Studie zu veränderten Lebensentwürfen in Sachsen – Frauen planen seltener fest mit Kindern
19.03.2026, 14:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Familienministerin Köpping: »Als Freistaat werden wir weiterhin die geeigneten Bedingungen für die Gründung einer Familie bieten.«
Die Lebensentwürfe junger Frauen in Sachsen ändern sich. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie zur Familienplanung. So ist es für mehr als die Hälfte der Frauen in Sachsen (57 Prozent) fester Teil ihres Lebensentwurfs, Kinder zu bekommen. Zwölf Jahre zuvor war dies noch für 83 Prozent der Frauen in Sachsen selbstverständlich. Als Gründe für das Zurückstellen des Kinderwunsches werden häufig Sorgen wegen der aktuellen Krisen (31 Prozent), finanzielle Unsicherheit (30 Prozent) und das Fehlen einer passenden Partnerschaft (30 Prozent) genannt. Dies ist ein zentrales Ergebnis der länderspezifischen Auswertung der neuen Studie »frauen leben 4«. Sie beruht auf einer repräsentativen Befragung von 1.773 Frauen zwischen 20 und 44 Jahren zu Aspekten der Familienplanung wie Kinderwunsch, Schwangerschaften, Partnerschaft und Verhütung. Durchgeführt wurde sie zwischen Juli 2023 und August 2025 vom Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen Freiburg (SOFFI F).
Heute präsentierten das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) gemeinsam mit dem Sächsischen Sozialministerium im Rahmen einer gemeinsamen Tagung zentrale Ergebnisse der neuen Studie für das Bundesland Sachsen. Sie zeigen, wie Frauen im reproduktiven Alter leben und wie stark ihre Entscheidungen zur Familienplanung von gesellschaftlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst werden.
Petra Köpping, Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenarbeit: »Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Frauen heute ihr Leben sehr individuell planen und Kinder nicht mehr selbstverständlich zur Zukunftsplanung gehören. Die Entscheidung für Kinder wird wesentlich von den aktuellen Krisen beeinflusst und hängt stärker als früher von den gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen ab. Es ist uns wichtig, dass jungen Menschen mit Zuversicht in die Zukunft schauen und sich ein Leben mit Kindern vorstellen können. Als Freistaat werden wir weiterhin die geeigneten Bedingungen für die Gründung einer Familie bieten.«
Zentrale Ergebnisse für Sachsen im Überblick:
• Eine stabile Partnerschaft spielt für die Familiengründung eine wichtige Rolle, eine Heirat ist weniger wichtig: Bei der Geburt ihres ersten Kindes sind weniger als die Hälfte (45 Prozent) der Frauen in Sachsen verheiratet. Dennoch sind mehrjährige Partnerschaften bei der ersten Geburt mit einem Anteil von 79 Prozent die Regel. Die Hälfte der Frauen (50 Prozent) leben mindestens fünf Jahre in einer Beziehung, wenn sie ihr erstes Kind bekommen.
• Die Erwerbstätigkeit von Müttern wird in Sachsen als Selbstverständlichkeit angesehen: 92 Prozent möchten arbeiten, wenn das jüngste Kind drei Jahre alt ist. Bei Kindern im Grundschulalter sind es nahezu alle Frauen, wovon 45 Prozent eine Vollzeittätigkeit bevorzugen.
• Das Alter der Frauen bei ihrer ersten Geburt ist zwischen 2012 und 2024 um 1,3 Jahre auf 29,5 Jahre gestiegen. Ein Grund für diese Entwicklung ist der zunehmende Anteil von Hochschulabsolventinnen unter den 25- bis 34-jährigen Frauen, der im gleichen Zeitraum von 20 Prozent auf 38 Prozent gestiegen ist.
Zum Länderbericht Sachsen: https://www.sexualaufklaerung.de/publikation/st-fl4-sachsen?mtm_campaign=PM&mtm_source=BIOEG
Mehr Informationen zur Studie im Überblick: https://www.sexualaufklaerung.de/forschungsprojekt/frauen-leben-4/