Hausärztliche Versorgung in Sachsen: Zweiter Evaluationsbericht zur Landarztquote vorgestellt - 575 Teilnehmer in allen drei Nachwuchsprogrammen

16.06.2026, 13:24 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Staatsministerin Köpping: »Wir brauchen junge Medizinerinnen und Mediziner, die sich für den Beruf des Landarztes begeistern«

Gesundheitsministerin Petra Köpping hat heute im Kabinett den Zweiten Evaluationsbericht zum Sächsischen Landarztgesetz vorgestellt. Der Bericht gibt einen aktuellen Überblick über die Umsetzung der Landarztquote in den Jahren 2022 bis 2025 und beschreibt die bisherigen Erfahrungen mit diesem Instrument zur Stärkung der vertragsärztlichen Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen Sachsens.

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Zahl der Bewerbenden ist bis zum Jahr 2024 gestiegen – von 67 im Jahr 2022 auf 130 im Jahr 2024. Im Bewerbungsdurchgang 2025 konnte mit 104 keine Steigerung der Bewerberzahlen verzeichnet werden. 2026 waren es 100 Bewerbungen für die 40 Studienplätze. Diese Entwicklung dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass mittlerweile 11 Bundesländer eine Landarztquote eingeführt haben. Bei jeder dritten Bewerbung kann davon ausgegangen werden, dass sich die bewerbende Person auch in anderen Bundesländern beworben hat.

Das Durchschnittsalter der Bewerbenden lag auch 2025 bei 21 Jahren. Zwei Drittel stammen aus Sachsen oder haben hier ihren Wohnsitz. Dies spricht für eine starke Verbundenheit mit dem Freistaat und die Bereitschaft, langfristig in Sachsen vertragsärztlich tätig zu werden.

Positive Rückschlüsse auf die Studienzufriedenheit lässt eine anonyme Umfrage unter den Landarztstudierenden an der TU Dresden sowie der Universität Leipzig zu. Nahezu alle der an der Befragung teilgenommenen Landarztstudierenden würden sich erneut für ein Studium im Rahmen der Landarztquote entscheiden.

Gesundheitsministerin Petra Köpping betont: »Der Ärztemangel stellt weiterhin eine bundesweite Herausforderung dar, der wir uns gemeinsam mit unseren Partnern, wie der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, stellen. Mit der Landarztquote verfügen wir über ein modernes und zukunftsorientiertes Instrument, das engagierten jungen Menschen den Weg in die Medizin und die ärztliche Versorgung insbesondere im ländlichen Raum ermöglicht. Wir brauchen junge Medizinerinnen und Mediziner, die sich für den Beruf des Landarztes begeistern und sich in ländlichen Regionen niederlassen wollen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass unser Ansatz auf großes Interesse stößt und wir mit der Unterstützung unserer Partner einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Freistaat leisten. Insbesondere auf dem Land haben wir einen steigenden Versorgungsbedarf bei rückläufigen Versorgungsangeboten. Daher bedarf es auch weiterhin einer gezielten und bedarfsorientierten Steuerung von Medizinstudierenden im Rahmen der Landarztquote.«

Derzeit gibt es 575 Programmteilnehmerinnen und Programmteilnehmer, die in den drei Nachwuchsprogrammen des Sozialministeriums und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen für die hausärztliche Versorgung studieren. Neben der Landarztquote sind diese das Hausarztstipendium und das Medizinstudium an der ungarischen Universität Pécs (Programm »Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen«). Dazu kommt die neu eingeführte Landzahnarztquote.

