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31.08.2016, 17:56 Uhr

Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange: Wir brauchen keine neue Zentralstruktur in der Kulturförderung

Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange hat heute in der Debatte im Sächsischen Landtag zum Antrag der AfD „Von Sachsen – für Sachsen – in Sachsen – Konzept für ein sachsenweites Konzertprojekt im ländlichen Raum erstellen“ betont, dass in der Kulturförderung die Zeiten vorbei sind, „in denen kampagnenartige Vorgaben von oben gemacht werden, die an der Basis abzuarbeiten sind, koste es, was es wolle.“

Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange: „Unsere Förderstruktur kommt ohne Zentralstruktur aus. Sie ist zugleich stetig und flexibel, sie passt sich örtlichen Bedürfnissen an und vermeidet das unfruchtbare Gießkannenprinzip. Sie kann im Dialog mit den Beteiligten auf neue Bedingungen eingehen und der künstlerischen Individualität gerecht werden. Sie vernetzt und ermutigt, spornt Veranstalter und Musikschaffende zu höchster Qualität an und gewinnt das richtige Publikum für die Angebote und umgekehrt. Nur so bleibt das Musikleben offen für Neues.“ Ein zusätzliches sachsenweites Konzertprojekt wie von der AfD gefordert würde demgegenüber nichts Neues bieten. Seine zentrale Administration böte nicht nur die Gefahr von Leerlauf und Fehlanreizen, sondern brächte großen zusätzlichen Aufwand für die überwölbende Struktur mit sich. Geld und Fachkompetenz sollte besser direkt in kulturelle Vorhaben und in die Stärkung und Erhaltung des musikalischen Lebens fließen, so die Ministerin.

Völlig unbestritten sei, dass Kunst und Musik „wesentliche und unentbehrliche Aspekte der Lebensqualität sind“ und darum die kulturelle Infrastruktur, auch im ländlichen Raum, gefördert werden müsse. Dies leite sich aus dem Kulturstaatsgebot der Sächsischen Verfassung ebenso ab wie aus der täglichen Arbeit zahlreicher Aktiver unterschiedlichster Profession im kulturellen Leben im Land. „Gerade unser Freistaat ist eine um ihren kulturellen und hier speziell musikalischen Reichtum immer wieder beneidete Region. Nur mit großer Mühe mag es gelingen, diese lebendige Vielfalt und diese Qualität nicht zur Kenntnis zu nehmen“, so Dr. Eva-Maria Stange.

Die Ministerin verwies in ihrer Rede auf die sehr große Dichte und Breite hochqualifizierter musikalischer Angebote in Sachsen. Diese reichen von Amateurmusik, wie sie an Schulen und Musikschulen gepflegt werde, in Chören, jungen Bands, in fast jeder Kirchgemeinde, angebunden an andere Einrichtungen und Theater, über Ausbildungseinrichtungen wie Sachsens Musikhochschulen, über die freie Szene bis hin zu professionellen Ensembles, deren Renommee weltweit ihresgleichen suche. Sachsens Musikeinrichtungen, -wettbewerbe und -festivals würden nicht nur Spitzen-Künstlerinnen und -künstler, sondern auch Publikum aus nah und fern anziehen.

Dr. Stange unterstrich: „Dies hängt mit Sachsens außerordentlicher musikalischer Tradition zusammen, zugleich aber auch mit einer breiten, bewusst auch auf den ländlichen Raum ausgerichteten Förderpolitik der Staatsregierung, anderer Partner der öffentlichen Hand und von privater Seite. Neben der Förderung durch die Kommunen gibt es die Zusammenschlüsse zu Kulturräumen, um regional bedeutsame Vorhaben umzusetzen, außerdem die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, die Projekte fördert, sowie die Förderung des Kunstministeriums für die Staatsoper ebenso wie für Verbände – Musikrat, Chor- und Blasmusikverband – für Musikschulen, die Mitteldeutsche Barockmusik und für ausgewählte Festivals. Alles an Wirkung, was der Antrag fordert, existiert also bereits. Bei meinen Beobachtungen überall in Sachsen und allem, was dazu zu hören und zu lesen ist, kann ich nicht bestätigen, dass in sächsischen Kleinstädten das kulturelle Leben zum Erliegen gekommen sei, wie es in der Antragsbegründung heißt. Im Gegenteil: Gerade das kulturelle und das Musikleben Sachsens sind starke Argumente für Touristen, Zuzügler und Investoren und ein Element der Identifikation der Einwohner mit Sachsen.“

Zur Forderung, Konzerte vorwiegend mit „sächsischen Musikern“ und „Mitgliedern der sächsischen Orchester“ durchzuführen, sagte die Ministerin: „Dass die Ausführenden von Konzerten und Musikveranstaltungen in Sachsen sehr oft Sächsinnen und Sachsen sind oder doch engen Bezug zu Sachsen haben, liegt auf der Hand. Auf keinen Fall sollte dies jedoch zum Kriterium gemacht werden, denn die Lebendigkeit und Qualität des Musiklebens steht und fällt mit Gelegenheiten zu Austausch und gegenseitiger Anregung von und nach außen. Das gilt in der globalisiert zu denkenden Klassikszene ebenso wie bei Jazz, Rock und Pop oder anderen Richtungen bis zur Musik in Kirchen. Ohne Gastspiele in Sachsen und aus Sachsen müsste die sächsische Musik verkümmern. Das gilt auch für schöpferische Genreüberschreitungen, die heute unter der Rubrik ,Crossover‘ firmieren, oder für international zusammengesetzte Musikensembles, die sehr unterschiedliche kulturelle Erfahrungen einbringen. Dies wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit und damit zu einem Vorreiter des gegenseitigen Verständnisses der kulturellen Vielfalt unserer scheinbar kleiner gewordenen Welt.“

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