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25.11.2015, 14:00 Uhr

Bundesverdienstorden für herausragende Verdienste überreicht

Tillich: „Engagement schafft Zusammenhalt, den die Gesellschaft braucht“

Dresden (25. November 2015) – Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat zwölf Bürgerinnen und Bürgern, die in Sachsen leben oder eng mit dem Freistaat verbunden sind, stellvertretend den von Bundespräsident Joachim Gauck verliehenen Verdienstorden der Bundessrepublik Deutschland überreicht.

Bei der feierlichen Zeremonie am Mittwoch in der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden würdigte Tillich das herausragende Engagement der Geehrten. „Ob in Wissenschaft und Forschung, Sport und Kultur, Kirchen und Vereinen: Sie bauen mit dem, was Sie tun, vor allem Brücken zwischen den Menschen. Ihr Engagement schafft Zusammenhalt, den unsere Gesellschaft braucht. Sie haben Verantwortung übernommen zum Wohle der Menschen und damit unserem Land einen hervorragenden Dienst erwiesen.“ Die Laureaten stünden mit ihrem Engagement auch stellvertretend für die vielen anderen Menschen im Freistaat, die sich in Familie, Beruf und Ehrenamt in außerordentlicher Weise einbringen.

Ausgezeichnet wurden im Einzelnen:

Martina Gutzeit

Martina Gutzeit (78) war von 1972 bis zu ihrer Pensionierung 1997 Kantorin der Kirchengemeinde Schönheide. Daneben engagierte sie sich innerhalb der Kirchgemeinde auch in anderen Bereichen: Sie erteilte als Katechetin Christenlehre, war Leiterin mehrerer Flötenkreise, Kinder- und Jugendchöre, betreute den Altenkreis mit musikalischer Begleitung und war Chorleiterin des nach der Wende wieder gegründeten Männerchores.
1990 betreute sie Kinder, die aus der Nähe von Tschernobyl kamen und für vier Wochen in Schönheide blieben, um sich zu erholen und musizierte mit ihnen. Seit ihrem Eintritt in den Ruhestand setzt sich Frau Gutzeit mit großem Engagement für den Fortbestand der westerzgebirgischen Mundart in ihrer Heimatregion und damit den Erhalt und die Pflege von Tradition und Brauchtum ein. Außerdem engagiert sie sich in der Kinder- und Jugendarbeit. Bereits seit vielen Jahrzehnten leitet sie zudem den Frauendienst-Kreis der Kirchgemeinde.

Prof. Dr. Ursula Ravens

Prof. Dr. Ursula Ravens (70) übernahm 1997 die Leitung des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden, 2014 wurde sie zur Senior Research Professorin ernannt. Sie ist eine international anerkannte Wissenschaftlerin im Bereich der Herzforschung und der Elektrophysiologie von Muskelgeweben. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten ist sie mehrfach von renommierten Fachgesellschaften ausgezeichnet worden. Prof. Dr. Ravens hat sich zudem mehr als 40 Jahre eingehend mit Fragen der Arrhythmieforschung, insbesondere dem Vorhofflimmern und dem sogenannten elektronischen Remodeling des Herzens beschäftigt. Weiterhin hat sie sich mit der Möglichkeit der Nutzung von Stammzellen für eine Regeneration des Myokards befasst. Neben ihren zukunftweisenden Forschungs- und Publikationsaktivitäten ist sie Mitglied einer Reihe von Herausgebergremien für wissenschaftliche Zeitschriften. Mit ihren Arbeiten hat sie sich herausragende Verdienste um den Wissenschaftsstandort Deutschland erworben.

