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Marcel Beyer erhält Lessing-Preis des Freistaates Sachsen 2019

28.09.2018, 10:47 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Förderpreise gehen an Anja Kampmann und Bettina Wilpert

Der Lyriker, Erzähler und Romancier, Hörspiel-Autor und Opern-Librettist, Essayist und Herausgeber Marcel Beyer erhält den mit 13.000 Euro dotierten Lessing-Preis des Freistaates Sachsen 2019. Die beiden mit je 5.500 Euro dotierten Förderpreise gehen an Anja Kampmann und Bettina Wilpert.

Mit dem Lessing-Preis zeichnet der Freistaat Sachsen Persönlichkeiten aus, deren Werk in der von Lessing geprägten geistigen Tradition steht und die für die deutschsprachige Literatur oder das deutschsprachige Theater Herausragendes geleistet haben. Die Preisträger wählte ein Kuratorium von Fachleuten unter Vorsitz von Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange aus. Die Preise werden am 19. Januar 2019 in Kamenz im Rahmen der 52. Lessingtage an die drei Preisträger feierlich übergeben.

Marcel Beyer, 1965 in Tailfingen (Baden-Württemberg) geboren und seit 1996 in Dresden lebend, ist ein produktiver Schriftsteller, der sich in den verschiedensten Genres so erfolgreich profiliert hat, dass ihm 2016 als höchste literarische Auszeichnung der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde. Sein wohl erfolgreichster, in Dresden spielender Roman „Kaltenburg“ (2008) wurde zu Recht dafür gerühmt, dass sich Beyer in einer Prosa feinster Andeutungen als meisterhafter Beobachter menschlicher Lebensläufe erweist, in denen deutsche Geschichte sichtbar wird. Dieses literarische Prestige hinderte Beyer nicht, in jüngster Zeit Karl Jaspers‘ Frage vom November 1931 nach der geistigen Situation der Zeit aufzunehmen und angesichts aktueller Gefährdungen so prinzipiell wie leidenschaftlich zu fragen: „An welcher letzten Grenze kommt das Menschliche abhanden?“ Wenn Goethe in seinen letzten Lebensjahren forderte: „Ein Mann wie Lessing täte uns not“, so vermag kaum ein Schriftsteller unserer Zeit dieser Mahnung so zu entsprechen wie Marcel Beyer, so in der Begründung der Jury.

Neben dem Hauptpreis werden auch zwei Förderpreise zum Lessing-Preis verliehen, mit denen vielversprechende Anfänge auf diesen Gebieten öffentlich anerkannt werden sollen.

In dichter poetischer Sprache erzählt die Lyrikerin Anja Kampmann, geb. 1983, in ihrem ersten Roman „Wie hoch die Wasser steigen“ von einer bodenlosen Arbeitswelt, dem dadurch aufgezwungenen Nomadentum und dem Verlust selbst des Gefühls für Heimat. In starken Bildern beschreibt sie die Suche nach dem eigenen Leben, das nicht nur gefunden, sondern vollkommen neu definiert werden muss.

Bettina Wilpert, geb. 1989, ist in Altötting aufgewachsen und lebt in Leipzig. 2018 erschien ihr Debütroman „Nichts, was uns passiert“. Der Roman arbeitet heraus, wie unterschiedlich eine Vergewaltigung wahrge¬nommen und bewertet werden kann. Durch die #MeToo-Debatte zusätzlich aktuell geworden, führt Wilperts Roman beklemmend und faszinierend zugleich vor, was Literatur leisten kann: wie sie klarer sehen lässt, wenn sie den Bruch vom normalen ins zerstörte Leben von allen Seiten beleuchtet.

Der Lessing-Preis des Freistaates Sachsen wird seit 1993 alle zwei Jahre, in der Regel am 21. Januar, dem Vorabend des Gerburstages Gotthold Ephraim Lessings, in Kamenz verliehen.

Bisherige Lessing-Preisträger:

  • 2017 Kurt Drawert; Förderpreise: Thomas Freyer und Anna Kaleri
  • 2015 Carolin Emcke; Förderpreise: Julius Fischer und Wolfram Höll
  • 2013 Volker Lösch; Förderpreise: Franziska Gerstenberg und Judith Schalansky
  • 2011 Monika Maron; Förderpreise: Renatus Deckert und Andreas Heidtmann
  • 2009 Kito Lorenc; Förderpreise: Ulrike Almut Sandig und Dirk Laucke
  • 2007 Ruth Klüger; Förderpreise: Volker Sielaff und Clemens Meyer
  • 2005 Armin Petras; Förderpreise: Martina Hefter und Jörg Bernig
  • 2003 Hans Joachim Schädlich; Förderpreise: Anke Stelling zusammen mit Robby Dannenberg und Christian Lehnert
  • 2001 Adolf Dresen; Förderpreise: Barbara Köhler und Oliver Bukowski
  • 1999 Eduard Goldstücker; Förderpreise: Marion Titze und Marcel Beyer
  • 1997 Wolfgang Hilbig; Förderpreise: Kerstin Hensel und Ulrich Zieger
  • 1995 Rolf Hoppe; Förderpreis: Angela Krauß
  • 1993 Hans Sahl; Förderpreis: Lutz Graf

Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Pressesprecher Falk Lange

Telefon: +49 351 564 60200

E-Mail: falk.lange@smwk.sachsen.de

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