Der Bachforelle soll es besser gehen
01.07.2026, 15:16 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Grenzüberschreitendes Projekt wird Fischbestände und Gewässerökosysteme im Erzgebirge untersuchen
Gemeinsame Pressemitteilung des Biologischen Zentrums der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, der Südböhmischen Universität České Budějovice, der TU Dresden und der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt
In den kommenden drei Jahren sollen die Fließgewässern auf tschechischer und sächsischer Seite des Erzgebirges umfassend untersucht werden. Ziel eines neuen deutsch-tschechischen Verbundprojekts ist es, den Zustand der Fischbestände und deren Parasiten zu erfassen. Damit sollen die Auswirkungen des Klimawandels besser verstanden und Grundlagen für den langfristigen Schutz naturnaher Gewässerökosysteme geschaffen werden.
Das Vorhaben wird im Rahmen des Programms Interreg Tschechien–Sachsen gefördert. Die Umsetzung erfolgt gemeinsam von Fachleuten des Biologischen Zentrums der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, der Südböhmischen Universität in České Budějovice, der Technischen Universität Dresden sowie der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU).
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Untersuchung von Fischgemeinschaften an insgesamt 80 Standorten in Fließgewässern des Erzgebirges. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler knüpfen dabei an erfolgreiche Forschungsarbeiten an einer Population der Bachforelle im Böhmerwald (Tschechische Republik) an und erweitern diese damit auf die gesamten grenzüberschreitenden Gewässerregionen.
Neben der wissenschaftlichen Forschung legt das Projekt besonderen Wert auf den Austausch zwischen Wissenschaft, Gewässerbewirtschaftung, Naturschutz und Öffentlichkeit. So sind Fachworkshops, Exkursionen und weitere Informationsveranstaltungen geplant. Darüber hinaus sollen gemeinsam mit den für die Gewässerunterhaltung verantwortlichen Akteuren konkrete Maßnahmen zur Verbesserung von Uferstrukturen und Flussbetten entwickelt und umgesetzt werden.
Die Auftaktkonferenz des Projekts findet am 25. August 2026 im Riedelhof (Eubabrunn) im sächsischen Vogtland statt. Im Rahmen der Veranstaltung wird auch das Erlebnismuseum Perlmutter ( Flussperlmuschel ) in Adorf und die Aufzuchtstation für Flussperlmuscheln der LaNU in Raun besichtigt.
»Das Erzgebirge hat in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifende Veränderungen erfahren. Historische industrielle Belastungen, umgesetzte Renaturierungsmaßnahmen und die Folgen des Klimawandels prägen die bestehenden Gewässer bis heute. Wir wollen untersuchen, in welchem Zustand sich die Fischgemeinschaften aktuell befinden und welche Faktoren ihre zukünftige Entwicklung beeinflussen«, erklärt der Projektleiter Petr Blabolil vom Biologischen Zentrum der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik und der Südböhmischen Universität.
Hintergrund
Im Rahmen der Feldarbeiten werden die Fischbestände mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden erfasst. Jedes gefangene Individuum soll bestimmt, vermessen und gewogen werden. Dann erfolgt das Zurücksetzen in das Gewässer. Eine Stichprobe von Bachforellen wird parasitologisch untersucht.
»Die Kombination aus klassischem Monitoring, genetischen Methoden, Parasitologie und Umwelt-DNA ermöglicht uns, einen bislang einzigartigen und umfassenden Blick auf die Funktionsweise montaner Gewässerökosysteme im Erzgebirge zu erlangen. Auf Grundlage der erhobenen Daten werden wir zudem Populationen identifizieren, welche durch den Klimawandel und Parasiten besonders bedroht sind.«, ergänzt Petr Blabolil.
Kontakt
Christoph Köbsch (TU Dresden)