Zwei Fraunhofer-Forschungspreise gehen nach Sachsen
10.06.2026, 18:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Erfolg für zwei sächsische Forschungsteams bei der Jahrestagung der Fraunhofer-Gesellschaft in Leipzig: Einer von drei Joseph-von-Fraunhofer-Preisen für herausragende wissenschaftliche Leistungen zur Lösung anwendungsnaher Probleme ging an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Keramische Technologien und Systeme Dresden (IKTS). Dieser Preis wird seit 1978 jährlich an Forscherinnen und Forscher in Fraunhofer-Einrichtungen verliehen. Das Institut für Photonische Mikrosysteme Dresden (IPMS) wurde mit dem Wissenschaftspreis des Stifterverbands gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft ausgezeichnet, der seit 20 Jahren vergeben wird. Er ist wissenschaftlich exzellenten Verbundprojekten der angewandten Forschung gewidmet, die Fraunhofer-Institute gemeinsam mit der Wirtschaft bearbeiten.
Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow: »Meine Anerkennung und herzlichen Glückwünsche gehen an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IKTS und des IPMS und an die Institute selbst. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat ihre diesjährige Jahrestagung unter das Motto »Transfer für unsere Zukunft gestellt« und trifft damit eines der Kernthemen der sächsischen Wissenschaftspolitik. Zukunftsentscheidend ist, dass aus exzellenter Forschung wirtschaftlicher Nutzen wird. Fraunhofer steht wie kaum eine andere Organisation für Transfer. Die Fraunhofer-Institute in Sachsen arbeiten beinahe symbiotisch, mit Unternehmen zusammen – vom Mittelstand bis zum internationalen Konzern. Sie unterstützen dabei, Innovationen schneller zur Marktreife zu bringen. Von diesem Zugriff auf das Know-how von Fraunhofer profitieren gerade kleine und mittlere Unternehmen. Innovation wird so nicht nur möglich, sondern auch skalierbar.«
Hintergrund:
Den mit 50.000 Euro dotierte Joseph-von-Fraunhofer-Preis erhalten Dr. Mihails Kusnezoff, Dr. Stefan Megel und Dr. Sindy Mosch vom IKTS. Sie haben die Effizienz der Hochtemperaturelektrolyse (Stichwort Grüner Wasserstoff) auf ein neues Niveau gehoben. Mit der Entwicklung des innovativen Fraunhofer-IKTS-Stacks haben die Forschenden eine Plattformtechnologie geschaffen, die gleichermaßen Elektrolyse, Brennstoffzellenbetrieb und reversible Anwendungen ermöglicht. Die Entwicklung des massenproduktionsfähigen, universell einsetzbaren Hochtemperaturelektrolyse-Stacks vereint Materialinnovation, Ausdauer und industrielle Fertigungstauglichkeit. Damit bildet der am Fraunhofer IKTS entwickelte Stack die Grundlage für die industrielle Nutzung von Strom und Abwärme für die hocheffiziente Wasserstoff- und Synthesegaserzeugung. Ein zentraler Meilenstein war die Errichtung einer ersten halb automatisierten Pilotfertigung.
Dem Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS, das den mit 30.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis erhielt, ist es gemeinsam mit seinem langjährigen Industriepartner GlobalFoundries gelungen, einen reproduzierbaren Ansatz zur Integration hafniumoxidbasierter ferroelektrischer FRAM Speicher in eine bestehende industrielle Fertigungstechnologie zu etablieren. Die Arbeiten von Dr. Franz Müller, Dr. Maximilian Lederer, Dr. Nandakishor Yadav und Konrad Seidel am Fraunhofer IPMS sowie von Dr. Sven Beyer und Dr. Robert Seidel bei Global Foundries beruhen auf einer konsequenten Co-Optimierung von Material, Schichtstapel, Prozess und Bauelement. Die Technologie ermöglicht besonders kompakte, schnelle und zugleich sehr zuverlässige Datenspeicher, die mit geringem Energiebedarf arbeiten und auch unter anspruchsvollen Bedingungen stabil funktionieren. Damit schafft sie die Grundlage für neuartige Speicherlösungen und energieeffiziente Rechenarchitekturen mit hohem Marktpotenzial in international stark umkämpften Halbleiterfertigungstechnologien
Das laufende UNESCO-Gedenkjahr 2026 erinnert an den 200. Todestag von Joseph von Fraunhofer.