erste Ergebnisse des laufenden Forschungsprojekts »BiodivAgriPV«, das vom Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie fachlich begleitet wird.

Die Untersuchung findet im Bio-Partnerbetrieb Gut Krauscha statt. Dort steht die erste Agri-PV-Anlage im Praxismaßstab in Ostdeutschland. Die senkrecht aufgestellten Solarmodule ermöglichen es, die Fläche gleichzeitig zur Stromerzeugung und zur landwirtschaftlichen Produktion zu nutzen. Ziel des Projektes ist es, den Einfluss der Anlage und der damit verbundenen neuen Strukturen unter den Solarmodulen auf die Biodiversität unter Praxisbedingungen zu erfassen.

So konnten im Bereich der Agri-PV-Anlage im Juni und Juli 2025 bei vier Begehungen 27 Wildbienenarten nachgewiesen werden, auf der benachbarten Referenzfläche ohne PV lediglich elf Arten. Darunter befinden sich mehrere in Deutschland gefährdete Arten wie zum Beispiel die Senf-Blauschillersandbiene (Andrena agilissima). Die sogenannten Kuckucksbienen, die auf andere Wildbienenarten als Wirte angewiesen sind, wurden ausschließlich im Bereich der Agri-PV-Anlage festgestellt.

Ein wesentlicher Grund für die höhere Artenvielfalt liegt in den Strukturen, die mit der Agri-PV-Anlage einhergehen. Da die Flächen direkt unter den Solarmodulen nicht bewirtschaftet werden, entstanden ein selbstbegrünter Brachestreifen sowie offene Bodenstellen durch die Pflugfurche, die von bodennistenden Wildbienen als Nistplätze genutzt werden. Die Kombination aus Nahrungsangebot und Nistmöglichkeiten auf engem Raum ist für viele Wildbienenarten entscheidend, da sie nur kurze Flugstrecken zurücklegen können.

Zusätzlich wurde im Bereich der Agri-PV eine verlängerte Blühphase des dort angebauten Leindotters beobachtet. Durch die unterschiedlich starke Verschattung blühte dieser zeitlich versetzt, was den Wildbienen über einen längeren Zeitraum Nahrung bot.

Die Ergebnisse zeigen, dass mit Agri-PV-Anlagen Strukturen angelegt werden, die Biodiversität fördern können. Ob diese Effekte anhalten und wie sie sich entwickeln werden, wird in den kommenden Jahren untersucht.

Die laufenden Untersuchungen beinhalten neben den Wildbienen auch Fledermäuse, Vögel, Laufkäfer sowie Pflanzen und werden bis Ende 2027 fortgesetzt, um die Entwicklung zu begleiten.

In Deutschland kommen etwa 600 Wildbienenarten vor. In der zuletzt veröffentlichten Roten Liste von Deutschland aus dem Jahr 2011 sind 561 Arten hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet worden. Etwa die Hälfte stehen auf der Roten Liste, 39 Arten sind ausgestorben oder verschollen. Das entspricht einem Anteil von sieben Prozent. In Sachsen kommen über 400 Wildbienenarten vor.


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