Gerhild Landeck

Die Leipzigerin Gerhild Landeck (61) ist gelernte Verwaltungsfachangestellte und Mutter von vier leiblichen Kindern und einem Pflegesohn, bei dem im Kindesalter die Krankheit FASD (engl.: fetal alcohol spectrum disorder, dt.: Fetale Alkoholspektrumstörungen) festgestellt wurde. Mit Verstand und Liebe förderte sie ihn gemeinsam mit ihrem Mann in der Schule und bei der Ausbildung und unterstützt ihn bis heute im Alltag. In der ersten Zeit nach der Diagnose suchte sie zunächst Beistand und Rat in einer örtlichen Pflegeelterngruppe und engagierte sich bald darauf selbst im Landesverband der Pflegeeltern in Sachsen. Aufgrund ihrer großen Hingabe und der eigenen Erfahrungen wurde sie zur Vorsitzenden des Verbandes gewählt, später wurde sie in den Bundesvorstand der Pflegeelternverbände berufen. Über das Internet fand sie im Jahr 2000 andere Eltern, deren Kinder ebenfalls von FASD betroffen waren. 2002 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Vereines „FASworld e.V.“, der sich 2011 in „FASD Deutschland e.V.“ umbenannte. Die Diagnose von FASD ist sehr schwierig und in vielen Fällen bleibt die Behinderung, die zu den häufigsten in Deutschland zählt, unentdeckt. Gleichzeitig erkennen viele Ämter die Diagnose FASD nicht an, und so erhalten Betroffene oftmals keine Sozialleistungen und keine geeignete Förderung. Gerhild Landecks besonderes Augenmerk liegt deshalb auf der Sensibilisierung der Öffentlichkeit für FASD als häufigste nicht genetisch bedingte geistige Behinderung, welche ihre Ursache im Alkoholkonsum der werdenden Mutter hat. Ziel ihrer überaus engagierten Arbeit ist es, die Lebensbedingungen Betroffener zu verbessern.

Walter Lange

Das Wirken von Walter Lange (91) zählt zu den größten unternehmerischen Erfolgsgeschichten seit der Wiedervereinigung Deutschlands. Er hat als Unternehmer durch sein außerordentliches Engagement im Bereich des Uhrmacherhandwerks und der Wiederentstehung des Uhrmacher-Standortes Glashütte einmalige und herausragende Verdienste erworben. Walter Lange ist der Urenkel von Ferdinand Adolph Lange, dem Begründer der deutschen Feinuhrmacherei 1845 in Glashütte. Nach Mauerfall und Wiedervereinigung hat Walter Lange im Dezember 1990 im sächsischen Glashütte die Traditionsmarke A. Lange & Söhne nach mehr als 40-jähriger Zwangspause wieder eintragen lassen und die Lange Uhren GmbH gemeinsam mit seinem Partner Günter Blümlein neu gegründet.
Begonnen hatte alles damals mit 15 Mitarbeitern. Aus dem kleinen Team der Anfangszeit wurde ein Unternehmen mit heute rund 700 Mitarbeitern, das zu den führenden weltweit am Uhrenmarkt zählt. Walter Lange hat entscheidend zur positiven Entwicklung des Wirtschaftsstandortes sowie zur Wiederetablierung der sächsischen Uhrenindustrie beigetragen.

Dr. Dieter Rausendorff

Dr. Dieter Rausendorff (84) hat sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl der Stadt Schlettau eingesetzt und zur Bewahrung von bedeutendem Kulturgut des Erzgebirges beigetragen. Er engagiert sich seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich für die bauliche Wiederherstellung und kulturelle Nutzung von Schloss und Schlosspark Schlettau. Als im Jahre 1995 engagierte Bürger einen Förderverein zur Rettung des vom Verfall bedrohten Schlosses gründeten, gehörte er zu den Hauptinitiatoren und wurde zum Vereinsvorsitzenden gewählt. Der Förderverein „Schloss Schlettau e.V.“ hat unter seiner Leitung gemeinsam mit der Stadt Schlettau die Instandsetzung und Restaurierung des Schlosses und des vorgelagerten Herrenhauskomplexes bis zum Jahre 2010 erfolgreich durchgeführt. Dr. Rausendorff wirkte dabei auch als ldeengeber und Mentor für die Nutzungskonzeption des Schlosses. Heute ist Schloss Schlettau eine wichtiger touristische Adresse im Erzgebirgskreis, anerkanntes Museum und überregional bekannter Veranstaltungsort für Kunst und Kultur

Prof. Dr. Lothar Eißmann

Lothar Eißmann (83) war von 1992 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1997 Professor für Geologie an der Universität Leipzig. In dieser Zeit ist es ihm gemeinsam mit Prof. Dr. Franz Jacobs gelungen, Leipzig neben dem Standort Freiberg zu einem Zentrum für Tertiär- und Quartärforschung zu entwickeln. Dass die Universität Leipzig neben der TU Bergakademie Freiberg heute als ein zweiter, viel beachteter Standort der Geowissenschaften gilt, ist ganz wesentlich sein Verdienst. Durch seine quartärgeologischen Forschungen wurde er zum führenden Eiszeitforscher in Mitteldeutschland. Prof. Dr. Eißmann hat sich darüber hinaus mit außerordentlichem Engagement als langjähriges Mitglied des Ehrenrates um den Erneuerungsprozess und die Entwicklung der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig verdient gemacht. Bis heute ist er dort Mitglied der Kommissionen Landeskunde, Umweltprobleme und Wissenschaftsgeschichte.

