Theresia Schön / Rejza Šěnowa erhält Preis für sorbische Sprache Zejler-Preis 2026

29.07.2026, 11:02 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Feierliche Preisverleihung in Kamenz

Der Preis für sorbische Sprache Zejler-Preis wird in diesem Jahr an Theresia Schön / Rejza Šěnowa verliehen. Die siebenköpfige Jury des Preises hatte die Preisträgerin der Sächsischen Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, für ihre lebenslangen, vielseitigen und herausragenden Verdienste auf dem Gebiet der sorbischen Bildung, Übersetzung und der Publizistik empfohlen.

Der mit 5.000 Euro dotierte Zejler-Preis der Sächsischen Staatsministerin für Kultur und Tourismus prämiert herausragende oder beispielhafte Leistungen auf dem Gebiet des Erwerbs, des Gebrauchs sowie der Vermittlung der sorbischen Sprache. Die Veranstaltung zur Preisverleihung ist für Mittwoch, 9. September 2026, 18 Uhr, in der Klosterkirche und Sakralmuseum St. Annen in Kamenz geplant.

»Ich gratuliere der neuen Preisträgerin herzlich und freue mich, dass mit diesem Preis ihr umfassendes Engagement offiziell gewürdigt wird. Das Wirken von Theresia Schön / Rejza Šěnowa ist in seiner Vielseitigkeit, fachlichen Kompetenz und langjährigen Kontinuität herausragend und Ausdruck ihrer tiefen Verbundenheit mit der sorbischen Sprache und Kultur. Ganz besonders ist ihr bedeutendes Engagement und ihr Beitrag zur Weitergabe der sorbischen Sprache an nachfolgende Generationen zu würdigen.«, betont Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch.

Theresia Schön / Rejza Šěnowa wurde am 6. Juni 1951 geboren und wuchs in Caßlau auf. Nach dem Abitur an der Sorbischen erweiterten Oberschule in Bautzen, studierte sie in Halle Biologie und Chemie auf Lehramt. Sie unterrichtete an Schulen in Neudorf, in Großwelka und seit 1986 an der SEOS in Bautzen.

In der Wendezeit wirkte Theresia Schön / Rejza Šěnowa aktiv in der Initiativgruppe der Sorbischen Volksversammlung (1989–1991) mit und war Mitglied der Arbeitsgruppe »Schulwesen«. Zugleich war sie 1991 Mitgründerin des Sorbischen Schulvereins e.V. und von 1991 bis 1999 stellvertretende Vorsitzende. In dieser Zeit wurden ihr Interesse für die sorbische Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die Geschichte der sorbischen Schulen, insbesondere der Vorgängereinrichtungen des Sorbischen Gymnasiums Bautzen, geweckt. Daraus entstand später die Publikation »Serbski gymnazij. 50 lět serbske wyše šulstwo« (Sorbisches Gymnasium. 50 Jahre sorbisches Oberschulwesen), erschienen 1997 und in einer zweiten, erweiterten Auflage 2002.

Im Jahr 1992 übernahm Theresia Schön / Rejza Šěnowa die Leitung des Sorbischen Gymnasiums, wo sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen innovative, kreative Wege beschritt. Die Stärkung des Prestiges der sorbischen Sprache war ihr stets eine große Herzensangelegenheit. Die Herausforderung bestand zur damaligen Zeit im Aufbau eines Kurssystems in der Sekundarstufe II. Auch mit ihrer Hilfe und Unterstützung wurde erreicht, dass das Fach Sorbisch gleichberechtigt neben Deutsch als Abiturfach von der Kultusministerkonferenz anerkannt wurde. Sie setzte sich beständig für die zweisprachige Bildung in allen Fächern ein. Dafür suchte sie Beispiele in Minderheitenschulen im Ausland und fand diese im Gymnasium für Slowenen in Klagenfurt. Der hier erlebte zweisprachige Unterricht war wegweisend für sie und ihre Kollegen beim Aufbau des eigenen naturwissenschaftlichen Unterrichts. Partnerschaften zu weiteren Gymnasien für Minderheiten oder ins slawische Ausland und der Schüleraustausch mit ihnen waren ein wichtiger Punkt im Schulprogramm. So wird beispielsweise seit 1996 eine gegenseitig befruchtende Beziehung mit wertvollen gemeinsamen Projekten mit dem Bischöflichen Gymnasium in Varnsdorf geführt, der ehemals ersten gymnasialen Bildungsstätte für sorbische Kinder und Jugendliche von 1945 bis 1949 in Tschechien.

