9. November: Gedenken an die antisemitische Gewalt der Novemberpogrome 1938 – und Hoffnung für die Demokratie 1918 und 1990
08.11.2026, 09:58 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Demokratieministerin Köpping: »Wir müssen uns dem Missbrauch unserer Gedenkkultur entgegenstellen.«
Der 9. November ist mit Blick auf die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert ein ambivalenter Tag. 1938 markiert dieser Tag das Umschlagen der Ausgrenzung und Diskriminierung von Jüdinnen und Juden in offene Gewalt und schließlich in das Menschheitsverbrechen der Shoah. Während der Pogrome um den 9. November wurden in Sachsen sowie reichsweit jüdische Geschäfte attackiert, Synagogen in Brand gesetzt, Menschen gequält, gedemütigt und in Konzentrationslager verschleppt. All das geschah unter den Augen und vielfach unter der Beteiligung und dem Jubel der örtlichen Bevölkerung.
Staatsministerin Petra Köpping: »Der 9. November gibt uns deshalb Anlass, den jüdischen Opfern der Pogrome zu gedenken und lädt gleichzeitig dazu ein, kritisch nachzudenken über die Bedingungen des Umschlagens von Gesellschaften ins Inhumane, über die Brüchigkeit unserer menschlichen Solidarität und die Bedeutung von Zivilcourage. Wir können uns fragen, was wir als Gesellschaft, so wie jede und jeder Einzelne, im Alltag dazu beitragen können, dass sich Jüdinnen und Juden in Deutschland sicher fühlen.«
1918 und 1990 steht dieser Tag aber auch für Hoffnung und Zukunft – für Demokratie. Mit der Ausrufung der ersten deutschen Republik wurde die konstitutionelle Monarchie durch eine parlamentarisch-demokratische Republik abgelöst. Ein Meilenstein der deutschen Freiheits- und Demokratiebewegung. Und auch 1989 waren es aufrechte, mutige Menschen, die – gipfelnd im Mauerfall am 9. November – ein unfreies, undemokratisches System überwunden haben.
Staatsministerin Petra Köpping: »Der 9. November ist verbunden mit Leid und Freude – und damit eine Herausforderung. Der Gesellschaft muss es gelingen, Beides miteinander zu verbinden: das Erinnern an die Erfolge der Demokratie und gleichzeitig an ihr Versagen. Voraussetzung dafür sind eine faktenbasierte, gegenwartsrelevante historisch-politische Bildung sowie eine Gedenkkultur, die nicht in Ritualen und Floskeln erstarrt, sondern immer wieder neu ansetzt. Wesentliche Fragen sind hier: Was lernen wir aus und an Geschichte? Welche Handlungsspielräume haben Einzelne für Solidarität mit Ausgegrenzten und Verfolgten und dabei, sich auch unter schwierigen Bedingungen zu verweigern und zu widersetzen? Wie können wir historisches Wissen und die in Quellen überlieferten Stimmen der Betroffenen für die nachfolgenden Generationen bewahren, aufbereiten und zugänglich machen?«
Staatsministerin Petra Köpping: »Wer das 'Nie wieder!' der Überlebenden der Konzentrationslager ernst meint, darf nicht unwidersprochen lassen, dass unsere Gedenkkultur ausgehöhlt und verächtlich gemacht wird. Es ist unsere Aufgabe, Geschichtsrevisionismus und Desinformation überall entschieden zu bekämpfen und sicherzustellen, dass jungen Menschen eine fachlich fundierte Geschichtsschreibung vermittelt wird. Der 9. November lehrt uns, wozu Menschen fähig sind und wie schnell die Stimmung in der Bevölkerung kippen kann. Wir dürfen Antisemitismus, Hass und Hetze niemals unwidersprochen lassen und müssen die demokratische, vielfältige und offene Gesellschaft immer wieder aufs Neue erkämpfen und verteidigen.«