Vietnamesinnen für Rotlicht-Milieu eingeschleust: Durchsuchungen in fünf Bundesländern wegen bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern, Menschenhandels und Zwangsprostitution

26.02.2026, 13:49 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Medieninformation der Polizeidirektion Chemnitz Nr. 71|2026

Gemeinsame Medieninformation der Staatsanwaltschaft Chemnitz und der Polizeidirektion Chemnitz

Vietnamesinnen für Rotlicht-Milieu eingeschleust: Durchsuchungen in fünf Bundesländern wegen bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern, Menschenhandels und Zwangsprostitution

(598) Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Chemnitz durchsuchte die Kriminalpolizeiinspektion Chemnitz mit Unterstützungskräften am heutigen 26. Februar 2026 nahezu zeitgleich insgesamt 31 Objekte in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Thüringen und Berlin. Zugrunde liegt ein umfangreiches Struktur-Ermittlungsverfahren, das sich gegen drei mutmaßliche Haupttäter (w/47/vietnamesisch, m/42/vietnamesisch, m/47/deutsch) sowie eine Reihe von mutmaßlichen Mittätern deutscher, polnischer und vietnamesischer Staatsangehörigkeit richtet. Bei den Durchsuchungsobjekten handelte es sich um Privatwohnungen, Geschäftsräume bzw. Büros und Wohnungsbordelle.

Die polizeilichen Ermittlungen

Im Frühjahr 2024 stießen Ermittler der Chemnitzer Kriminalpolizei erstmals auf mehrere vietnamesische Frauen, die sich illegal im Bundesgebiet aufhielten und die in Chemnitz und Umgebung der illegalen Prostitution in Wohnungsbordellen nachgingen. Im Zuge der gemeinsam geführten Ermittlungen mit der Staatsanwaltschaft Chemnitz kam ein organisiertes Konstrukt aus Auftraggebern, Wohnungsgebern, Erotik-Anzeigen-Inserenten und Geldabholern zum Vorschein. Dieses Konstrukt hatte seinen Dreh- und Angelpunkt in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) und erstreckte sich in weitere Städte bzw. Bundesländer.

Offenbar wurden junge Frauen in Vietnam gezielt mit dem Versprechen einer gut bezahlten legalen Tätigkeit in Deutschland angeworben und ins Land gebracht. Hier wurden ihnen die Reisepässe und Kommunikationsmittel abgenommen, sie in diverse Bordellwohnungen im Bundesgebiet verbracht und ihnen mit Nachdruck verdeutlicht, dass sie sich zum eigenen und zum Wohl ihrer Familien prostituieren müssen.

Im Ergebnis der zweijährigen Ermittlungen erwirkte die Staatsanwaltschaft Chemnitz gegen die drei mutmaßlichen Haupttäter Haftbefehle bei der zuständigen Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Chemnitz wegen banden- und gewerbsmäßigem Einschleusen von Ausländern und weitere Durchsuchungsbeschlüsse gegen die mutmaßlichen Mittäter.

Durchsuchungsorte

– Sachsen-Anhalt: Halle/Saale, Lutherstadt-Eisleben, Zeitz, Merseburg und Dessau-Roßlau
– Sachsen: Chemnitz, Leipzig, Markkleeberg, Reichenbach/Vogtland
– Thüringen: Erfurt, Sömmerda
– Berlin: Bezirk Lichtenberg, Bezirk Marzahn-Hellersdorf
– Niedersachsen: Wolfsburg

Wesentliche Ergebnisse der Durchsuchungen

Die Ermittler trafen in Halle/Saale die 47-Jährige, ihren 42-jährigen Bruder sowie den 47-jährigen Lebensgefährten der Frau an und nahmen sie widerstandslos fest. Zudem stellten die Einsatzkräfte in diversen Bordellwohnungen in den fünf Bundesländern insgesamt 19 vietnamesische Frauen fest, die offenkundig der illegalen Prostitution nachgingen. An den Durchsuchungsorten wurden darüber hinaus insgesamt rund 214.000 Euro sichergestellt, wobei die Polizistinnen und Polizisten allein
ca. 145.000 Euro in der gemeinsamen Hallenser Wohnung der beiden mutmaßlichen vietnamesischen Haupttäter entdeckten. Weitere Asservate: Dutzende Handys, Computertechnik bzw. Speichermedien, umfangreicher Schriftverkehr, etwa
33.000 Euro Falschgeld (Fund in einer Berliner Wohnung eines tatverdächtigen Unterstützers), verschreibungspflichtige Medikamente unbekannter Herkunft sowie eine Schreckschusswaffe (Fund in Leipziger Wohnung eines tatverdächtigen Unterstützers).

Die drei festgenommen mutmaßlichen Haupttäter wurden für die weiteren notwendigen polizeilichen Maßnahmen nach Chemnitz verbracht. Sie sollen am morgigen Tag einem Ermittlungsrichter am zuständigen Amtsgericht vorgeführt werden.

Mit den heutigen Exekutivmaßnahmen sind die Ermittlungen der Kriminalpolizeiinspektion Chemnitz und der Staatsanwaltschaft Chemnitz mitnichten beendet. Im Weiteren wird es unter anderem darum gehen, die sichergestellten Beweismittel auszuwerten, um weitere Erkenntnisse über die Schleusungswege, die Ausgestaltung der illegalen Prostitution und die dadurch erzielten Geldbeträge zu erhalten. Die 19 festgestellten vietnamesischen Frauen sind indes erkennungsdienstlich behandelt worden. Zudem wurden ihnen durch Opferschutzbeauftragte der Polizei sowie Mitarbeiter einer Hilfsorganisation Unterstützungsangebote eröffnet. Eine der 19 Frauen, die in Thüringen angetroffen wurde, musste hingegen in eine Justizvollzugsanstalt gebracht werden. Gegen sie lag ein Haftbefehl wegen einer nicht beglichenen Geldstrafe vor.

Neben etwa 70 Einsatzkräften der Chemnitzer Polizeidirektion und fünf Staatsanwältinnen und Staatsanwälten der Staatsanwaltschaft Chemnitz waren des Weiteren rund 250 Polizistinnen und Polizisten der sächsischen Bereitschaftspolizei, des Landeskriminalamtes Sachsen, der Polizeidirektionen Dresden, Leipzig und Zwickau sowie der Landespolizeien Berlins und Niedersachsens in das heutige Einsatzgeschehen involviert.


Kontakt

Polizeidirektion Chemnitz

Pressesprecherin Jana Ulbricht
Telefon: +49 371 387 2020
E-Mail: medien.pd-c@polizei.sachsen.de
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