Erinnerungskultur in Sachsen: Datendokumentation zur DDR-Heimerziehung, Psychiatrie und Behindertenhilfe für Kinder und Jugendliche an Trägerverein der Gedenkstätte Jugendwerkhof Torgau übergeben
29.01.2026, 14:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Ministerin Köpping: »Wir schaffen neuartigen Zugang zu weitgehend verdrängtem Kapitel der DDR-Geschichte«
Kinder und Jugendliche in der DDR haben oftmals in Einrichtungen der Heimerziehung, in psychiatrischen Einrichtungen und in der stationären Behindertenhilfe schweres Unrecht erfahren, das häufig ihr weiteres Leben prägte. Der Fonds »Heimerziehung in der DDR« sowie die Stiftung »Anerkennung und Hilfe« unterstützten die Betroffenen bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit. Was bleibt, ist das Bestreben, das erlittene Unrecht sowie die Erfahrungen der Betroffenen dauerhaft im öffentlichen Gedächtnis zu verankern. Die bisherigen Aufarbeitungsmaßnahmen in Form von Beratungsgesprächen und Geldleistungen bilden hierfür eine wichtige Grundlage, reichen jedoch für eine tragfähige Erinnerungskultur nicht aus.
Daher hat das Sozialministerium in den vergangenen 17 Monaten eine Datendokumentation zu Kinder- und Jugendheimen sowie zu Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie in Sachsen für den Zeitraum 1949-1990 erstellt. Darin sind mehr als 450 Heime und Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie erfasst. Heute wurde diese Datenbank an den Trägerverein der Gedenkstätte Jugendwerkhof Torgau, der Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof Torgau e.V., übergeben.
Staatsministerin Petra Köpping: »Die in meinem Haus entwickelte und vorangetriebene Aufarbeitungsinitiative wird, einen wichtigen, dauerhaften und vielseitigen Beitrag für die Erinnerung, Aufarbeitung und Bildung leisten. Unterbringungsformen, Missstände, Machtmechanismen und deren Folgen über Generationen hinweg werden sichtbar gemacht. Zusammenhänge werden als ein mahnendes Zeichen für die Notwendigkeit einer von Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit getragenen Gegenwart und Zukunft verdeutlicht.«
Der Trägerverein wird nun bis Jahresende auf dieser Grundlage eine »digitale Landkarte der Erinnerungsorte« erstellen und veröffentlichen. Damit wird ein dauerhafter Baustein der Erinnerungskultur geschaffen, der einen neuartigen Zugang zu einem bislang weitgehend verdrängten Kapitel der DDR-Geschichte bietet. Auf der interaktiven Karte werden zu den recherchierten Heimen und Einrichtungen historische Informationen, Bildmaterial und persönliche Stimmen von Betroffenen bereitgestellt. So wird für Betroffene und Angehörige ein Ort der Erinnerung geschaffen. Bildungseinrichtungen erhalten einen neuen Zugang zu regionalhistorischem Lernen. Behörden und Gerichte werden durch die bereitgestellten Dokumente in Rehabilitierungsverfahren unterstützt. Ebenso ergeben sich für die Forschung neue Ansätze und Anhaltspunkte.
Nach der Freischaltung 2027 soll die digitale Landkarte durch den Trägerverein kontinuierlich gepflegt und aktualisiert und kann auf andere Betroffenengruppen und Unrechtsregionen erweitert werden. Veränderungen in Strukturen und Praktiken der jeweiligen Einrichtungsart, einschließlich wichtiger politischer und gesellschaftlicher Einschnitte sollen dargestellt und Angebot politischer Bildung werden.