Sächsischer Bürgerpreis 2026 in Dresdner Frauenkirche verliehen
07.10.2026, 13:05 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Würdigung für herausragendes ehrenamtliches Engagement
Dresden (8. Oktober 2026) – In Dresden ist zum 16. Mal der Sächsische Bürgerpreis verliehen worden.
Gemeinsam mit der Stiftung Frauenkirche Dresden und der Kulturstiftung Dresden der Commerzbank würdigt der Freistaat Sachsen damit Vereine, Initiativen, Institutionen oder Einzelpersonen, die mit ihrem herausragenden Einsatz beispielhaft sind für bürgerschaftliches Engagement, für Zusammenhalt und Demokratie.
Stellvertretend für die zahlreichen Menschen, die sich in Sachsen ehrenamtlich engagieren, zeichnen die Stifter des Preises in insgesamt fünf Kategorien Personen oder Initiativen aus. Der Preis ist je Kategorie mit 5.000 Euro dotiert.
Ministerpräsident Michael Kretschmer, Schirmherr des Sächsischen Bürgerpreises ist, betonte: »Sachsen lebt von Menschen, die sich einbringen und gemeinsam etwas bewegen. Die ehrenamtliche Arbeit all dieser Bürgerinnen und Bürger ist so enorm wichtig dafür, dass unser Leben im Großen wie im Kleinen reicher wird. Rund ein Drittel der Menschen in Sachsen engagiert sich freiwillig und übernimmt Verantwortung für das Gemeinwohl. Sie alle setzen sich für Natur und Umwelt ein, halten Vereine und Traditionen lebendig, unterstützen Menschen in schwierigen Lebenslagen und gestalten das Miteinander vor Ort. Alle heute hier Anwesenden stehen in besonderer Weise vorbildhaft für dieses herausragende Engagement bei uns im Freistaat. Herzlichen Glückwunsch an alle Preisträgerinnen und Preisträger und alle Nominierten!«
Justizministerin Prof. Constanze Geiert hielt die Festrede und erklärte: »Sachsen lebt von Menschen, die nicht lange fragen, was andere tun könnten, sondern selbst anpacken. Diese Anpack-Mentalität gehört zu unserer sächsischen DNA. Die Preisträgerinnen und Preisträger stehen dafür in ganz besonderer Weise. Sie investieren Zeit, Kraft und viel Herzblut. Nicht für sich, sondern für andere. Es ist ihr Engagement, das Gemeinschaft schafft und Heimat spürbar macht. Dafür gebührt den Preisträgerinnen und Preisträgern unser aller Dank.«
Maria Noth, Geschäftsführerin der Stiftung Frauenkirche Dresden erklärte: »Eine lebendige Gesellschaft lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, sich einbringen und mit ihrem Engagement etwas bewegen wollen. Dieser Gedanke der Mitwirkung ist auch der Frauenkirche als Bürgerkirche eingeschrieben. Deshalb freuen wir uns, an diesem Ort mit dem Sächsischen Bürgerpreis Menschen zu würdigen, die Gemeinsinn ganz konkret leben und unsere Gesellschaft aus eigener Initiative mitgestalten.«
Geehrt wurden in den einzelnen Kategorien:
Demokratie: Annika Fleischer (Leipzig, Stadt)
Europäische Bildungsarbeit, Engagementförderung & Beteiligung junger Menschen
Annika Fleischer vermittelt europäische und demokratische Bildung und möchte junge Menschen zum Einsatz für Demokratie und ein einiges Europa motivieren. Sie konzipiert, koordiniert und leitet verschiedene Bildungsformate wie Planspiele, Workshops, Bürgerdialoge, Europafeste und Jugendbegegnungen. Seit 2024 ist sie Landesvorsitzende der Jungen Europäischen Föderalisten. Sie übt diese Funktion ehrenamtlich neben ihrer Tätigkeit als Referendarin im sächsischen Schuldienst aus.
Menschen: Cornelia und Horst Wöckel (Chemnitz)
Familiäre Bereitschaftspflege und Dauerpflege
Cornelia und Horst Wöckel nehmen seit 14 Jahren Kinder als Pflegefamilie auf. Inzwischen haben sie bereits über 100 Kinder vorübergehend als Bereitschaftspflege betreut, eines davon ist in der Dauerpflege bei der Familie geblieben. Die Kinder erfordern ein hohes Maß an Zuwendung, bringen oft seelische oder körperliche Schäden mit. Neben zahlreichen Arztbesuchen ist der Umgang mit den leiblichen Eltern zu organisieren und der Kontakt zum Jugendamt zu halten. Eigene Interessen müssen oft hintenangestellt werden.