Georg Tietzen

Georg Tietzen (80) aus Kamenz hat seit mehr als 20 Jahren den Vorsitz des Vereins „Initiative Kinder von Tschernobyl e.V." inne. In dieser Funktion hat er mit herausragendem Engagement dafür gesorgt, dass sich regelmäßig strahlengeschädigte Kinder aus diesem 1986 von einer nuklearen Katastrophe schwer betroffenen Gebiet für einige Wochen in Deutschland erholen konnten. Besonders an Diabetes Mellitus erkrankten Kindern wurde durch seinen ambitionierten Einsatz eine neue Lebensqualität vermittelt.
Georg Tietzen sammelt mit großem Engagement im Namen des Vereins Spendengelder, wirbt Gasteltern für die Aufnahme der Kinder und macht die Öffentlichkeit auf die Arbeit und das Wirken des Vereins aufmerksam. Ihm ist es zu verdanken, dass es ein „Sächsisches Netzwerk der Tschernobyl-Initiativen“ gibt, durch das bestimmte Projekte mit gebündelter Kraft verwirklicht werden. So können Kinder aus Weißrussland auch an Gastfamilien in anderen Bundesländern vermittelt werden.

Manfred Meier

Manfred Meier (80) aus Chemnitz ist seit 1950 Mitglied des Eisenbahner Sportvereins (ESV) Lokomotive Chemnitz e. V. und bis heute dort im Vorstand aktiv. Zwischen 1955 und 1994 engagierte er sich als Übungsleiter im Handball, war in dieser Sportart von 1957 bis 1995 Schiedsrichter und von 1959 bis 1995 zudem Abteilungsleiter. Seit den 1960er Jahren ist er in Vereinen der Stadt Chemnitz als aktiver Sportler und in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen aktiv. Sein Tätigkeitsfeld umfasst die Jugendarbeit und Sportorganisationen. Er ist in seiner Heimatstadt als Sportler und Sportfunktionär sehr geschätzt, hat er doch herausragende Verdienste insbesondere bei der Entwicklung des Handballsports vorzuweisen. Er gibt seine weitreichenden Erfahrungen und sein Wissen als Sportler und Trainer bis heute an die junge Generation weiter. Mit großem Einsatz setzte er sich zugleich für die Sanierung des Gebäudekomplexes des Vereins ein, die 2011 abgeschlossen werden konnte.

Dr. Dieter Füsslein

Dr. Dieter Füsslein (75) hat 1990 den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit gewagt und die Sachsenbau GmbH & Co. KG gegründet, deren Geschäftsführender Gesellschafter er bis heute ist. Zu seinen Projekten zählen unter anderem innerstädtische Einkaufszentren in Chemnitz wie „Galerie Roter Turm“ und „Moritzhof“. In Dresden hat er sich mit seiner Firma einen Namen bei der Wiederbebauung des Neumarkts und der originalgetreuen, historischen Wiedererrichtung des Coselpalais gemacht. Bei seinen Projekten setzt er darauf, alle beteiligten Akteure von Beginn der Planungsphasen an zu beteiligen. Sein erklärtes Ziel war und ist es, Stadterneuerung und Bürgerbeteiligung miteinander zu verbinden. Dr. Füsslein ist auch in der Kommunalpolitik aktiv. Auf seine Initiative wurde 2011 zudem die „Sächsische Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft zur Förderung der Nachhaltigkeit“ gegründet. Er gilt als einer der Wegbereiter der Entwicklung der neuen Chemnitzer Innenstadt, vor allem mit seinem ehrenamtlichen Einsatz für seine Stadt hat er große Verdienste erworben.

