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Medieninformation: 7000 Jahre alte Sensationen aus Steinzeitbrunnen

13.11.2019, 11:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Brunnenkasten (© Landesamt für Archäologie Sachsen, Frank Schell)

Blick in den Brunnenkasten während der Ausgrabung.

Blick in den Brunnenkasten während der Ausgrabung.
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Gefäß (© Landesamt für Archäologie, Ilona Gläser)

7000 Jahre altes linenbandkeramisches Gefäß, das mit auf Birkenpech aufgeklebten, filigranen Birkenrindenbändern verziert ist.

7000 Jahre altes linenbandkeramisches Gefäß, das mit auf Birkenpech aufgeklebten, filigranen Birkenrindenbändern verziert ist.

Abschließender Pressetermin

Im September 2014 wurden im MIBRAG-Tagebau Vereinigtes Schleenhain zwei ca. 7000 Jahre alte, jungsteinzeitliche Brunnen im Block geborgen und in eine Werkhalle nach Großstolpen bei Groitzsch gebracht, wo sie unter Laborbedingungen vom Landesamt für Archäologie Sachsen untersucht werden konnten.

Während man sich im Jahr 2015 auf den kleineren der beiden Brunnen konzentrierte, erforschte man im Anschluss den fast 32 Tonnen schweren großen Brunnenkasten. Mittlerweile sind die Arbeiten nahezu abgeschlossen und das Team von Grabungsleiter Frank Schell nähert sich der Brunnensohle. »Eine dendrochronologische Untersuchung des ausgesprochen gut erhaltenen Brunnenkastens aus massiven Eichenbohlen ergab, dass die Hölzer im Jahr 5134 vor Christus geschlagen und im Anschluss auch zügig verbaut worden sind«, erklärt Harald Stäuble, Referatsleiter Braunkohle des Landesam-tes für Archäologie Sachsen.

In der Verfüllung des Brunnens fanden sich neben einer großen Anzahl von relativ klein-teiligen Funden insgesamt zwölf vollständige, zum Teil zerbrochene linienbandkeramische Keramikgefäße unterschiedlicher Form und Größe. Eine Sensation sind zwei Gefäße, die mit auf Birkenpech aufgeklebten, filigranen Birkenrindenbändern verziert wor-den sind. Sie sind eindrucksvolles und ausgesprochen seltenes Zeugnis der Kunstfertigkeit der ersten Bauern Sachsens. »Die Objekte sind ein einzigartiges Zeugnis des Gestaltungswillens dieser frühen Kultur. In diesem exzellenten Erhaltungszustand finden sich so bisher ausschließlich in Sachsen«, so die Landesarchäologin Regina Smolnik.
Ein Großteil der Gefäße wurde en bloc geborgen und direkt in den Restaurierungswerk-stätten des Landesamtes für Archäologie Sachsen konserviert. Besonders die Objekte mit den organischen Auflagen sind so empfindlich, dass eine unmittelbare Bearbeitung notwendig war.

Eine Überraschung bot sich den Archäologen mit Erreichen der Brunnensohle: Dort stieß man auf vier Schöpfgefäße aus Rindenbast, die den Menschen vor 7000 Jahren beim Wasserholen anscheinend entglitten waren. Die gut erhaltenen Funde zeigen un-terschiedliche Herstellungsmethoden und sind ein seltener Glücksfall für die Archäologie, denn sie erhalten sich nur unter optimalen, in diesem Fall permanent feuchten, Erhaltungsbedingungen.

Die Bergung und Untersuchung der Brunnen in Großstolpen war nur mit der großzügigen Unterstützung der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH möglich. Die MIBRAG finanziert die archäologischen Untersuchungen im Vorfeld des Braunkohletagebaus und fördert mit der eigens ins Leben gerufenen Stiftung Pro Archaeologia Saxoniae archäologische Projekte. »Der Bergbau in der Region fördert nicht nur Braunkohle, sondern öffnet durch die archäologischen Untersuchungen im Vorfeld auch vorübergehend ein Zeitfenster der Menschheitsgeschichte«, so Sylke Saupe, Leiterin Liegenschaften/Umsiedlung von MIBRAG.

Am heutigen Tag präsentiert das Landesamt für Archäologie Sachsen die herausragenden und bereits restaurierten Funde direkt vor Ort in der Halle in Großstolpen der Presse. Vor einer musealen Präsentation für die Öffentlichkeit, erfolgen noch weitere Kon-servierungsmaßnahmen und eine ausführliche wissenschaftliche Bearbeitung.


Kontakt

Landesamt für Archäologie

Pressesprecher Dr. Christoph Heiermann

Telefon: +49 351 8926 603

Telefax: +49 351 8926 604

E-Mail: info@lfa.sachsen.de

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