Grenzraum erhält 12,91 Millionen Euro: 14 neue Interreg-Projekte für Sachsen und Tschechien beschlossen
27.03.2026, 11:16 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Kraushaar: »Interreg unterstützt verlässliche Partnerschaften und kluge Lösungen in Grenzregionen«
Der Begleitausschuss des Programms Interreg Sachsen – Tschechien 2021–2027 hat am 25. und 26. März 2026 in Ústí nad Labem die Förderung von 14 neuen grenzüberschreitenden Projekten beschlossen. Dafür stehen rund 12,91 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung. Die Vorhaben in der sächsisch-tschechischen Grenzregion decken ein breites thematisches Spektrum ab. Sie reichen von Fachkräftesicherung und Innovation über Forschung und Klimaschutz bis hin zu grenzüberschreitender Vernetzung von Unternehmen und Institutionen. Auch die Generalkonsulin der Tschechischen Republik in Dresden, Ivona Valhová, nahm an der Sitzung teil und kam mit den sächsischen wie tschechischen Vertretern ins Gespräch.
Zum Beschluss der neuen Förderprojekte sagt Staatsministerin Regina Kraushaar: »Die neuen Projekte bringen Ideen in die Region, stärken den Zusammenhalt und schaffen greifbaren Nutzen für die Menschen auf beiden Seiten der Grenze. Unsere Grenzregionen, die im Freistaat allesamt im ländlichen Raum verortet sind, brauchen verlässliche Partnerschaften und pragmatische Lösungen für ihre sehr speziellen Herausforderungen. Gut, dass es dafür Interreg gibt – ein weiterer guter Grund, dass wir diese Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Partnern entschlossen fortführen.«
Folgende Vorhaben werden beispielsweise finanziell unterstützt:
So entwickeln die Westsächsische Hochschule Zwickau und die Berufsschule in Cheb im Projekt »Intermezzo« erstmals ein gemeinsames deutsch-tschechisches Weiterbildungsangebot im Musikinstrumentenbau. Ziel ist es, dem Fachkräftemangel in der traditionsreichen Branche entgegenzuwirken und junge Menschen zusätzlich zu qualifizieren. Geplant sind praxisnahe Workshops, Projektwochen und digitale Lernangebote. Die Teilnehmenden sollen wissenschaftliche und handwerkliche Kompetenzen erwerben und gemeinsam Musikinstrumente entwickeln und bauen. Ergänzend entstehen Lehrmaterialien und Austauschformate, die langfristig in die Ausbildung einfließen sollen. Das Vorhaben wird von der EU mit 228.000 Euro gefördert.
Im Projekt »TransGEO« untersuchen die TU Bergakademie Freiberg, das Geophysikalische Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften mit Sitz in Prag, die Karls-Universität Prag und das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften in Potsdam das geothermische Potenzial im Vogtland und in Westböhmen. Durch Messungen und ein gemeinsames grenzüberschreitendes Untergrundmodell sollen die Nutzung klimafreundlicher geothermischer Energie verbessert und Erdbebenaktivitäten genauer überwacht werden. Vorgesehen sind unter anderem seismische und gravimetrische Messungen sowie der Aufbau eines gemeinsamen Erdbebenkatalogs. Das Projekt erhält rund 848.000 Euro aus EU-Mitteln.
Das Projekt »Saxon-Czech Innospace« wird von der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH, dem Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen, der AHK Services s.r.o. und der Plattform Kreativni.uk umgesetzt. Ziel ist der Aufbau eines grenzüberschreitenden Innovationsökosystems für kleine und mittlere Unternehmen in der sächsisch-tschechischen Grenzregion. Im Mittelpunkt stehen Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft, die Impulse für Innovationen in anderen Branchen geben können. In gemeinsamen Innovationswerkstätten sollen Unternehmen aus beiden Ländern neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln und erproben. Hinzu kommen Austausch- und Beratungsformate, Online-Lernangebote und eine digitale Wissensplattform. Diese soll Kooperationen erleichtern und den Zugang zu Marktinformationen verbessern. Für das Projekt sind rund 892.000 Euro aus EU-Mitteln vorgesehen.
Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung des bereits geförderten sächsisch-tschechischen Projekts »Basket@School«. Es war im Videowettbewerb 2025 des Programms mit dem Sonderpreis »Junges Engagement« ausgezeichnet worden. Das Projekt zeigt, wie Sport junge Menschen zusammenbringt und grenzüberschreitende Begegnungen fördert. Bei einer Vorführung im Sportzentrum »Sluneta« in Ústí nad Labem wurden auch die Mitglieder des Begleitausschusses selbst aktiv. Das freundschaftliche Basketballspiel stand sinnbildlich für den Gedanken des Programms: Zusammenarbeit im Grenzraum lebt vom Mitmachen, vom Austausch und vom gemeinsamen Einsatz.
Hintergrund
Für das Programm Interreg Sachsen – Tschechien 2021-2027 stehen bis 2027 rund 190 Millionen Euro zur Verfügung. Gefördert werden Projekte in den Bereichen Innovation, Klimaanpassung und Nachhaltigkeit, Bildung, Kultur, Tourismus sowie partnerschaftliche Zusammenarbeit. Der Begleitausschuss setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern beider Länder zusammen und entscheidet auf Basis geprüfter und bewerteter Projektanträge über die Förderung.