Digitalisierung und Robotik im Gesundheitswesen: Staatsministerin Köpping wertet Reise nach Südkorea als Erfolg für den Freistaat
24.08.2026, 11:19 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Gesundheitsministerin Petra Köpping hat ein positives Fazit ihrer Reise (16. bis 21. August) nach Südkorea gezogen: »Südkorea steht vor ganz ähnlichen Herausforderungen wie Sachsen und auch Deutschland. Insbesondere der demografische Wandel ist dort angesichts der niedrigsten Geburtenrate weltweit mit 0,7 genauso ein Thema. Die Auswirkungen sind dort sogar noch schneller und stärker zu spüren. Genauso ist in Südkorea der Fachkräftemangel eine Herausforderung, dem aktiv begegnet werden muss. In Südkorea konnten wir uns ganz konkret vor Ort anschauen, wie digitale Technologie und Lösungen im Gesundheitswesen eingesetzt werden, um auch weiterhin eine effiziente und patientenorientierte Gesundheitsversorgung sicherzustellen.«
Begleitet wurde Staatsministerin Köpping unter anderem von Führungskräften mehrerer sächsischer Krankenhäuser und Trägern von Pflegeeinrichtungen, Wohlfahrtsverbänden und berufsständigen Vertretungen sowie Mitgliedern des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt im Sächsischen Landtag und der kommunalen Ebene.
Im Zentrum der Reise stand der Besuch der Fachmesse »K-Hospital + Healthtech Fair« (KHF) in Seoul. Die Delegation aus Sachsen hat sich dort über die Trends der digitalen Transformation im Gesundheitswesen informiert. Südkorea zählt zu den innovativsten Gesundheitsmärkten Asiens – u.a. wegen des hohen Digitalisierungsgrades.
Staatsministerin Köpping: »Der Grad der Digitalisierung in Südkorea ist durchaus beeindruckend. Digitalisierung, KI und Robotik wird breit eingesetzt und ist im Alltag viel selbstverständlicher als bei uns. Es gibt hier eine große Offenheit für technische Innovationen, die im Alltag zum Wohle von Patienten und Personal eingesetzt werden. Dennoch konnten wir als sächsische Delegation feststellen, dass auch bei uns die Entwicklung voranschreitet und wir uns nicht verstecken müssen. Viele der auf der Messe ausgestellten Softwarelösungen oder Hilfsmittel sind bereits in Deutschland im Einsatz.«
Zudem hat die Delegation das »National Rehabilitation Center« besucht. Die staatliche Einrichtung widmet sich der medizinischen Rehabilitation, Forschung und Entwicklung moderner Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen sowie Senioren. Das Center betreibt ein Ausstellungszentrum für Assistenztechnologien und ein Praxislabor für Pflegeroboter sowie KI für mehr Selbständigkeit im Alter. Außerdem informierte sich die Delegation im »Seoul Dongbu Senior Care Center«. Die städtische Senioreneinrichtung bietet sowohl stationäre Langzeitpflege als auch eine Tagesbetreuung für ältere und pflegebedürftige Menschen an.
Staatsministerin Köpping: »Digitalisierung, KI und Robotik greifen ineinander. Aber auch in Südkorea zeigt sich, dass die Digitalisierung erstmal neben der finanziellen auch eine zeitliche und auch personelle Investition bedeutet. Der Nutzen zeigt sich aber im Alltag. Ein Beispiel: Roboter werden in Pflegeheimen gegen Einsamkeit eingesetzt. Sie rollen im Pflegeheim über den Flur und machen gute Laune, man kann sich mit ihnen unterhalten und erhält Reaktionen. Die Technik wird dort viel selbstverständlicher eingesetzt.«
Des Weiteren standen Besuche in zwei Krankenhäusern auf der Agenda. Das Hallym University Sacred Heart Hospital nutzt seit 2019 ein digitales Kontrollzentrum (»Command Center«) für IoT-Patientenüberwachung (auch Internet of Medical Things oder IoMT genannt), Echtzeit-Tracking (RTLS) und optimierte Arbeitsabläufe. Besucher erleben zudem den Praxisalltag von 77 Servicerobotern (11 Typen), die in Logistik, Desinfektion und Pflege bereits über 60.000 Einsätze absolviert haben. Das Samsung Medical Center gilt als Pionier des »Smart Hospitals«. Durch papierlose Abläufe, automatisierte Logistik und Roboter-Unterstützung wird das Fachpersonal spürbar entlastet, was die Fluktuationsrate beim Pflegepersonal deutlich senkte.
Gesundheitsministerin Petra Köpping: »Der Besuch der Krankenhäuser in Seoul war für die sächsische Delegation beeindruckend und lehrreich. In einem Krankenhaus wurden die Stationen komplett per Roboter von ihrer Krankenhausapotheke mit Medikamenten beliefert. So werden Fehler bei der Medikamentenabgabe vermieden, es spart Zeit und Personal.«
Staatsministerin Köpping abschließend: »Das deutsche Gesundheitssystem wird ja gerne und viel kritisiert. Was wir vor Ort festgestellt haben: Südkorea hat ein großes Interesse, auch von uns zu lernen. Zum Beispiel schauen sie sich unser Krankenkassen-System an. Südkorea ist an unseren Lösungen interessiert, was mich sehr gefreut hat. Wir diskutieren auf Augenhöhe. Wir wurden beispielsweise nach unseren Maßnahmen zur Gewinnung von Ärzten und Pflegern gefragt. Da sind wir nach meinem Eindruck ein Stück weiter. Wir haben in Sachsen allein vier Nachwuchsprogramme: Landarztquote, Zahnarztquote, Hausarztstipendium und wir finanzieren die Studiengebühren von bis zu 20 Medizin-Studienplätzen pro Jahr an der Universität Pécs (Ungarn). Alles zielt darauf ab, Ärztinnen und Ärzte auch in ländliche Regionen zu holen, um dort die Versorgung sicherzustellen. Wir haben damit auch ein Stück weit Erfolg – es gibt erste Absolventen dieser Programme und wir konnten die Zahl der unbesetzten Praxen senken. Bei der Pflege verzeichneten wir zuletzt einen erfreulichen Aufwuchs bei den Ausbildungszahlen um 15 Prozent. Da wurden unsere südkoreanischen Gesprächspartner durchaus hellhörig. Wir müssen uns also nicht verstecken. Es gibt ein großes Interesse an Maßnahmen, medizinisches Personal dort hinzubekommen, wo sie fehlen – nämlich genauso wie bei uns vor allem auf dem Land. Daher habe ich die südkoreanische Krankenhausgesellschaft für einen weiteren und vertieften Austausch nach Sachsen eingeladen.«