Klinische Patienten-Studien zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen

23.04.2020, 15:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Klinische Patienten-Studien zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen Universitätsklinikum Leipzig untersucht Immunität von Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen und will Therapie mit Beatmungsgeräten verbessern – weitere Studie in Kooperation mit Leipziger Klinikum St. Georg

Die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig und das Universitätsklinikum Leipzig beginnen zwei klinische Studien mit denen untersucht werden soll, wie der Prozess der Immunisierung gegen das Corona-Virus bei älteren Menschen verläuft und wie die Therapie von schwer erkrankten Menschen mit Hilfe von Beatmungsgeräten verbessert werden kann. Gemeinsam mit dem Klinikum St. Georg Leipzig soll zudem in einer dritten Studie die Wirkung von bestimmten blutdrucksenkenden Medikamenten auf den Verlauf der Covid-19-Erkrankung untersucht werden.

Das Wissenschaftsministerium hat dafür kurzfristig jeweils 100.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Die Studien im Einzelnen:
1. Bewohner von Alten- und Pflegeheimen gehören zur Risikogruppe, bei denen ein schwerer Verlauf einer Covid-19-Erkrankung wahrscheinlicher ist als bei jüngeren Patienten. In der klinischen Studie wird untersucht, wie sich der Anteil der älteren Menschen entwickelt, die Antikörper gegen eine SARS-CoV-2-Infektion gebildet haben bzw. das Virus in sich tragen, aber nicht erkranken. In beiden Fällen gelten die Patienten zumindest für eine bestimmte Zeit als immun. Auf Grundlage der systematisch gesammelten Daten lassen sich Rückschlüsse ableiten, in welchem Ausmaß und über welche Zeiträume betroffene Risikopatienten tatsächlich gefährdet sind.

2. Eine SARS-CoV-2-Infektion schädigt die Lunge massiv. Aus diesem Grund müssen schwer erkrankte COVID Patienten maschinell beatmet werden. Entscheidend für eine erfolgreiche Beatmungstherapie ist der Druck, mit dem die Lunge beim Atmen unterstützt wird. Ist er zu niedrig, gelangt nicht genug Sauerstoff ins Blut des Patienten, ist er zu hoch kann die Lunge selbst zusätzlichen Schaden nehmen. Jeder Patient braucht dabei seine ganz individuelle Einstellung, je nach Schwere der Erkrankung und jeweiligen Dehnbarkeit der Lunge. Ziel ist der Studie ist ein Verfahren zu finden mit dem der optimale Beatmungsdruck pro Patient bestimmt werden kann (sog. best positive endexpiratory pressure, kurz bestPEEP) Das kann die klinische Versorgung von Patienten mit Lungenversagen verbessern.

3. Bestimmte Medikamente die zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden, könnten auch eine positive Wirkung bei Covid 19-Patienten haben. Diese Wechselwirkung wollen das Klinikum St. Georg und das Universitätsklinikum Leipzig gemeinsam in der weltweit ersten kontrollierten klinischen Studie zu dem Thema erforschen. Mit grundlagenwissenschaftlichen Aspekten beteiligt sind zudem auch das Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) Leipzig, ein führendes Proteomlabor in Hannover (Mosaiques Diagnostics) und wegen der nötigen telemedizinischen Betreuung in Quarantäne das ICCAS der Uni Leipzig . Ziel ist, bessere Aussagen treffen zu können ob sich daraus möglichweise weitere Therapieansätze für Menschen ergeben, die sich mit dem Corona-Erreger infiziert haben und anschließend erkrankt sind. Bis zu 20% der deutschen erwachsenen Bevölkerung (ca. 16 Millionen) nehmen zur Behandlung einer Bluthochdruckerkrankung derartige Medikamente aus der Klasse der ACE-Inhibitoren bzw. Angiotensin-Rezeptor-Blocker ein.

Prof. Beige, Chefarzt der Abteilung für Nephrologie:
»Ich freue mich sehr, dass dieses ambitionierte gemeinsame Projekt richtig Fahrt aufnimmt und wir hier die weltweit erste randomisierte Umstellungsstudie zur wichtigen Frage der ACE-Hemmer bei Covid-19 anschieben konnten. Mittels einer »Studien-App« (ICCAS UKL) werden persönliche Vorstellungen im Prüfzentrum nur ein einziges Mal fünf Tage nach Covid-19 Ausheilung nötig und die Studie kann auch unter Quarantäne-Bedingungen prinzipiell alle, auch örtlich entfernte Patienten über das Leipziger Studienzentrum einbeziehen, was die Abläufe erheblich vereinbart.«

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow sagte:
»Mit den Studien leisten die Forscher am Leipziger Uniklinikum und am Klinikum St. Georg Leipzig einen wichtigen Beitrag, um diese neue Infektionskrankheit besser zu verstehen und die Möglichkeiten der Behandlung zu erweitern. Davon können künftig weltweit Menschen profitieren, auch wenn eines Tages ein Impfstoff gegen das neuartige Corona-Virus SARS-CoV-2 gefunden ist. Nicht alle können geimpft werden, aber die Behandlungsmöglichkeiten im Falle einer Erkrankung werden verbessert.«


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus

Pressesprecher Falk Lange
Telefon: +49 351 564 60200
E-Mail: falk.lange@smwk.sachsen.de
zurück zum Seitenanfang