Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Landkreis Nordsachsen als Risikogebiet eingestuft
26.02.2026, 15:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Gesundheitsministerin Köpping: »Infektionsrisiko ernst nehmen – Impfen lassen!«
Heute wurde durch das Robert-Koch-Institut (RKI) der Landkreis Nordsachsen als ein weiterer Kreis in Sachsen als FSME-Risikogebiet eingestuft. Somit gelten nun elf von dreizehn Landkreisen und Kreisfreien Städten in Sachsen als Risikogebiet. Oder anders formuliert: mit Ausnahme der Kreisfreien Stadt sowie des Landkreises Leipzig werden nunmehr alle sächsischen Landkreise und Kreisfreien Städte als FSME-Risikogebiete eingestuft (siehe Abbildung 1 in der Anlage zu dieser Medieninformation). Im Jahr 2014 wurde der Vogtlandkreis als erster Landkreis in Sachsen durch das RKI als FSME-Risikogebiet eingestuft. Weitere Regionen folgten ab dem Jahr 2018 (siehe Tabelle 1 in der Anlage zu dieser Medieninformation).
Zu FSME-Risikogebieten werden Regionen erklärt, in denen für Einwohner oder Besucher mit Zeckenexposition ein Erkrankungsrisiko besteht, das präventive Maßnahmen sprich vor allem die Empfehlung der verfügbaren Schutzimpfung gegen FSME begründet. Dieses Erkrankungsrisiko wird anhand der gemäß Infektionsschutzgesetz an das Gesundheitsamt und von dort weiter über die Landesuntersuchungsanstalt (LUA) Sachsen (als zuständige Landesstelle) an das Robert Koch-Institut gemeldeten FSME-Fälle der Vorjahre errechnet. In die Risikoberechnung werden nicht nur die im jeweiligen Landkreis bzw. Kreisfreien Stadt gemeldeten bzw. dort erworbenen Fälle einbezogen, sondern auch die Fallzahlen der angrenzenden Kreise. Auch die Deklaration des Landkreises Nordsachsen erfolgte nicht aufgrund der dort registrierten Fallzahlen innerhalb der letzten fünf Jahre, sondern vor allem anhand der Zahl der in den anliegenden Nachbarkreisen (Kreisregion) erworbenen Erkrankungen.
Gesundheitsministerin Petra Köpping: »Das Risiko einer Erkrankung steigt auch in Sachsen. Nahezu flächendeckend ist der Freistaat als Risikogebiet ausgewiesen. Wir wissen aber auch, wie wir der Gefahr effektiv begegnen können – und zwar mit Hilfe einer sicheren und verträglichen Impfung. Bitte nutzen Sie dafür die Möglichkeit der Beratung bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt!«
Im Jahr 2025 kamen im Freistaat Sachsen insgesamt 48 Erkrankungen an FSME zur Meldung. Die Infektionsorte lagen bei 45 Erkrankten sicher in Sachsen, zwei Patienten infizierten sich in Bayern, ein Patient in der Slowakei. Bei den Betroffenen (32 männlichen und 16 weiblichen Geschlechts) handelte es sich um 40 Erwachsene im Alter zwischen 20 und 81 Jahren sowie sechs Kinder im Alter zwischen 3 und 11 Jahren und zwei 15 bzw. 16 Jahre alte Jugendliche. Der Altersmedian betrug 44,5 Jahre. 30 der Erkrankten (63 %) litten nur unter grippalen Krankheitszeichen und Kopfschmerzen während 18 Patienten eine neurologische Symptomatik aufwiesen (Meningitis und Enzephalitis also Entzündung des Gehirns bzw. seiner Häute). Bis auf zwei Betroffene, die eine unvollständige Impfprophylaxe (zweimalige FSME-Impfung) belegen konnten sowie einen Infizierten mit vollständigem Impfstatus waren die Patienten nicht gegen FSME geimpft. Die Auswertung der über die kassenärztliche Vereinigung in Sachsen abgerechneten Impfdosen zeigt, dass im Jahr 2024 (Daten für 2025 liegen noch nicht vor) nur ca. 19,5 % der sächsischen Bevölkerung über einen ausreichenden Impfschutz gegen FSME verfügten.
Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Frühsommer-Meningoenzephalitis zu erkranken verhältnismäßig gering. Es wird geschätzt, dass in Risikogebieten zwischen 0,1 bis maximal 5 % aller Zecken das FSME-Virus in sich tragen, also ca. jede 100. Zecke. Allerdings kommt es nur bei 10 % der Zeckenstiche auch zur Infektion des Gestochenen. Und selbst eine Infektion verläuft dann in 70 bis 95 % der Fälle ohne Symptome. Wenn Krankheitszeichen auftreten, so sind dies (ca. eine Woche nach dem Zeckenstich) zunächst grippeähnliche Beschwerden und meistens bleibt es auch dabei. In einigen wenigen Fällen kommt es aber auch zu schweren Verläufen. Nach einem beschwerdefreien Intervall können dann ein bis drei Wochen nach der Infektion hohes Fieber, Entzündungen des Gehirns und seiner Häute, Lähmungen und komatöse Zustände auftreten. Die Zahl der schweren Verläufe steigt mit dem Lebensalter. 10 bis 20 % der Patienten leiden unter Folgeschäden und ca. 1 % der Betroffenen verstirbt an dem schweren Verlauf der Erkrankung. Da keine speziell wirksame Therapie zur Verfügung steht und im Krankheitsfall nur die Symptome behandelt werden können, bleibt neben der Vermeidung von Zeckenstichen bei Aufenthalt im Freien durch entsprechende Kleidung und die Verwendung von Repellents (auf die Haut aufgetragenen Schutzmitteln, die Zecken vertreiben bzw. fernhalten) die Schutzimpfung als einzige und sicherste wirksame Prophylaxe.
Der Begriff Frühsommer-Meningoenzephalitis lässt vermuten, dass die Erkrankung nur im Frühsommer auftritt. Da Zecken ab Temperaturen von ca. 7 Grad Celsius aktiv werden, stimmt dies nicht. Normalerweise dauert die »Zeckensaison" in Deutschland vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein (im Schnitt von März bis Oktober). Bei kälterer Witterung fallen Zecken in eine Art Starre, an milden Wintertagen können sie jedoch trotzdem aktiv sein und zustechen. Der Begriff Frühsommer beruht darauf, dass die Krankheit in diesem Zeitraum erstmals beschrieben wurde.
Veröffentlichung des RKI: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/epidemiologisches-bulletin-node.html