17,75 Millionen Euro Fördermittel für digitale Vernetzung des Dresdner Nahverkehrs
28.10.2026, 16:38 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Freistaat und EU fördern digitalen Nahverkehr für bessere Fahrgastinformationen und mehr Zuverlässigkeit
Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) erhalten 17,75 Millionen Euro für die weitere Digitalisierung des Nahverkehrs in Dresden. Ziel ist es, Fahrgäste schneller und zuverlässiger zu informieren sowie die Verkehrssteuerung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) bei Störungen zu verbessern. Dabei unterstützen moderne digitale Systeme die Fahr- und Leitstellenmitarbeiter. Staatsministerin Regina Kraushaar hat dafür heute (28. Oktober 2026) einen Förderbescheid an die Vorstände der DVB, Andreas Hemmersbach und Lars Seiffert, auf dem Straßenbahnhof Trachenberge in Dresden übergeben.
Vor Ort sagte Sachsens Verkehrsministerin Regina Kraushaar: »Digitalisierung wird hier praktisch erlebbar: Die DVB kann ihren Service für die Fahrgäste spürbar verbessern. Gut, dass wir dafür Fördergelder der EU mit Landesmitteln kombinieren und die DVB unterstützen können. Damit bleibt der Nahverkehr in Dresden leistungsfähig und attraktiv. Ich wünsche, dass der verbesserte Service möglichst vielen Fahrgästen zugutekommt.«
Andreas Hemmersbach, Vorstand Mobilität der Dresdner Verkehrsbetriebe AG, führt dazu aus: »Das Projekt versetzt uns in die Lage, das ÖPNV-Angebot für unsere Kunden zuverlässiger und flexibler zu gestalten. Es bietet Potenzial zur Beschleunigung von Bus und Bahn, für mehr Sicherheit im Betrieb sowie für besseren Fahrgastservice. MIKT bedeutet für die DVB einen technischen Quantensprung und angesichts knapper Budgets freuen wir uns sehr, dass uns der Freistaat Sachsen bei der weiteren Modernisierung des Dresdner ÖPNV finanziell unterstützt.«
Lars Seiffert, Vorstand Arbeitswelt und Fahrbetrieb der Dresdner Verkehrsbetriebe AG ergänzt: »Eine zuverlässige Verbindung zwischen Fahrzeug, Leitstelle und Hintergrundsystemen ist nicht nur für die Verkehrsorganisation von Bedeutung, sondern auch für das wachsende Sicherheitsbedürfnis unserer Fahrgäste und Fahrer. Alle haben noch die republikweiten Übergriffe der letzten Monate gegen Fahrer oder Kontrollpersonal vor Augen. Unsere Kollegen verlassen sich darauf, dass sie - egal von welchem Standort - stets die Leitstelle erreichen und möglichst schnell Hilfe kommt. Mit der jetzt geplanten digitalen Funktechnik erreichen wir dafür einen neuen Standard.«
Die Dresdner Verkehrsbetriebe erhalten für das Projekt MIKT (Modernisierung der Informations- und Kommunikations-Technologien) insgesamt 17,75 Millionen Euro, um Fahrzeuge, Verkehrsleitsysteme und Informationsplattformen technisch auf den notwendigen Stand zu bringen. Die bereitgestellten Mittel werden für die schrittweise Modernisierung der DVB-Fahrzeugflotte und Hintergrundsysteme eingesetzt, die aktuell auf dem technischen Stand von Mitte der 1990er Jahre sind. Außerdem erfordert die Abkündigung bisher von den DVB genutzter Funkfrequenzen bis 2029 durch die Bundesnetzagentur das Verkehrsunternehmen die Modernisierung.
Das Projekt MIKT besteht aus neun einzelnen Bausteinen, die innerhalb von drei Jahren umgesetzt werden sollen. Neue Funktechnik soll die Kommunikation zwischen Fahrer und Leitstelle sowie zu Verkehrsanlagen verbessern. Das ist besonders wichtig, um beispielsweise Unfälle oder Fahrzeugschäden schnell und zuverlässig zu melden. Die Mitarbeitenden in der DVB-Leitstelle erhalten durch MIKT erstmals ein KI-gestütztes Tool zum Störungsmanagement. Damit können optimale Ausweichrouten für Bus und Bahn generiert werden, wenn eine Strecke durch Unfall oder Schadfahrzeug blockiert ist. Ein weiterer Baustein beinhaltet die bessere und schnellere Information von Fahrgästen im Störungsfall. In den Bahnen werden die alten Monitore durch moderne hochauflösende Anzeigen ersetzt. Das neue Hintergrundsystem sorgt dafür, dass die Störungsinformationen möglichst schnell in Fahrzeugen, an Haltestellen oder über die App angezeigt werden. Auch die DVB-Homepage soll im Zuge des MIKT-Programms modernisiert werden und eine barrierefreie Nutzung gleichermaßen auf PC, Tablet oder Handy ermöglichen. Die im MIKT geplante Datenarchitektur kann dabei alle Einzelsysteme wesentlich besser vernetzten als die bisher verwendete Technik. Mit dem gezielten Einbau von Komponenten für kooperative intelligente Verkehrssysteme (C-ITS) wird ein Standard der Fahrzeugtechnik verwendet, der einen sicheren Datenaustausch ermöglicht - auch bei möglichen Angriffen von außen. Er liefert mit intelligenter und verkehrsabhängiger Ampelansteuerung die Basis für schnelleres Vorankommen von Bus und Bahn. Das Projekt umfasst zusätzlich eine verbesserte Besetztgraderfassung. Damit lässt sich erkennen, wie viele Fahrgäste sich im Fahrzeug befinden. Das funktioniert ausschließlich numerisch und vollständig anonym. Das Ergebnis wird fortlaufend ins Hintergrundsystem eingespeist. Fahrgäste können damit beispielsweise auf dem Handy sehen, ob die demnächst ankommende Bahn schon gut besetzt ist oder sich vielleicht gute Aussichten auf einen Sitzplatz ergeben. Aus der langfristigen Auswertung leiten die Verkehrsplaner ab, ob der eingesetzte Wagen der aktuellen Nachfrage entspricht oder ob nicht ein größeres Fahrzeug besser geeignet wäre.
Von der Projektförderung kommen 14,2 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), 3,55 Millionen Euro stellt der Freistaat Sachsen bereit. Die Gesamtkosten des Vorhabens liegen bei 23,66 Millionen Euro. Die Förderung erfolgt über die Richtlinie Mobilität.