Gezielt nahm sie sich des sorbischen Lehrerinnen- und Lehrernachwuchses an. Leidenschaftlich unterstützte sie das Wirken des Sorbischen Jugendensembles am Sorbischen Gymnasium Bautzen / 1. serbska kulturna brigada und der Theatergruppe. Sie regte Projekte auf dem Gebiet der Literatur, Naturforschung und des Sports an. Theresia Schön / Rejza Šěnowa war es wichtig, dass sich die Gymnasiasten kritisch mit gesellschaftlichen Erscheinungen auseinandersetzen und selbst Ideen hervorbringen. Während ihrer Leitung gründeten Schüler den Gymnasialverein Societas Slavica Budissinensis. Viele kreative Ideen entstanden damals, unter anderem das sorbischsprachige Spiel »Swěca abo měca« oder regelmäßige Besuche in WITAJ-Kindergärten zur Sprachförderung.

Theresia Schön / Rejza Šěnowa ist Autorin zahlreicher Beiträge, veröffentlicht in der Tageszeitung »Serbske Nowiny« und insbesondere in deren Wochenendbeilage »Předźenak«, in der Kulturzeitschrift »Rozhlad« sowie der pädagogischen Zeitschrift »Serbska šula«. Akribisch recherchiert sind ihre Rezensionen über Kunst- und Fotoausstellungen sowie über aktuelle sorbische Literatur und Theateraufführungen. Gleiches trifft auf ihre Beiträge über verdienstvolle Persönlichkeiten zu. Für das Fotobuch von Maćij Bulank »Jutry doma« (Ostern zu Hause) hat sie die Texte zusammengestellt (Bautzen 2020). Außerdem tritt sie regelmäßig als Übersetzerin auf, u. a. für das Buch »Ptači kwas« (Vogelhochzeit) von Gisela Bruck (Bautzen 2014) oder die Ortschronik »Worklecy. Něhdy a dźensa = Räckelwitz. Einst und heute« von Benno Walde und Eckhard Kliemann (Bautzen 2020). In diesem Jahr erschien ihre Übersetzung von Otfried Preußlers Kinderbuch »Das kleine Gespenst« ins Obersorbische im Veles-Verlag Leipzig und »Erlebe die Natur« aus der BOOKii-Reihe im Domowina-Verlag Bautzen.

Stets hat sich Theresia Schön / Rejza Šěnowa für die Entwicklung sorbischsprachiger Materialien in allen Schulfächern eingesetzt. In den vergangenen 15 Jahren übersetzte sie gemeinsam mit anderen im Auftrag des WITAJ-Sprachzentrums Lehrbücher in den Fächern Biologie und Geschichte. Theresia Schön / Rejza Šěnowa gehört aktuell zu den besten Kennerinnen der obersorbischen Terminologie im Fach Biologie und steht bis heute als Fachberaterin dem WITAJ-Sprachzentrum zur Verfügung; bis 2025 gehörte sie dem dortigen Fachbeirat an. 2025 erschien die von ihr umfassend überarbeitete zweisprachige Terminologie für das Schulfach Biologie. Dieses Jahr erschien die Broschüre »Hdyž so zela zelenja« (Wenn die Kräuter grünen), für die sie ebenfalls die fachliche Beratung übernahm. Für den Findlingspark in Nochten tätigte sie verschiedene Übersetzungen der dortigen Ausstellungs- und Informationstexte. Innerhalb des MoSaiKTeiL-Projektes der Naturforschenden Gesellschaft Oberlausitz e.V. übersetzte sie die naturkundlichen Webseiteninhalte ins Obersorbische.

Theresia Schön / Rejza Šěnowa engagiert sich im Förderverein für das Sorbische Museum und ist Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz.

Ihre breit angelegten Anstrengungen für die sorbische Sprache, die bereits während ihrer aktiven Berufszeit die üblichen Erwartungen weit überragten, hat Theresia Schön / Rejza Šěnowa insbesondere im Ruhestand (seit Juli 2011) fortgeführt. Bis heute hat sie sich beim Ausbau und der Stärkung der sorbischen Fachterminologie im Fach Biologie dauerhafte Verdienste erworben. Ihre Rezensionen und Berichte in Zeitungen und Zeitschriften sowie ihre Übersetzertätigkeiten zeugen von ihrem vielseitigen Interesse und ihrer hohen sprachlichen Kompetenz.

In der Begründung der Jury heißt es in sorbischer Sprache: Rejzy Šěnowej spožči so myto za serbsku rěč 2026 Myto Zejlerja za jeje mnohostronske a wusahowace zasłužby na polu serbskeho kubłanja, přełožowanja a publicistiki.

Der Preis, der seit 2014 alle zwei Jahre verliehen wird, trägt den Namen des Dichters, Publizisten und Theologen Handrij Zejler (1804 -1872), der als Begründer der modernen sorbischen Literatur gilt.


Kontakt

Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus

Pressesprecher Jörg Förster
Telefon: +49 351 564 60620
E-Mail: presse.kt@smwk.sachsen.de
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