Heimat: Unikat e.V. – Werkstätten Weberhäuser (Vogtlandkreis)
Kinder-Kunst-Zentrum im historischen Ambiente
Zur Jahrtausendwende begannen vier Frauen vier Häuser eines verfallenen Stadtquartiers zu sanieren und zu beleben. Es handelt sich um die Weberhäuser, die älteste Häuserzeile der Stadt Plauen. Eingerichtet wurden Werkstätten für Kinder und Jugendliche. Es entstand ein Kinder-Kunst-Zentrum mit inzwischen zehn Werkstätten. Vermittelt werden textiles Gestalten, Filzen, Töpfern, Schnitzen, Holzgestaltung, Flechten, Drucken und Mosaikgestaltung in Verbindung mit Sozialkompetenz, Grob- und Feinmotorik, Konzentration, Ästhetik und Geschichtsbewusstsein. Zusätzlich wurden auf dem umliegenden Areal ein Sinnes- und ein Rosengarten und eine Freifläche mit Bühne geschaffen. Ein verfallenes Stadtquartier wurde mit Leben erfüllt und ist für alle Bürgerinnen und Bürger und Gäste zugänglich.
Umwelt: Imkerverein Stollberg e.V. (Erzgebirgskreis)
Be together – Lernen. Erleben. Schützen
Der Imkerverein engagiert sich auf vielfältige Weise für den Schutz von Bienen und anderen Bestäubern und leistet damit einen Beitrag zur biologischen Vielfalt und zur Umweltbildung in der Region. Die Mitglieder des Vereins sind unterwegs in Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen sowie auf Märkten, Festen und anderen öffentlichen Veranstaltungen. Sie organisieren Pflanzaktionen und bieten Obstbaumschnitt- und Sensenkurse an. Außerdem legen sie Blühflächen und Wildbienen-Nistmöglichkeiten an. Der Verein sanierte ein altes Gebäude und verwandelte es in ein Umweltbildungszentrum. Wissen, Verantwortung und nachhaltiges Handeln werden generationenübergreifend weitergegeben.
Welt: Heinz Kitsche (Dresden)
Lebenswerk: Engagement für den Globalen Süden
Heinz Kitsches Einsatz für Eine-Welt begann bereits 1972 mit der Gründung des Arbeitskreis »Entwicklungshilfe« e.V. Dieser ist damit eine der ältesten wenn nicht die älteste Basisgruppe zur Entwicklungszusammenarbeit in Sachsen. Zahlreiche Kleinprojekte, vor allem in Afrika, wurden unterstützt. Herr Kitsche war die treibende Kraft des AK und ist auch heute noch für die Eine-Welt aktiv. Neben der Hilfe im globalen Süden war ihm stets die entwicklungspolitische Bildungsarbeit in Deutschland wichtig. Der Verein möchte über globale Ungleichheiten, Armut und wirtschaftliche Zusammenhänge informieren und das Nachdenken über gerechtere Lebensweisen anregen.
Hintergrund:
Seit 2011 rückt der Sächsische Bürgerpreis unter Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Menschen in den Fokus, die sich in besonderer Weise für andere Menschen und das Zusammenleben in der Gesellschaft engagieren. Die Vorschläge zur Nominierung reichen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister bei den jeweiligen Landräten ein. Auch kirchliche Stellen sind vorschlagsberechtigt. Die Landräte und Oberbürgermeister der kreisfreien Städte nominieren die Initiativen oder Personen. Eine unabhängige Jury hat aus 75 Nominierungen die diesjährigen Preisträger in den fünf Kategorien ausgewählt:
• Miteinander stärken – Land gestalten (Demokratie)
• Menschen helfen – Gemeinsinn stiften (Menschen)
• Traditionen pflegen – Geschichte verstehen (Heimat)
• Schöpfung bewahren – Natur schützen (Umwelt)
• Global denken – lokal handeln (Welt)
Weitere Informationen zum sächsischen Bürgerpreis gibt es hier: https://www.freistaat.sachsen.de/buergerpreis.htm
Fotos von den Preisträgern werden nach der Veranstaltung in der Mediathek des Medienservice bereitgestellt.
https://medienservice.sachsen.de/medien/medienobjekte