Gemeinsam für faire Wettbewerbsbedingungen: Wirtschaftsstaatssekretär Scheel trifft sich mit Sachsens Gießerei-Industrie

29.04.2026, 15:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Branchengespräch in Pirnaer Gießerei SCHMEES | Sebastian Scheel: »Dreh- und Angelpunkt sind international wettbewerbsfähige Standortbedingungen!«

Sachsens Gießerei-Industrie ist überwiegend mittelständisch geprägt und verbindet traditionelles Handwerk mit moderner Hightech-Produktion. Mit 22 Betrieben, rund 6.300 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von etwa einer Milliarde Euro ist sie ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Freistaat.
Aktuell steht die Branche jedoch unter erheblichem Druck: Hohe Energiekosten, wachsende Importkonkurrenz, protektionistische Maßnahmen in den USA, zunehmende Regulierung und ambitionierte Transformationsziele belasten die Unternehmen und gefährden teils ihre Existenz.
Bei einem Branchengespräch in der Edelstahlgießerei SCHMEES cast Pirna GmbH haben heute rund 20 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen und Verbänden die Situation erörtert und ihre Positionen in einem gemeinsamen Papier festgehalten.

Wirtschaftsstaatssekretär Sebastian Scheel sagte bei SCHMEES cast in Pirna-Copitz: »Sachsen ist der stärkste Gießereistandort in Ostdeutschland – und das soll so bleiben. Die Branche ist Teil unserer industriellen Identität und unverzichtbar für die Wertschöpfung vieler Schlüsselindustrien in Europa. Wer wirtschaftliche Abhängigkeiten verringern will, muss die Grundstoff- und Basisindustrien stärken. Dreh- und Angelpunkt sind international wettbewerbsfähige Standortbedingungen: verlässlicher Zugang zu günstiger Energie, einer marktbasierten Transformation, die Investitionen ermöglicht, und deutlich mehr Praxisnähe bei Umweltauflagen und Bürokratie.«

Das Gespräch mit der Branche hat deutlich gemacht: Die Lage energieintensiver Industrien wie der Gießereien ist ernst. Die Unternehmen stehen vor mehreren strukturellen Herausforderungen zugleich und sind auf langfristig stabile sowie international wettbewerbsfähige Standortbedingungen angewiesen. Vor diesem Hintergrund bekräftigt das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA) gemeinsam mit der Industrie, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie e. V. (BDG), in einem Positionspapier die Notwendigkeit schneller und wirksamer industriepolitischer Maßnahmen.

Im Zentrum des Positionspapiers stehen dabei fünf Kernforderungen:

• Sicherung international wettbewerbsfähiger Energiekosten durch einen bürokratiearmen und wirksamen Industriestrompreis und eine Strompreiskompensation für die gesamte Branche;
• effektiver »Carbon Leakage«-Schutz, der die Produktionsverlagerung in Länder mit geringeren Standards verhindern soll;
• 1:1-Umsetzung europäischer Vorgaben ohne zusätzliche nationale Verschärfungen;
• Stärkung der industriellen Resilienz, bspw. durch praxistaugliche Förderprogramme für Transformationsvorhaben;
• die Sicherstellung eines fairen Welthandels durch die Erweiterung der Stahl-Safeguards.

Sachsen hatte im März 2026 erfolgreich einen Antrag im Bundesrat zum CO2-Grenzausgleichssystem (Carbon Border Adjusment Mechanism, CBAM) eingebracht. Mit dem Antrag machte Sachsen klar, dass CBAM ein wichtiger Schritt ist, um Carbon Leakage zu reduzieren, doch der aktuelle Vorschlag der Europäischen Kommission greift zu kurz. Das gilt insbesondere für energieintensive und im internationalen Wettbewerb stehende Gießereien und Schmieden.

Der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie e. V. (BDG) vertritt die Interessen der deutschen Gießerei-Industrie, die mit ca. 600 Unternehmen und ca. 65.000 Beschäftigten bundesweit eine wichtige Zulieferbranche für den Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbau und zunehmend den Verteidigungssektor ist. Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Theuringer betonte zum Branchengespräch in Pirna: »Die Gießerei-Industrie steht aktuell vor enormen Herausforderungen. Entscheidend ist jetzt, dass unsere Mitgliedsunternehmen in der Breite von Entlastungsinstrumenten wie einem wettbewerbsfähigen Industriestrompreis profitieren können. Gleichzeitig müssen zusätzliche Belastungen vermieden werden – etwa durch eine praxisferne Umsetzung der IED-Richtlinie in nationales Recht. Umso wichtiger ist es, dass wir mit dem sächsischen Wirtschaftsministerium einen starken Partner an unserer Seite haben. Deutschland und Sachsen brauchen eine leistungsfähige Gießerei-Industrie, um industriell wettbewerbsfähig zu bleiben.«

Das 1961 in Langenfeld (Nordrhein-Westfalen) gegründete Unternehmen SCHMEES produziert an den Standorten Pirna (seit 1993 Hauptgeschäftssitz) und Langenfeld Präzisionsgussteile aus Edelstahl. Die nationalen und internationalen Kunden kommen aus der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie, dem Energiemaschinenbau, dem Pumpen- und Armaturenbau sowie aus dem Kunstbereich. Geschäftsführer Clemens Schmees sagte heute: »Die Gießerei-Industrie hat in Sachsen eine Jahrhunderte alte Tradition mit hochspezialisierten Facharbeitern. Wir fertigen am Standort Pirna unter anderem anspruchsvolle Gussteile für die Erzeugung von grünem Wasserstoff. Die Bedingungen dafür sind allerdings sehr nachteilig. Die Gründe dafür sind heute die hohen Energiepreise und die uferlos ausartenden bürokratischen Auflagen. Beides geht extrem zulasten der europäischen und internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Von dem Dialog mit den Vertretern der Wirtschaftspolitik erhoffen wir uns klare Signale zur raschen Verbesserung der Rahmenbedingungen.«

Neben dem Gastgeber SCHMEES cast Pirna GmbH, dem BDG, dem SMWA, der Sächsischen Staatskanzlei und der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH haben sich heute folgende Unternehmen am Branchengespräch der Gießerei-Industrie beteiligt: Metallgießerei Chemnitz GmbH, Schmiedeberger Gießerei GmbH, GL Gießerei Lößnitz GmbH, Gießerei Wurzen GmbH, Eisengießerei Erla GmbH, SM Sächsisches Metallwerk Freiberg GmbH, Schönheider Guss GmbH, Handtmann Leichtmetallgießerei Annaberg GmbH und ACTech GmbH (Freiberg).

Positionspapier »Sicherung der sächsischen Gießerei-Industrie« befindet sich im Anhang.


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz

Pressesprecher Jens Jungmann
Telefon: +49 351 564 80600
Telefax: +49 351 564 80680
E-Mail: presse@smwa.sachsen.de
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