Hubertus Zomack

Hubertus Zomack (74) hat sich durch besondere Leistungen als Direktor des Caritasverbandes verdient gemacht. Hervorzuheben ist dabei sein Einsatz für Menschen mit Demenz. Darüber hinaus war er an der Rettung vieler deutscher sakraler Bauten durch die Sammlung von Fördergeldern verantwortlich und übernahm in seinem Bistum viele ehrenamtliche Aufgaben. Als Direktor des Caritasverbandes der Diözese Görlitz setzte er sich ferner für den Aufbau der Caritas in St. Petersburg ein, wo er unter anderem eine Suppenküche gründete. In Görlitz-Rauschwalde engagierte er sich für die Einrichtung einer Wohnanlage für Menschen mit dementiellen Störungen. Als Vorsitzender des Bonifatiuswerkes der Deutschen Katholiken im Bistum Görlitz erreichte Prälat Zomack, dass Fördermittel in Millionenhöhe für Bildungs- und Erziehungsprojekte verwendet und zahlreiche sakrale Bauten vor dem Verfall gerettet werden konnten. Er ist zudem Mitglied des Brückepreiskomitees der Europastadt Görlitz-Zgorzelec, die jährlich den Brückepreis an Menschen vergibt, die sich in besonderer Weise um Menschlichkeit, Völkerverständigung und Frieden verdient gemacht haben.

Dr. Michael Kühn

Dr. Michael Kühn (72) ist ein über das übliche Maß hinaus engagierter Bürger der Stadt Zwickau, der sich seit nunmehr fast 25 Jahren für Erhaltung und Sanierung überregional bedeutender Baudenkmale seiner Heimatstadt einsetzt. Im Mittelpunkt seiner Verdienste steht sein Engagement für die Erhaltung und Pflege des Zwickauer Doms St. Marien, einer der bedeutendsten spätgotischen Hallenkirchen im Freistaat. 1990 begann unter seiner Leitung die seit einhundert Jahren umfassendste Sanierung.
Viele dieser Maßnahmen wurden mithilfe eines Fördervereins unterstützt, dessen Gründung maßgeblich auf seine Initiative zurückging. Seit der Gründung ist er als 1. Vorsitzender dieses Vereins aktiv. Auch für die Rettung des spätgotischen Kornhauses setzte er sich erfolgreich ein. Noch zu Beginn der 1990er Jahre dem Verfall preisgegeben, konnte das Kornhaus 2014 als ein Denkmal von nationaler Bedeutung nach aufwändiger Sanierung wiedereröffnet werden. Eine Vielzahl anderer Kulturdenkmale wie die Moritzkirche sowie die Matthäuskirche in Zwickau profitierte ebenfalls vom Engagement und den Erfahrungen des versierten Architekten und Baumeisters.

Wolfgang Topf

Das Wirken von Wolfgang Topf (66) zeichnet sich durch ein hohes Maß von ehrenamtlicher Einsatzbereitschaft aus. Bereits seit dem Jahr 2000 übt er das Ehrenamt des Präsidenten der IHK zu Leipzig aus, die die Interessen von etwa 67.000 Unternehmen in der Stadt, dem Landkreis Leipzig sowie im Landkreis Nordsachsen vertritt. Auf Grund seines Einsatzes als Kammerpräsident ist er auch über die Grenzen des Freistaates Sachsen und Deutschlands hinaus geschätzt und anerkannt. Auf regionaler Ebene engagiert sich der Unternehmer und geschäftsführende Gesellschafter der IMO Leipzig GmbH insbesondere für die Ausbildung und Qualifizierung junger Menschen. Topf ist zudem Mitglied im Verein „Gemeinsam für Leipzig e.V.“ Dieser hat es sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung der Region Leipzig-Halle-Dessau zu fördern. Der Verein unterstützt auch soziale und kulturelle Einrichtungen. Maßgeblich beteiligt war er auch an der Gründung der Wirtschaftsfördergesellschaft Region Leipzig.

Hintergrundinformation:

Für den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland kann jeder Bürger unter Angabe der Gründe verdienstvolle Personen für eine Ehrung anregen. Im Anschluss wird ein Ordensprüfungsverfahren in der Sächsischen Staatskanzlei eingeleitet. Dabei soll die Ordenswürdigkeit der vorgeschlagenen Person festgestellt werden. Wird diese anerkannt, übt der Ministerpräsident des Landes, in dem der Vorgeschlagene lebt, gegenüber dem Bundespräsidenten sein Vorschlagsrecht aus. Der Bundespräsident stützt seine Entscheidung auf die Prüfungsergebnisse der Bundesländer und nimmt Verleihungen nur im Konsens mit ihnen vor. Neben den Ministerpräsidenten und Regierenden Bürgermeistern der Stadtstaaten können auch der Außenminister für Ausländer oder Deutsche mit Wohnsitz im Ausland sowie die jeweiligen Bundesminister für ihren Zuständigkeitsbereich ihr Vorschlagsrecht gegenüber dem Bundespräsidenten ausüben.
Seit der Wiedervereinigung wurden bereits mehr als 600 Bürgerinnen und Bürger aus Sachsen mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet.

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