Sächsischer Kinder- und Jugenddenkmalpreis geht nach Königsbrück
13.09.2026, 11:31 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Arthur-Kießling-Oberschule macht historische Kamelien erlebbar
Staatsministerin Regina Kraushaar hat heute (13. September 2026) in Hainichen den Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis 2026 an die Arthur-Kießling-Oberschule Königsbrück verliehen. Ausgezeichnet wurde das Projekt »Historische Kamelien Königsbrück erlebbar machen« aus dem Sächsischen Landesprogramm »PEGASUS – Schulen adoptieren Denkmale«. Die Preisverleihung fand bei der sachsenweiten Eröffnung des »Tages des offenen Denkmals« statt. Bei der gemeinsamen Veranstaltung des Freistaates Sachsen und des Landkreises Mittelsachsen wurden außerdem die Denkmalpreise des Landkreises Mittelsachsen verliehen.
Regina Kraushaar, Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung, betonte anlässlich der Auszeichnung: »Die Schülerinnen und Schüler der Arthur-Kießling-Oberschule Königsbrück zeigen uns eindrucksvoll, dass Denkmalpflege viele Facetten hat. Die heute ausgezeichneten Schülerinnen und Schüler pflegen nämlich historische Kamelien, setzen sich mit ihrer Geschichte auseinander und bringen sie mit ganz besonderen Führungen u.a. zu Menschen, die sehbehindert sind. Genau das würdigen wir mit dem Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis: Junge Menschen, die sich im Ehrenamt kreativ und nachhaltig mit Denkmalschutz bzw. Denkmalpflege auseinandersetzen und damit anderen ein Beispiel geben. Bei den Kamelien wird aus einer denkmalgeschützten Pflanzensammlung ein Stück lebendiges Kulturerbe.«
Im Mittelpunkt des Königsbrücker Schulprojektes steht ein ganz besonderes Kulturdenkmal, dem sich die Kinder und Jugendlichen gewidmet haben: drei etwa 200 Jahre alte Kamelien im Gewächshaus des Schlosses Königsbrück. Sie gelten als die ältesten zusammenstehenden Kamelien in Europa nördlich der Alpen. Zum Bestand der Schlossgärtnerei gehören auch 30 rund 100 Jahre alte Kamelienpflanzen aus der sogenannten Seidelschen Sammlung. Über mehrere Schuljahre hinweg beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 10 mit den historischen Zierpflanzen, ihrer Geschichte und ihrer sehr anspruchsvollen Pflege. Angeleitet werden sie dabei von der »Kameliengruppe« im Heimatverein Königsbrück und Umgebung e. V.
Die Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft von der Arthur-Kießling-Oberschule vermitteln ihr Wissen bei Veranstaltungen und Führungen. Zwei von ihnen werden als »Kameliendamen« gewählt und repräsentieren während der Blütezeit die Stadt Königsbrück. Die drei ältesten Königsbrücker Kamelien werden wegen ihrer Blütenfarben im Volksmund auch »Schneeweißchen und Rosenrot« genannt. Für Kindergärten und Vorschulgruppen entwickelte die Projektgruppe daher Märchenrundgänge mit diesen Figuren. Seit 2018 gibt es zudem eigene Rundgänge für blinde und sehbehinderte Menschen. Dabei können Besucherinnen und Besucher die teilweise duftenden Kamelien über Tastsinn, Gehör und Geruch kennenlernen. Mit diesen Angeboten machen die Kinder und Jugendlichen ein besonderes Kulturdenkmal für unterschiedliche Besuchergruppen zugänglich.
Alf Furkert, Sächsischer Landeskonservator und Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, zur Bedeutung der Kameliensammlungen: »Sachsen kann auf eine über 250-jährige Tradition im Kamelienanbau zurückblicken und beherbergt einige der ältesten und bedeutendsten Kameliensammlungen Deutschlands – etwa im Schlosspark Pillnitz, in Roßwein, im Schloss Zuschendorf und in Königsbrück. Kamelien galten lange als kostbares Privileg des Adels und des Großbürgertums. Dass ihre Zucht und ihr Handel weltweit eine solche Bedeutung erlangten, ist nicht zuletzt der sächsischen Gärtnerdynastie um Jacob Friedrich Seidel zu verdanken. Die historischen Kameliensammlungen sind heute einzigartige Zeugnisse der großen Tradition des sächsischen Gartenbaues und seiner internationalen Bedeutung.«
Der Sächsische Kinder- und Jugenddenkmalpreis wird seit 2012 jährlich bei der Eröffnung des Tages des offenen Denkmals verliehen. Die Auszeichnung würdigt das Engagement von Schülerinnen und Schülern im Sächsischen Landesprogramm »PEGASUS – Schulen adoptieren Denkmale«. Das Programm wird vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus und dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen getragen. Weitere Partner sind unter anderem das Sächsische Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung und das Landesamt für Archäologie Sachsen. Eine Fachjury aus Vertreterinnen und Vertretern des Kultusministeriums, des Landesamtes für Denkmalpflege und des Landesamtes für Archäologie hatte das Königsbrücker Projekt für die Auszeichnung ausgewählt.
Der »Tag des offenen Denkmals« stand in diesem Jahr unter dem Motto »NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur«. Er richtete den Blick auf historische Orte und Anlagen, die Menschen miteinander verbunden und das gesellschaftliche Leben geprägt haben – etwa Mühlen, Bergbauanlagen, Schulen, Versorgungsbauten, Verkehrswege und andere technische Denkmale. Zugleich lenkte er den Fokus auf die Netzwerke der Menschen, die sich gemeinsam für den Erhalt dieser Orte einsetzen.
Von bundesweit 6.500 Denkmalen konnten in Sachsen am »Tag des offenen Denkmals« rund 700 Denkmale besichtigt werden. Viele davon sind im Alltag nicht oder nur eingeschränkt zugänglich. Angeboten wurden unter anderem Führungen, Ausstellungen und Vorführungen. Der »Tag des offenen Denkmals« findet jährlich am zweiten Sonntag im September statt und wird bundesweit von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert.