Vom Kern zur Schale: ein Forschungsneubau der besonderen Art für die TU Chemnitz
14.04.2026, 10:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Materialforschung auf internationalem Niveau
Im neuen Forschungsbau der Technischen Universität Chemnitz am Universitätsstandort Erfenschlager Straße 73 wird künftig tief in die Materie gezoomt. Heute übergab Finanzstaatssekretär Sebastian Hecht den Schlüssel an Wissenschaftsstaatssekretärin Prof. Dr. Heike Graßmann und die Vertreterin des Rektors und Prorektorin für Forschung und Universitätsentwicklung der TU Chemnitz, Prof. Dr. Anja Strobel.
Das Gebäude bietet optimale Bedingungen für den Betrieb von zwei hochauflösenden Transmissionselektronenmikroskopen und einer Ionenfeinstrahlanlage. Diese Großgeräte sind von herausragender Bedeutung für die Materialforschung an der TU Chemnitz und werden durch die Fakultäten für Maschinenbau, Naturwissenschaften sowie Elektrotechnik und Informationstechnik genutzt.
Finanzstaatssekretär Sebastian Hecht: »Dieses Gebäude ist kein gewöhnlicher Neubau. Hier bestimmt der Kern die Schale. Im Zentrum stehen hochsensible Transmissionselektronenmikroskope in speziell abgeschirmten Messräumen. Der gesamte Bau wurde auf diese Anforderungen ausgerichtet und schafft optimale Bedingungen für Spitzenforschung. Die EU und der Freistaat Sachsen ermöglichen hier Forschungsinfrastruktur auf international höchstem Niveau. Die Investitionen von rund 13 Millionen Euro in den Bau und weiteren rund 7 Millionen Euro in die Großgeräte sind ein klares Bekenntnis zu exzellenter Wissenschaft in Sachsen.«
Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow: »Mit diesem Neubau und den beiden Elektronenmikroskopen rückt die TU Chemnitz auf dem Gebiet der Materialforschung wieder zur Weltspitze auf. Die anspruchsvollen technischen Besonderheiten, die das gesamte Ensemble bietet, gibt es an nur wenigen universitären Standorten. Neben den drei Fakultäten profitieren auch Partnereinrichtungen der Universität davon. Das trägt dazu bei, dass die TU Chemnitz weiter an Attraktivität für Spitzenforscherinnen und -forscher aus der ganzen Welt gewinnt. So stärken wir gleichzeitig die gesamte Wissenschaftsregion Südwestsachsen.«
Prof. Dr. Gerd Strohmeier, Rektor der TU Chemnitz: »Wir freuen uns an der TU Chemnitz riesig über die Einweihung des Transmissionselektronenmikroskopiezentrums. Dieses ist eine großartige Investition in die TU Chemnitz und damit den Wissenschaftsstandort Chemnitz, unsere Kernkompetenz Materialien und Intelligente Systeme sowie die nationale und internationale Sichtbarkeit unserer Universität. Wir bedanken uns sehr herzlich beim Freistaat Sachsen sowie bei allen Beteiligten, die den Aufbau des Zentrums tatkräftig unterstützt haben.«
Prof. Dr. Anja Strobel, Prorektorin für Forschung und Universitätsentwicklung der TU Chemnitz, die in Vertretung des Rektors den Schlüssel entgegennahm, fügte hinzu: "»Das neue Transmissionselektronenmikroskopiezentrum, das die Expertise aus verschiedenen Forschungsbereichen der TU Chemnitz vereint, stärkt in Forschung und Lehre maßgeblich den MINT-Bereich unserer Universität und schafft sehr attraktive Bedingungen für neue interdisziplinäre Forschungsvorhaben sowie die Gewinnung und Ausbildung unseres akademischen Nachwuchses, indem es Forschenden und Studierenden den Zugang zu neuesten Technologien und Methoden in der Materialwissenschaft ermöglicht."
Auf einer Grundfläche von rund 600 Quadratmetern entstand innerhalb von knapp zwei Jahren ein eingeschossiger Neubau. Im Kern des Hauses befinden sich in den speziell abgeschirmten und klimatisierten Messräumen die hochsensiblen Großgeräte, während in der umliegenden Gebäudehülle Labore, Büros und Gebäudetechnik untergebracht sind.
Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) errichtete das Gebäude von August 2023 bis Juli 2025. Anschließend begann der Einbau der Großgeräte, der bereits weit fortgeschritten ist. Im Sommer wird das neue Transmissionselektronenmikroskopiezentrum (TEM Zentrum) den Forschungsbetrieb aufnehmen.
Die Kosten für die Baumaßnahme belaufen sich auf rund 13 Millionen Euro. Davon stammen 7,4 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Weitere 5,7 Millionen Euro stellt der Freistaat Sachsen aus Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts bereit. Hinzu kommen rund 7 Millionen Euro für die Anschaffung der drei Großgeräte.
Hintergrund:
Mit dem Transmissionselektronenmikroskopiezentrum der Technischen Universität Chemnitz entsteht eine fakultätsübergreifende Plattform für Materialforschung, in der die Expertise aus verschiedenen Forschungsbereichen vereint ist.
Zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als 20 Professuren der Universität arbeiten hier gemeinsam daran, insbesondere die Kernkompetenz der TU Chemnitz im Bereich »Materialien und Intelligente Systeme« weiter auszubauen. Zugleich stärkt das Zentrum die internationale Sichtbarkeit des Forschungsstandortes Chemnitz auf einem zukunftsweisenden Gebiet.
Die hochempfindlichen Transmissionselektronenmikroskope ermöglichen es den Forschenden, die Struktur und Eigenschaften von Materialien auf molekularer und atomarer Ebene zu untersuchen. Auf diese Weise lassen sich z.B. Materialschäden äußerst detailliert analysieren und belastbare Aussagen über die Beanspruchung und Lebensdauer von Bauteilen treffen.
Ergänzt wird die Infrastruktur durch eine Ionenfeinstrahlanlage, mit der sich nur wenige Nanometer dünne Materialproben präzise und teilautomatisiert herstellen lassen. Diese Proben bilden die Grundlage für vertiefte Materialanalysen in den beiden neuen Transmissionselektronenmikroskopen.