Agra-Brücke Markkleeberg: Neue Untersuchungen zeigen erhebliche Schäden – Ersatzneubau der Brücke unausweichlich

17.11.2025, 10:45 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Verkehrsministerin Kraushaar: »Wir müssen jetzt schnell und entschlossen handeln, um Sicherheit zu gewährleisten und der Region eine dauerhafte Lösung zu garantieren.«

Die kürzlich durchgeführten Sonderprüfungen an der Agra-Brücke in Markkleeberg haben gravierende Schäden im Spannstahl der Brücke zutage gefördert. Staatsministerin Regina Kraushaar hat heute (17. November 2025) gemeinsam mit Gutachter Prof. Dr. Thomas Bösche über die ersten Erkenntnisse und über die notwendigen Konsequenzen informiert. Nachdem erste Verkehrseinschränkungen auf der Agra-Brücke bei Markkleeberg bereits umgesetzt werden, rückt vor allem der weitere Umgang mit der Brücke in den Fokus. Damit reagiert das Sächsische Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung auf die jüngsten Ergebnisse aus den technischen Untersuchungen, die ein außerordentlich kritisches Schadensbild zeigen. Dieses verändert die bisherige Bewertung des Brückenbauwerks entscheidend.

Dazu sagt Staatsministerin Kraushaar: »Die Brücke ist die wichtigste Nord-Süd-Achse im Leipziger Raum und wirkt natürlich auch weit in den Südraum und den Landkreis. Doch die Uhr dieser Brücke läuft dramatisch schneller herunter, als wir alle gedacht haben. Die ursprünglich noch angenommene Lebensdauer von zehn Jahren ist nicht mehr ansatzweise haltbar.«

Die in der vergangenen Woche entnommenen Spannstahl-Proben von der Oberseite des Bauwerkes, die bereits bei Inaugenscheinnahme ein erhebliches Schadensbild gezeigt haben, werden nun genauer im Labor ausgewertet – die Ergebnisse sollen Ende November vorliegen.

Auf gleiche Weise wurde bereits im Dezember 2024 an der Unterseite der Brücke vorgegangen. Nach Entnahme von Spannstahlproben folgten weitere Untersuchungen im Labor. Die Ergebnisse von damals zeigten eine gewisse Vorschädigung des Materials, gaben aber – anders als jetzt – keinen Anlass für ein sofortiges Handeln.

Prof. Dr. Thomas Bösche als beauftragter Gutachter dazu: »Die aktuellen Aufschlüsse an der Oberseite zeigen ein dramatisches Bild. In zwei von fünf geöffneten Spanngliedern sind bereits einzelne Drähte gerissen, zudem ist eine Vielzahl weiterer Anrisse festzustellen. Damit liegt nicht mehr nur eine Gefahr der Spannungsrisskorrosion vor, sondern ein nachgewiesenes Problem, das zudem lokal konzentriert und unsystematisch auftritt. Auf dieser Basis ist eine weitere rechnerische Standsicherheitsbewertung nicht mehr möglich. Zur Gewährleistung der Standsicherheit kann kurzfristig nur eine deutliche Reduzierung des Beanspruchungsniveaus beitragen.«

Die neuen Ergebnisse machen unverzügliches Handeln notwendig. Um die Entlastung des Bauwerkes schnellstmöglich voranzubringen und die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, dürfen ab Donnerstag, den 20. November 2025, Fahrzeuge schwerer als 3,5 Tonnen das Bauwerk nicht mehr befahren. Der Verkehr über 3,5 Tonnen wird voraussichtlich über den Leipziger Ring der Autobahnen A 38 und A 14 umgeleitet. Die entsprechende Beschilderung wird ab der ersten Dezemberwoche im weiträumigen Umfeld der Agra-Brücke eingerichtet. Zudem wird eine Geschwindigkeitsreduzierung erfolgen. Bereits seit dem 14. November darf nur noch ein Fahrstreifen pro Richtungsfahrbahn befahren werden.

Es steht fest, dass die Agra-Brücke aufgrund ihres schlechten Zustandes nun so schnell wie möglich ersetzt werden muss. Eine Instandsetzung ist nicht mehr möglich, sodass ein Ersatzneubau erforderlich wird.

Staatsministerin Regina Kraushaar weiter: »In die konkrete Planung eines Tunnels einzusteigen wäre vor dem Hintergrund der dramatischen Befunde der Agra-Brücke nicht zu verantworten. Für ein solches Vorhaben muss eine erhebliche Gesamtprojektzeit veranschlagt werden. Ein Tunnel ist immer ein hochkomplexes und technisch außerordentlich anspruchsvolles Bauwerk, hier stehen bis zu 20 Jahre Projektlaufzeit im Raum. Würde gegen die Pläne geklagt, sind weitere Verzögerungen garantiert. Die Brücke gibt uns schlicht diese Zeit nicht mehr. Viele Menschen würden unkalkulierbar lang – und damit unverantwortlich lang – mit großen Verkehrsbelastungen leben müssen. Die einzige Lösung, die schnell realisierbar, rechtlich machbar, finanziert, und für die Region zumutbar ist, ist der unverzügliche Ersatzneubau der Brücke. Wir haben das Landesamt für Straßenbau und Verkehr deshalb beauftragt, sofort mit den Planungen für den Ersatzneubau zu beginnen. Wir müssen jetzt schnell und entschlossen handeln, um die Sicherheit zu gewährleisten und der Region eine dauerhafte Lösung zu garantieren. Mit dem Ersatzneubau übernehmen wir Verantwortung für die Region.«

Bei neuen Erkenntnissen wird erneut informiert.

Hintergrund:
Die Agra-Brücke wurde zwischen 1970 und 1976 erbaut, ist 357 Meter lang, besteht aus 17 Feldern und führt die B 2/B 95 über den Agra-Park. Rund 30.000 Fahrzeuge pro Tag nutzen die Brücke. Wie insgesamt 19 Brücken in Sachsen enthält sie sogenannten Hennigsdorfer Spannstahl, ein Material, das seit dem Teileinsturz der Carolabrücke in Dresden intensiv im Fokus steht.


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Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung

Ansprechpartner Annegret Fischer
Telefon: +49 351 564 50021
E-Mail: medien@smil.sachsen.de
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