Staatsministerin Köpping abschließend: »Die gute Nachricht ist: Unsere vielfältigen langfristigen Maßnahmen und Bemühungen zur Stärkung der ärztlichen Versorgung beginnen zu wirken. Die hausärztliche Versorgungssituation hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. Ein wichtiger Teil unserer Maßnahmen konzentriert sich auf die Ausbildung neuer Ärztinnen und Ärzte. Auch unsere Landzahnarztquote ist im Übrigen ein weiterer wichtiger Baustein, um die medizinische Versorgung in Sachsen sicherzustellen. Gleichwohl wird es nicht einfacher, um den medizinischen Nachwuchs zu werben. Auch andere Bundesländer haben ähnliche Programme aufgelegt, die natürlich zu einem Wettbewerb um die besten Köpfe führen. Wir setzen hier auf die Attraktivität der sächsischen Nachwuchsprogramme.«

Link zum Bericht: https://www.gesunde.sachsen.de/download/Zweiter-Evaluationsbericht-barrierefrei.pdf

Hintergrundinformationen:

Die Landarztquote wird jährlich evaluiert; der Bericht wird dem Sächsischen Landtag zur Kenntnisnahme übermittelt.

Die Landarztquote ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets der Staatsregierung, um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum langfristig zu sichern. Seit dem Wintersemester 2022/23 werden jährlich 40 Medizinstudienplätze über die Landarztquote vergeben: 22 in Leipzig, 15 in Dresden und 3 in Chemnitz. Diese Plätze werden aus dem regulären Studienplatzkontingent bereitgestellt und außerhalb des Numerus-Clausus-Regimes vergeben. Die Vergabe richtet sich insbesondere auch nach besonderer fachlicher und persönlicher Eignung sowie Motivation und Engagement für Menschen. Die Bewerbenden verpflichten sich in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag, nach Abschluss von Studium und Weiterbildung für zehn Jahre in einem sächsischen Bedarfsgebiet vertragsärztlich tätig zu sein. Aktuell befinden sich 143 Verpflichtete im Studium der Humanmedizin. Die ersten Absolventinnen und Absolventen werden ihr Medizinstudium voraussichtlich 2028/2029 abschließen und im Anschluss die mindestens fünfjährige fachärztliche Weiterbildung aufnehmen.

Die Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung ist zuvorderst Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. Sie wird durch die Staatsregierung unterstützt durch das »20-Punkte-Programm – Medizinische Versorgung 2030« mit zentralen Maßnahmen wie Nachwuchsprogramme, Hausarztstipendium, Förderung regionaler Weiterbildungsverbünde, Netzwerk »Ärzte für Sachsen« sowie die Schaffung zusätzlicher Medizinstudienplätze. Weitere Informationen: https://www.gesunde.sachsen.de/20-punkte-programm-medizinische-versorgung-2030-5214.html

Die hausärztliche Versorgungssituation hat sich im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht verbessert, bleibt seit der Einführung der Landarztquote aber angespannt. Diese Entwicklung vollzieht sich unabhängig davon, dass ein kontinuierlicher Anstieg der Zahl zugelassener Ärztinnen und Ärzte zu verzeichnen ist. Während im Jahr 1991 insgesamt rund 12.000 Ärztinnen und Ärzte in Sachsen registriert waren, lag deren Zahl im Jahr 2024 bei über 20.000. Dies liegt u.a. an einer steigenden Teilzeitquote, aber auch daran, dass immer mehr Ärztinnen und Ärzte angestellt arbeiten.

Der durchschnittliche Versorgungsgrad im hausärztlichen Bereich liegt bei 93,9 Prozent. In 3 von 48 Planungsbereichen (Werdau, Riesa, Torgau) wurde eine Unterversorgung festgestellt, in weiteren 29 von 48 Planungsbereichen drohende Unterversorgung. Aktuell gibt es in Sachsen ca. 2.600 Hausärztinnen und Hausärzte sowie 308,5 (vor einem Jahr: 371,5) unbesetzte Hausarztstellen vor allem im ländlichen Raum.

Weiterführende Informationen und Ansprechpartner zur Sächsischen Landarztquote finden Sie auf der Website der Landesdirektion Sachsen: https://lds.sachsen.de/soziales/?art_param=978


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Pressesprecherin Juliane Morgenroth
Telefon: +49 351 564 55055
Telefax: +49 351 564 55060
E-Mail: presse@sms.sachsen.de
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