Städtebauförderung 2026: Sechs neue Vorhaben im Programm »Wachstum und nachhaltige Erneuerung«
01.09.2026, 11:49 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Rund 23,6 Millionen Euro für neue Fördergebiete in Boxberg/O.L., Meerane, Meißen, Neukieritzsch, Penig und Wurzen
Der Freistaat Sachsen setzt die Bewilligungen für das Programmjahr 2026 in der Städtebauförderung fort. Nach den Programmen »Lebendige Zentren« und »Sozialer Zusammenhalt« starten nun auch die Bewilligungen für das Programm »Wachstum und nachhaltige Erneuerung«. Insgesamt erhalten 51 Städte und Gemeinden daraus rund 95,9 Millionen Euro zur Finanzierung ihrer städtebaulichen Vorhaben. Sechs Kommunen werden neu in das Programm aufgenommen: Boxberg/O.L., Meerane, Meißen, Neukieritzsch, Penig und Wurzen. Für ihre neuen Gesamtmaßnahmen stehen im Programmjahr 2026 Finanzhilfen in Höhe von rund 23,6 Millionen Euro bereit. Alle Bescheide werden in den kommenden Tagen durch die Sächsische Aufbaubank – Förderbank – zugestellt.
»Stadtentwicklung braucht einen langen Atem: Denn wir alle kennen Kommunen, die mit Leerstand, demografischem Wandel oder den Folgen früherer Nutzungen umgehen müssen und keine schnellen oder einfachen Lösungen aus dem Hut zaubern können. Deshalb unterstützen wir seit 2020 Kommunen bei dieser Aufgabe mit dem Städtebauförderprogramm ‚Wachstum und nachhaltige Erneuerung‘. Und der Bund ist auch mit im Boot«, erklärt Staatsministerin Regina Kraushaar. »Ich freue mich, dass wir jetzt sechs weiteren sächsischen Städten und Gemeinden mit neuen Fördergebieten Planungssicherheit für die nächsten Schritte geben können. Die Städtebaumittel sollen dort ankommen, wo sie im Alltag der Menschen einen Unterschied machen: in öffentlichen Räumen, in denen man sich gerne aufhält, in Stadtquartieren, die den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner entsprechen – beispielsweise in Bezug auf Barrierefreiheit oder Schattenplätze – und nicht zuletzt auch in Gebäuden, in denen wieder Leben einzieht. Denn auch das ist Städtebau: Leerstand beseitigen und damit Zuversicht schaffen«, so die Ministerin weiter.
Die neuen Gesamtmaßnahmen im Einzelnen
Die Gemeinde Boxberg/O.L. (Landkreis Görlitz) wird mit der Gesamtmaßnahme »Ortsmitte« neu in das Programm aufgenommen. Sie erhält in diesem Jahr 2,4 Millionen Euro. Das Fördergebiet folgt den Prinzipien des DDR-Städtebaus – mit zentralen Einrichtungen der Daseinsvorsorge wie Schule, Kita, Verwaltung, Feuerwehr, ärztlicher Versorgung und den Wohngebäuden in Zeilen- und Blockbauweise aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Die bestehenden Grundstrukturen weisen deutliche bauliche, funktionale sowie gestalterische Defizite auf. Es fehlt an einer zentralen Mitte. Boxberg ist vom demografischen Wandel durch Bevölkerungsrückgang und Überalterung betroffen. Der Ort wird zudem maßgeblich durch den Kohleausstieg sowie die geplante Stilllegung des Kraftwerks Boxberg Ende 2038 geprägt sein. Die Gemeinde möchte nun mit Hilfe der Städtebauförderung durch eine klimagerechte Freiraumgestaltung und die Gestaltung des Marktplatzes eine neue Ortsmitte schaffen. Außerdem sind die Sanierung und Anpassung von Gemeinbedarfs- und Folgeeinrichtungen, die Anpassung bzw. Sanierung von Wohngebäuden und die Gestaltung des Wohnumfeldes vorgesehen. Für die Umsetzung stehen der Gemeinde bis 2038 insgesamt 10,1 Millionen Euro in Aussicht.
Die Stadt Meerane (Landkreis Zwickau) wird mit der Gesamtmaßnahme »Crimmitschauer Viertel« neu ins Programm aufgenommen und erhält in diesem Jahr Fördermittel in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro. Das Crimmitschauer Viertel ist durch eine Blockstruktur gekennzeichnet und ein historisch bedeutsamer Wohnstandort. Es übernimmt Versorgungsfunktionen für Betreuung, Bildung, Naherholung und Einzelhandel. Geplant ist unter anderem die Sanierung des Wettiner Platzes, einer der ältesten und bedeutendsten Platzanlagen der Stadt. Die während der Blütezeit Meeranes entstandenen Industriegebäude stehen größtenteils leer. Deshalb möchte die Stadt die Sanierung der ehemaligen Segeltuchfabrik unterstützen und damit eine neue Nutzung ermöglichen. Neben der Sanierung von Gebäuden soll auch die Modernisierung zweier Kindertagesstätten mit den Fördermitteln unterstützt werden. Für die Umsetzung der Maßnahmen kann die Stadt bis 2040 mit insgesamt 9,6 Millionen Euro rechnen.
