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15.09.2017, 10:23 Uhr

Standortbestimmung im sächsischen Wald

Spezialisten für Bodenkunde und Waldökologie aus dem gesamten Bundesgebiet tagen in dieser Woche im Erzgebirge

Sie blicken in und auf den Waldboden – die ca. 70 Experten der Arbeitsgemeinschaft Forstliche Standorts- und Vegetationskunde (AFSV) widmen sich vom 13. bis 16. September 2017 im Rahmen ihrer Jahrestagung in den Forstbezirken Marienberg und Eibenstock dem sächsischen Wald im Erzgebirge. Im Kern geht es um das größte Naturschutzprojekt in Sachsen: den Waldumbau – sprich die Umgestaltung monotoner Fichtenforste zu vielfältig strukturierten Berg-Mischwäldern.

Die gesunden Waldbilder, welche im Erzgebirge durch das Tagungsteam angetroffen werden, sind keineswegs selbstverständlich. Noch vor drei Jahrzehnten war das „Waldsterben“ infolge der hohen Immissionsbelastungen in aller Munde. „Die Dynamik der sächsischen Wälder im Erzgebirge ist bemerkenswert“, zeigt sich Dr. Eberhard Aldinger, Vorsitzender der AFSV, beeindruckt. „Die Tatsache, dass die Bäume hier noch vor 30 Jahren großflächig abstarben, ist heute kaum mehr vorstellbar.“

Durch nationale und internationale Anstrengungen zur Luftreinhaltung nach der politischen Wende versiegte der saure Regen, welcher den Fichten im Erzgebirge zugesetzt hatte. Zusammen mit den Wiederaufforstungen und der Waldpflege durch die Forstleute erholte sich der sächsische Wald erfreulich schnell. Dennoch: Waldböden haben ein langes Gedächtnis. Und so können die Tagungsteilnehmer noch heute tiefreichend versauerte Waldböden vorfinden. Aber nicht nur das. Auch die Erfolge der Gegenmaßnahme – der Bodenschutzkalkung – sind im Boden sichtbar und werden von den Fachleuten begutachtet.

Ende gut, alles gut? Ganz so einfach ist es leider nicht. Um ein zweites „Waldsterben“ zu verhindern, welches durch den fortschreitenden Klimawandel droht, werden die Staatswälder im Erzgebirge durch Sachsenforst in natürliche Berg-Mischwälder umgebaut. „Die Vielfalt von Baumarten und Waldstrukturen erhöht die Widerstandskraft der Wälder“, erläutert Dr. Dirk-Roger Eisenhauer, Leiter des Kompetenzzentrums Wald und Forstwirtschaft bei Sachsenforst und Gastgeber der diesjährigen AFSV-Tagung. Er wird den Tagungsteilnehmern insbesondere die großen Erfolge bei der Wiedereinbringung der Weißtanne im Erzgebirge demonstrieren und mit ihnen die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten diskutieren. „Das ökologische Verhalten insbesondere der Weißtanne ist ein Schlüssel für die zukünftige Waldgestaltung“, bekräftigt Eisenhauer.

Den Abschluss der Tagung bildet eine besondere und sensible Landschaft des Erzgebirges: die Hochmoore. Für den Schutz der verbleibenden und für die Renaturierung trockengelegter Moore wurde ein länderübergreifendes Naturschutzprojekt von Sachsenforst umgesetzt. Zusammen mit tschechischen Kollegen können die Tagungsgäste auf der böhmischen Seite des Erzgebirges die erfolgreiche Wiedervernässung durch die errichteten Staubauwerke beurteilen. Die hier entstehenden komplexen Ökosysteme stellen für die Vegetationskundler ein bedeutendes Naturschauspiel dar.

Die diesjährige Tagung der AFSV widmet sich den Schwerpunkten der forstpolitischen Anstrengungen in Sachsen. Der Wissenstransfer zwischen allen Beteiligten wird die Kenntnisse über die Entwicklung der Wälder nachhaltig bereichern – so wie zuletzt 1997 im Elbsandsteingebirge, bei der letzten AFSV-Tagung in Sachsen.

Nähere Informationen zur AFSV-Tagung sowie zu Fragen der Waldbewirtschaftung in Sachsen finden Sie auf www.afsv.de und www.sachsenforst.de.

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