Italienischer Bahnmarkt bietet Potenzial für sächsische Unternehmen
10.05.2026, 10:43 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Sächsische Unternehmen aus der Bahntechnik und Zulieferbranche loteten in der vergangenen Woche ihre Chancen im italienischen Bahnsektor aus. Bei Gesprächen u.a. in Rom, Neapel, Florenz und Mailand bekamen sie einen Einblick in den italienischen Markt, konnten Kontakte mit Vertretern der Branche knüpfen und sich interessierten Unternehmen als Zulieferer von Fahrzeugkomponenten insbesondere für Antriebe, Interieur oder Informationstechnik präsentieren. Die Geschäftsanbahnungsreise für die 14 Teilnehmer hatte die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS) gemeinsam mit dem Bahntechnikcluster Rail.S, mit Unterstützung der AHK in Mailand und im Auftrag des SMWA organisiert.
»Angesichts umfangreicher aktueller und neu geplanter Investitionen ist der Bahnsektor in Italien für sächsische Unternehmen sehr attraktiv. Es besteht ein großer Bedarf an Komponenten und Technologien zur Modernisierung des Schienennetzes und der Fahrzeuge, was sächsischen Zulieferern gute Geschäftschancen bietet. Zudem zeigt sich der italienische Markt offen für grenzübergreifende Kooperationen, was den Markteintritt für sächsische Firmen erleichtert. Darüber hinaus bieten sich auch Chancen durch den geplanten Einstieg italienischer Bahnbetreiber in den deutschen Fernverkehrsmarkt. Hier gibt es bspw. im Wartungsbereich großes Interesse an deutschen Zulieferern. Abschließend lässt sich sagen, dass die Reise den Teilnehmern interessante Perspektiven für neue Geschäftskontakte und den Einstieg in den italienischen Bahnmarkt eröffnet hat«, erklärt WFS-Geschäftsführer Thomas Horn.
Aus Unternehmenssicht ergänzt Günter Sengeis, Head of Sales bei der SBF Spezialleuchten GmbH aus Leipzig: »Das italienische Schienennetz umfasst ca. 17.000 km und davon knapp 1.100 km für über 250 km/h. In den nächsten Jahren steht eine große Infrastruktur-Investitionsoffensive für Schienen und Bahnhöfe an. Dass ermöglicht auch deutschen Unternehmen hier mitpartizipieren zu können. Mit Hitachi und ALSTOM sind auch zwei wichtige OEM`s in Italien mit einer eigenen Fahrzeugproduktion vertreten, welche den Heimatmarkt aber auch Exportmärkte bedienen. Neue Kunden und Märkte sind vertrieblich immer eine Herausforderung. Die WFS bietet ein umfangreiches Programm an, um diese Aufgaben professionell zu unterstützen, die angebotenen branchenspezifischen Marktreisen sind hochqualitativ vorbereitet und bieten für jeden Teilnehmer einen einfachen Zugang zu Industrie, Forschung und Regierungsorganisationen in einer Art, die man sonst selbst so kaum organisiert bekommt.«
»Die geplanten Investitionen von rund 100 Mrd. Euro in das italienische Bahn-, Hochgeschwindigkeits- und ÖPNV-Netz eröffnen unseren 115 Mitgliedsunternehmen große Chancen – sowohl im Fahrzeug- als auch im Infrastrukturgeschäft. Rail.S wird die Unternehmen aktiv dabei unterstützen, ihre Kompetenzen im wachsenden italienischen Markt einzubringen. Dabei bauen wir auf die seit mehr als zehn Jahren gelebte Partnerschaft mit dem italienischen Bahntechniknetzwerk DITECFER auf. Gemeinsam gehören wir zu den Gründungsmitgliedern der European Railway Clusters Initiative (ERCI), dem heutigen Metacluster der europäischen Bahnindustrie mit 17 Bahntechnikclustern aus 18 Ländern. Ziel ist es, insbesondere mittelständische Unternehmen bei ihrer Internationalisierung zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund war das gemeinsame Networking-Event in der DITECFER-Geschäftsstelle in Pistoia neben den Firmenbesuchen ein besonderes Highlight der Reise – da es nicht nur vom Kennenlernen, sondern auch vom Wiedersehen langjähriger Partner geprägt war«, sagt Christin Lorenz-Knoll, stellvertretende Geschäftsstellenleiterin des Rail.S e. V.
Schwerpunkte der Geschäftsanbahnungsreise
Zu den Highlights der Geschäftsanbahnungsreise zählten exklusive Fachgespräche und Pitch Sessions bei der italienischen Staatsbahn - Ferrovie dello Stato Italiane, ALSTOM Services Italia, Hitachi Rail Italy sowie dem Innovationscluster DITECFER. Betriebsbesichtigungen, etwa im nationalen Leitstand von RFI, bei ALSTOM und in der Wartungswerkstatt von Trenitalia, ermöglichten praxisnahe Einblicke in aktuelle Technologien und Investitionsprojekte. Zahlreiche Networking-Events, darunter ein Empfang in der Deutschen Botschaft und ein Austausch mit regionalen Wirtschaftsverbänden, förderten den direkten Dialog mit Entscheidungsträgern und potenziellen Partnern.
SACHSEN!-Gemeinschaftsstand auf der Innotrans 2026
Vertieft werden die Kontakte zwischen sächsischen und italienischen Unternehmen auf der Weltleitmesse Innotrans, die vom 22. bis 25. September in Berlin stattfinden wird. Dort organisiert die WFS im Auftrag des SMWA einen SACHSEN!-Gemeinschaftsstand (Sachsenhalle Stand 7.2b), der die Innovationskraft und Leistungsvielfalt der sächsischen Bahnbranche zeigt. Auch die Mitglieder von Rail.S werden sich an einem Gemeinschaftsstand präsentieren.
Bahnbranche in Italien
Die italienische Eisenbahnbranche erlebt derzeit eine Phase dynamischen Wachstums, getragen von umfangreichen öffentlichen und privaten Investitionen. Der strategische Plan 2025–2029 der italienischen Staatsbahn sieht Investitionen in Höhe von 100 Mrd. Euro vor, um den Ausbau der Hochgeschwindigkeitsstrecken, die Modernisierung und Digitalisierung der Infrastruktur sowie die Entwicklung internationaler Verbindungen voranzutreiben. Dazu zählen unter anderem Direktverbindungen von München nach Mailand und von München nach Rom. Relevante Unternehmen auf dem Markt sind u.a. Hitachi, das in Italien verschiedene Modelle für den Fern-, Regional- und Nahverkehr produziert und der Alstom-Konzern, der in seinen italienischen Niederlassungen an Wasserstoffzügen forscht und damit das Potenzial des Landes als Entwicklungsstandort unterstreicht.
Bahnbranche in Sachsen
Sachsen steht seit mehr als 175 Jahren für Innovationen im Bahnwesen. Seitdem hat sich Sachsen zu einem führenden Bahntechnik-Standort mit gut 250 Unternehmen und ca. 15.400 Beschäftigten entwickelt. Als eines der Top-3-Zentren der Bahnbranche in Deutschland ist Sachsen mit langjähriger und vielfältiger Expertise in der Herstellung, Zulieferung, Ausrüstung sowie bei Ingenieur- und Servicedienstleistungen ein attraktiver Partner.