In Meißen (Landkreis Meißen) wird die Gesamtmaßnahme »Bohnitzsch/Nassau« neu aufgenommen. In diesem Jahr werden rund 1,9 Millionen Euro bereitgestellt. Das Gebiet umfasst relativ junge Siedlungsbereiche, zum Teil erst zu DDR-Zeiten entstanden. Dazu zählen Gewerbeansiedlungen und Wohngebiete des industriellen Wohnungsbaus. Die Stadt Meißen plant unter anderem, den öffentlichen Park am Elblandklinikum neu zu gestalten sowie Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen am Freizeitbad Wellenspiel durchzuführen. Vorgesehen sind außerdem die Konsolidierung von Gewerbeflächen, die Entwicklung von Grünräumen sowie die Sanierung privater Gebäude und mehrerer Kindertagesstätten. Für die Umsetzung der Maßnahmen kann die Stadt bis 2040 mit insgesamt 13,7 Millionen Euro rechnen.
Die Gemeinde Neukieritzsch (Landkreis Leipzig) erhält für die Gesamtmaßnahme »Vitales Zentrum Deutzen« in diesem Jahr rund 5,4 Millionen Euro. Das Fördergebiet konzentriert sich auf den Ortskern Deutzen mit seinen bestehenden Infrastruktureinrichtungen. Die Gemeinde Neukieritzsch mit dem Ortsteil Deutzen ist geprägt vom Braunkohlebergbau im Mitteldeutschen Revier und der Abwanderung vor allem junger Menschen in den letzten Jahrzehnten. Es bestehen deutliche städtebauliche Missstände in Bezug auf den Leerstand von Wohnungen und Gewerbeflächen sowie in der Nahversorgung. Mit den Fördermitteln soll das Gemeindegebiet durch verschiedene Maßnahmen aufgewertet werden. Dazu gehören unter anderem die Sanierung des Marktplatzes, die energetische Sanierung der Begegnungsstätte mit Bibliothek, die Anpassung des Gebäudebestandes an aktuelle Erfordernisse sowie die Sanierung der Kirche und der Sport- und Freizeitanlage. Für die Umsetzung der Maßnahmen kann die Gemeinde bis 2038 mit insgesamt 10 Millionen Euro rechnen.
Die Stadt Penig (Landkreis Mittelsachsen) wird mit der Gesamtmaßnahme »Innenstadtkulisse um das historische Brauhaus Penig« neu in das Programm aufgenommen. Für das Fördergebiet stehen rund 6,1 Millionen Euro zur Verfügung. Das Fördergebiet ist durch seinen mittelalterlichen Grundriss, enge Gassen und eine weitgehend geschlossene Blockrandbebauung charakterisiert. Ziel ist, ein nachhaltiges Altstadtquartier zu entwickeln, das resilient gegenüber demografischen und strukturellen Veränderungen ist. Das Areal um das historische Brauhaus Penig – eine seit 2013 leerstehende Industriebrache – soll dabei zu einem multifunktionalen Standort mit hoher Identitätskraft transformiert werden. Ein weiterer zentraler Baustein zur Aufwertung des Kerngebiets ist die denkmalgerechte Sanierung prägender, teils stark sanierungsbedürftiger Gebäude. Weiterhin möchte die Stadt den Marktplatz und die Schlossstraße aufwerten, den Geh- und Radweg sowie den angrenzenden Park entlang der Stadtmauer gestalten. Für die Umsetzung der Maßnahmen kann die Stadt bis 2040 mit insgesamt 12,3 Millionen Euro rechnen.
Die Stadt Wurzen (Landkreis Leipzig) erhält für die Gesamtmaßnahme »Vorstadt Nord« Städtebaufördermittel in Höhe von rund 3,4 Millionen Euro. Es handelt sich um ein geschlossenes Stadtquartier nördlich der Altstadt, das durch eine funktionale Verbindung von Wohnen, Bildung, Gesundheit, Freizeit und öffentlicher Daseinsvorsorge geprägt ist. Ziel ist es, die Lebensqualität im Quartier zu erhöhen und es für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen attraktiver zu machen. Grün- und Bewegungsräume sollen aufgewertet, Kitas und Schulen stärker in die Bildungsinfrastruktur eingebunden und Sportanlagen als Orte sozialer Begegnung entwickelt werden. Dazu plant die Stadt unter anderem die Neugestaltung des Stadtparks, die Herrichtung des Stadtteil- und Jugendtreffs, die energetische Sanierung von Wohngebäuden und die Sanierung der Grundschule mit ihren Außenanlagen. Für die Umsetzung der Maßnahmen kann die Stadt bis 2037 mit insgesamt 10,5 Millionen Euro rechnen.
Hintergrund
Die Städtebauförderung ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen. In Sachsen wird sie über die Programme »Lebendige Zentren«, »Sozialer Zusammenhalt« sowie »Wachstum und nachhaltige Erneuerung« umgesetzt.
Das Programm »Wachstum und nachhaltige Erneuerung« unterstützt insbesondere Kommunen bei der Bewältigung des wirtschaftlichen und demografischen Wandels. Im Mittelpunkt stehen Gebiete, die von städtebaulichen Funktionsverlusten, Strukturveränderungen, Leerstand oder Sanierungsbedarf betroffen sind. Die Förderung hilft den Kommunen, Quartiere und Ortsmitten nachhaltig weiterzuentwickeln und frühzeitig auf neue städtebauliche Anforderungen zu reagieren.
Gefördert werden keine Einzelprojekte, sondern abgegrenzte Fördergebiete mit mehreren aufeinander abgestimmten Maßnahmen. In dem Programm werden 113 Gesamtmaßnahmen in 79 Kommunen unterstützt (Stichtag: 31.12.2025).