1,6 Millionen Euro EU-Förderung für Grünen Wasserstoff: am Hydrogen Innovation Center in Chemnitz entsteht eine Wasserstoffproduktion

29.01.2026, 11:17 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Staatssekretär Trillenberg übergibt JTF-Fördermittelbescheide an eins energie

Staatssekretär Sören Trillenberg hat heute (29. Januar 2026) an Roland Warner, den Vorsitzenden der Geschäftsführung von eins energie in sachsen GmbH & Co. KG (kurz: eins energie) gleich zwei Fördermittelbescheide übergeben: 1,2 Millionen Euro für den Bau eines Elektrolyseurs am Wasserstoff-Campus in Chemnitz und 420.000 Euro für die Umrüstung der Leitungsinfrastruktur von Erdgas auf Wasserstoff am Standort. Damit fördert der Freistaat den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft und unterstützt u. a. die weitere Entwicklung des europaweit einzigartigen Hydrogen Innovation Center (HIC).

Das Wasserstoffzentrum soll industrielle Transformationsprozesse hin zu klimaneutralen Technologien begleiten. Mit einem klaren Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups werden hier neue Geschäftsfelder im Bereich der Wasserstofftechnologien erschlossen, erprobt und zur Marktreife geführt.

Mit der Unterstützung durch Mittel der Europäischen Union errichtet eins energie einen Elektrolyseur, der mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien Wasserstoff erzeugt. Durch das Wasserstoffprojekt von eins energie ist die Grundlastversorgung des Baugebietes mit Wasserstoff bis in die 2030er Jahre gesichert. Dabei wird die Anlage so geplant, dass steigende Bedarfe am Standort bereits heute mitgedacht werden. So kann die Elektrolyseleistung am Standort perspektivisch auf rund 2 Megawatt erhöht und die Speicherkapazität für Wasserstoff verdoppelt werden, wenn ausreichend Bedarfe durch Forschung und Industrie vorhanden sind.

Staatssekretär Sören Trillenberg: »Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Forschungsstandortes Chemnitz und zur Entwicklung einer wasserstoffbasierten Industrie in Sachsen. Mit der Förderung stärken wir gezielt einen Zukunftsort von europäischer Bedeutung. Industrielle Tradition wird mit neuen Technologien verbunden. Das eröffnet insbesondere dem Mittelstand konkrete Perspektiven in der Wasserstoffwirtschaft. Eine verlässliche Zukunftsperspektive auf Basis von grünem Wasserstoff ist dafür eine zentrale Voraussetzung. Der Freistaat begleitet diesen Weg entschlossen, denn hier entsteht neue Wertschöpfung und erfolgreiche Transformation wird ganz konkret erlebbar gemacht.«

Roland Warner, Vorsitzender der eins-Geschäftsführung: »Mit den Zuwendungsbescheiden für diese zwei wichtigen Projekte machen wir einen großen Schritt zur Weiterentwicklung der Technologieregion Chemnitz im Rahmen des anstehenden Transformationsprozesses hin zu einer treibhausgasneutralen Wirtschaft. Die zuverlässige Versorgung des Wasserstoffcampus in Chemnitz spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Daher soll am Standort Fraunhoferstraße, Ecke Lise-Meitner-Straße die bestehende Erdgasinfrastruktur auf Wasserstoff umgerüstet und zusätzliche Wasserstoff-Infrastruktur errichtet werden. Durch das Wasserstoff-Startnetz und den Elektrolyseur kann der Grundlastbedarf der Testinfrastruktur im HIC und weiterer Anrainer mit grünem Wasserstoff gedeckt werden. Diese Projekte reihen sich ein in eine Reihe weiterer Bemühungen von eins, die Region mit Wasserstoff zu versorgen. Dazu zählt auch die Anbindung an das Wasserstoffkernnetz.«

Prof. Welf-Guntram Drossel, geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer IWU: »Wir freuen uns mit eins über die Zuwendungsbescheide. Wasserstoff steht am Beginn einer großen Karriere als Speichertechnologie. Wir sind davon überzeugt, dass Wasserstoff Wind- und Sonnenstrom für Lastspitzen in Fabriken perfekt ‚haltbar‘ machen kann. In unserer Referenzfabrik.H2 zeigen wir gemeinsam mit dem Fraunhofer ENAS und zahlreichen namhaften Industriepartnern, welches Wertschöpfungspotenzial in der industriellen Massenproduktion von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen steckt. Und im Wasserstofftechnologie-Cluster HZwo arbeiten wir am Aufbau des Hydrogen Innovation Center mit, dem künftigen Kompetenzzentrum für Wasserstoffantriebe bei Pkw, Nutz- und Schienenfahrzeugen. Die beiden eins-Projekte sind nun ein weiteres Ausrufezeichen für Chemnitz auf dem Weg zu einem der führenden Zentren für Wasserstoff in Europa.«

Der Elektrolyseur soll mit 240 Kilowatt Elektrolyseleistung errichtet werden. Der Elektrolyse nachgeschaltet wird ein stationärer Wasserstoffspeicher mit einer Kapazität von rund 115 Kubikmetern (etwa 330 Kilogramm Wasserstoff) installiert. Der Wasserstoff soll zur Versorgung des Baugebietes (Wasserstoffcampus Chemnitz) eingesetzt werden. Der erste Kunde soll das HIC sein. Dafür ist vorgesehen, den im Baugebiet bestehenden Erdgasverteilnetzabschnitt für die Nutzung mit Wasserstoff umzuwidmen. Für dieses sog. H2-Startnetz soll eine vorhandene Gasdruckregelanlage (GDRA) versetzt, auf Wasserstoff umgerüstet, ein Stück Mitteldruckleitung neu verlegt und eine bestehende Erdgasmitteldruckverteilleitung auf einer Länge von 550 Metern auf Wasserstoff umgerüstet werden.

Die Fördermittel stammen aus dem Just Transition Fund (JTF) der Europäischen Union. Ziel des EU-Programms ist es, die Gebiete zu unterstützen, die aufgrund des Übergangs der EU zu einer klimaneutralen Wirtschaft schwerwiegende sozioökonomische Herausforderungen bewältigen müssen. Aufgrund der besonderen Betroffenheit des Unternehmens eins als ehemaliger Betreiber eines mit einheimischer Rohbraunkohle befeuerten Heizkraftwerks wurde Chemnitz in die Fördergebietskulisse des JTF aufgenommen.

Hintergrund:
Im Zusammenhang mit dem »Europäischen Grünen Deal« und dem Ziel der Klimaneutralität der EU bis zum Jahr 2050 wurde für den Förderzeitraum 2021 bis 2027 im Rahmen der EU-Kohäsionspolitik der Fonds für einen gerechten Übergang (Just Transition Fund – JTF) eingerichtet. Der Fonds soll Menschen, Wirtschaft und Umwelt in denjenigen Gebieten unterstützen, die aufgrund des Übergangs der EU zu einer klimaneutralen Wirtschaft schwerwiegende sozioökonomische Herausforderungen bewältigen müssen.

Für den Strukturwandel in den sächsischen Braunkohleregionen erhält Sachsen von der Europäischen Union bis 2027 Fördermittel in Höhe von rund 645 Millionen Euro. Im Lausitzer Revier sollen davon 375 Millionen Euro eingesetzt werden, im Mitteldeutschen Revier 200 Millionen Euro und in der Stadt Chemnitz 70 Millionen Euro.


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung

Ansprechpartner Annegret Fischer
Telefon: +49 351 564 50021
E-Mail: medien@smil.sachsen.de
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